Von Mopsfledermäusen, gelben Unken und Dicken Trespen

Von Mopsfledermäusen, gelben Unken und Dicken Trespen

Weil Windräder eine tödliche Gefahr für Fledermäuse, besonders für Mopsfledermäuse, sind, sollen für sie besondere Auflagen gelten. Allerdings sind diese Vorgaben in den Bundesländern unterschiedlich. Ein Beispiel von vielen, wie Natur- und Tierschutz Bauvorhaben entgegenstehen.

In Gruselfilmen werden Fledermäuse gerne als Angst einflößende, oft auch blutsaugende Horror-Tiere dargestellt. Horror bekommt auch so mancher Windradbauer, wenn er an Fledermäuse denkt. Vor allem an die seltene und daher auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten stehende Mopsfledermaus. Windräder können nämlich den Tod des gerade Mal fünf Zentimeter großen possierlichen Tierchens bedeuten. Nicht etwa, wie fälscherlicherweise angenommen, weil die Fledermäuse durch die sich drehenden Rotorblätter zerhäckselt werden. Die Lungen und die inneren Organe der Tiere platzen, weil durch die Verwirbelungen hinter den Rotorblättern starke Druckschwankungen entstehen.

Über 200.000 Fledermäuse finden jedes Jahr den Tod an deutschen Windkraftanlagen, pro Anlage werden im Schnitt zehn Tiere sterben, fand der Arbeitskreis Fledermausschutz Rheinland-Pfalz heraus. Daher fordert er, dass die Anlagen abends, wenn die Tiere losfliegen, zeitweise abgeschaltet werden. Das rheinland-pfälzische Landesamt für Umwelt hat einen Mindestabstand von fünf Kilometern für Windräder von sogenannten Wochenstuben, also größeren Vorkommen von Mopsfledermäusen, empfohlen. "Das wäre der Tod von Windrädern im Wald", sagt der Trierer Windanlagen-Planer Uwe Seher. Mit einer solchen Vorgabe könnten auf einer begrenzten Waldfläche keine Windräder mehr aufgestellt werden. Mehrere Hunderttausend Euro kosteten Natur- und Tierschutzgutachten, mit denen die Windanlagen-Bauer nachweisen müssen, dass durch ihre Windräder etwa keine Mopsfledermaus gefährdet ist, sagt Seher.

Immer wieder sorgen seltene Tiere oder Pflanzen dafür, das Bauprojekte verzögert oder sogar gestoppt werden. Die Barbastella barbastellus, wie die Mopsfledermaus auf Latein heißt, hat 2004 dafür gesorgt, dass bei der Verlängerung der Start- und Landebahn des Flughafens Hahn zusätzliche Naturschutzflächen eingerichtet werden mussten, um das seltene Tier, das bei Rodungsarbeiten entdeckt worden sein soll, zu schützen. Aus diesem Grund müssen die Autofahrer heute auf der Hunsrückhöhenstraße eine Umleitung fahren, weil zum Schutz der Mopsfledermaus die geplante Verlegung der Bundesstraße nicht umgesetzt werden konnte.
Gelbbauchunken, eine äußerst seltene Amphibienart, und Eidechsen ähnliche Kamm-Molche in einem ehemaligen Militärgebiet führten in Trier dazu, dass ein geplanter Handwerkerpark nicht gebaut werden durfte.

Die Dicke Trespe ist, anders als der Name vermuten lässt, kein fettleibiges Tier, sondern ein seltenes und vom Aussterben bedrohtes Gras. Und genau dieses vermeintliche Unkraut hat vor sieben Jahren zum Streit um die neue Trasse der Bundesstraße 50 bei Wittlich-Wengerohr geführt. Naturschützer hatten das geschützte Ackerkraut dort entdeckt. Auch beim noch immer nicht vollendeten Weiterbau der A 1 in der Eifel hatten Naturschützer Bedenken, die Straße könnte seltene Tiere und Pflanzen schädigen. Das Land hat daraufhin in insgesamt 36 externen Gutachten untersuchen lassen, ob die Autobahn Folgen für 14 Säugetierarten (darunter Wildkatze, Luchs, Haselmaus und elf Fledermausarten) sowie 17 Arten von Vögeln und einer Amphibienart, der Geburtshelferkröte, haben könnte. Ergebnis: Durch den Lückenschluss werden der Naturschutz und die Vogelschutzgebiete "nicht erheblich beeinträchtigt"

Nicht nur die Mopsfledermaus auch der Mornellregenpfeifer gehört aus Sicht von Windkraftanlagen-Errichtern zur Rasse dieser gemeinen Viecher. Der etwa 20 Zentimeter lange und durchaus schön aussehende Vogel verhinderte vor einigen Jahren, dass auf dem Saargau in der Nähe von Saarburg Windräder gebaut wurden. Etliche Landwirte wurden so um die erhofften Einnahmen durch die Verpachtung ihrer Flächen gebracht. Und das nicht, weil das seltene Tier gleich massenweise auf den windigen Höhen oberhalb der Saar entdeckt wurde. Einzelne Vogelkundler haben es vereinzelt gesehen.

Auch die Mopsfledermaus ist bisher eher selten in Rheinland-Pfalz entdeckt worden, vor allem, so eine Sprecherin des Umweltministeriums, im Hochwald vereinzelt bei Mehring und Waldrach (jeweils in Trier-Saarburg). Bislang nur in zwei Fällen wurden die Tiere im Saarland nachgewiesen. Das dortige Umweltministerium empfiehlt beim Vorkommen von Mopsfledermäusen, gerade mal 200 Meter Abstand zum Wald einzuhalten. Im hessischen Umweltministerium weiß man gar nicht, wie viele Mopsfledermäuse es in dem Bundesland gibt. Falls es sie aber an geplanten Windkraftstandorten geben würde, könne das Vorhaben unzulässig sein, falls es "zumutbare Alternativen" gibt, so ein Ministeriumsprecher. Gesetzlich definierte Tabus gebe es in Hessen jedenfalls nicht.