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Vor allem die Hochschule setzt auf Wachstum

Vor allem die Hochschule setzt auf Wachstum

Mit dem Hochschulpakt III tragen Bund und Land den weiter steigenden Studierendenzahlen Rechnung. Für jeden zusätzlichen Studienanfänger gibt es eine Pauschale. Ohne das Geld wäre die Qualität des Studiums kaum haltbar oder gar zu verbessern.

 Das Hauptgebäude der Hochschule Trier. TV-FOTO: F. VETTER
Das Hauptgebäude der Hochschule Trier. TV-FOTO: F. VETTER Foto: (s_wirt )

Trier. In Landau haben vor kurzem Studierende mit einem Streik auf die beengten Verhältnisse an ihrer Universität hingewiesen. Sie ist im Land die Hochschule mit den größten Wachstumsraten. Jährlich 1400 Studienplätze für Anfänger will die Uni Koblenz-Landau aufgrund der hohen Bewerberzahlen bis 2020 bereitstellen. Kein Wunder also, dass sie fast 125 Millionen Euro aus den Mitteln des Hochschulpaktes bekommen soll - die bei weitem größte Tranche unter den elf Hochschulen und Universitäten in Rheinland-Pfalz.

Der Hochschulpakt: Möglich wird das durch den gemeinsamen Hochschulpakt von Bund und Land, der nun in seiner dritten und vermutlich letzten Tranche verabschiedet wurde. Insgesamt 502 Millionen Euro werden zielgenau verteilt. 85 Prozent davon sind für die Schaffung der zusätzlichen Studienplätze vorgesehen. Knapp elf Prozent dienen der Verbesserung der Qualität der Lehre, der Frauenförderung und einer besseren Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung. Vier Prozent (20 Millionen Euro) sind für die Anmietung zusätzlicher Räume oder Bauschritte bestimmt.

Die Hochschule: In Trier dokumentiert die Fördersumme von 37,5 Millionen Euro den Wachstumskurs besonders der Hochschule. "Wir haben uns dazu verpflichtet, ab diesem Jahr bis 2020 jährlich 500 Studienanfänger zusätzlich aufzunehmen", sagt Präsident Norbert Kuhn. Vor allem in den Bereichen Informatik, Betriebswirtschaftslehre und Ingenieurwissenschaften sei der Zustrom ungebrochen. "Wir haben auch viele Wechsler von anderen Universitäten und Hochschulen, weil dort das Studium weniger praxisorientiert ist als bei uns."
Aber auch die neuen Gesundheitsstudiengänge sollen Garanten für die Entwicklung der Einrichtung sein. In den Bereichen Physio-, Logo- und Ergotherapie sollen mittelfristig jährlich 60 Studierende mehr beginnen.
Um das räumlich zu bewältigen, wurde in der Stadt bereits ein zusätzliches Gebäude von den Informatikern bezogen. 2017 soll am Irminenfreihof die ehemalige Staatsanwaltschaft umgebaut sein. Für den Bereich Architektur stehen dann 1000 zusätzliche Quadratmeter Lehrräume zur Verfügung.
"Wir werden weiter wachsen", ist Hochschul-Präsident Norbert Kuhn überzeugt. Investiert werde nun besonders in zusätzliches Lehrpersonal und in Gerätschaften. "Hochschulen haben leider eine relativ geringe Grundausstattung. Das können wir nun verbessern." Zudem werde ein Mentoren- und Tutorenprogramm umgesetzt: Ältere Studierende fördern und betreuen jüngere. Durch Testprüfungen (Tutorien) sollen die Studenten in Zukunft ihren Leistungsstand besser überprüfen können.

Die Universität: Zwölf Millionen Euro gehen an die Universität Trier. Die hat zwar noch immer fast doppelt so viele Studierende wie die Hochschule (siehe Extra). Die Zeit des ungebremsten Wachstums auf dem Campus scheint aber vorbei. "Die Vereinbarung mit dem Land beruht auf einer realistischen Einschätzung unserer Wachstumsmöglichkeiten", sagt Uni-Präsident Michael Jäckel.
Besonders die großen Fächer seien bereits jetzt stark ausgelastet, sagt Jäckel. Zudem setze die Universität im geisteswissenschaftlichen Bereich verstärkt auf Qualitätssicherung, neue Konzepte in der Beratung und bessere Betreuungsverhältnisse.
Immerhin kalkuliert die Hochschule bis 2020 mit jährlich 120 zusätzlichen Studienanfängern. Dabei gehen Land und Uni allerdings von dem Wert im Jahre 2005 aus, der deutlich unter dem von 2015 lag. Grundsätzlich sollen die Rahmenbedingungen für Studium und Lehre sich verbessern, auch um die Zahl der Studienabbrecher zu verringern.
Die Reaktionen: Triers Oberbürgermeister Wolfram Leibe freut sich über den Geldsegen für die beiden Einrichtungen: "Das ist eine gute Nachricht für die Stadt Trier. Die Hochschulen sind wichtige Entwicklungs- und Standortfaktoren. Deshalb haben wir in unserem Zukunftskonzept die Entwicklung der Hochschulen in Abstimmung mit den Präsidenten berücksichtigt." Für die Umsetzung der entsprechenden Projekte und Maßnahmen komme die finanzielle Zuwendung zum richtigen Zeitpunkt.
Weniger euphorisch sieht das Studierendenwerk den Hochschulpakt. Geschäftsführer Andreas Wagner ist vor allem enttäuscht, weil soziale Aspekte nicht als Förderschwerpunkt definiert sind: "Unsere Appelle in diese Richtung sind leider ungehört geblieben."
Bereits im Sommer 2012 hatte der Verwaltungsrat des Studierendenwerkes an die Parteien im Landtag appelliert, sich in den Verhandlungen um den Hochschulpakt III dafür einzusetzen, und diese Bitte im Juli 2014 in einem Schreiben an die Staatskanzlei wiederholt. "Dafür haben wir aus Mainz aber leider eine - wenn auch sehr wohlwollend und freundlich gehaltene - Absage erhalten", bedauert Wagner.

Die Politik: In Wahlkampfzeiten treffen solche Aussagen bei der CDU auf offene Ohren. Die Hochschulen in Rheinland-Pfalz seien chronisch unterfinanziert, schimpft Dorothea Schäfer, hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion. Der Vorschlag der Christdemokraten, dies zu ändern und den Hochschulen 100 Millionen Euro im Kernhaushalt und kurzfristig 15 Millionen Euro zusätzlich zur Verfügung zu stellen, sei von Rot-Grün abgelehnt worden. Das sei "vollkommener Unsinn", kontert Barbara Schleicher-Rothmund, hochschulpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion. "Das Land gibt in diesem Haushaltsjahr mehr als eine Milliarde Euro für die Hochschulen aus. Das ist ein historischer Höchststand." Der Bund müsse sich dennoch weiter an der Hochschulfinanzierung beteiligen.