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Vor Sommerferien-Start in Rheinland-Pfalz: Das gilt in Risikogebieten

Risikogebiet Spanien : Wo darf ich noch Urlaub machen?

Die Zahl an Risikogebieten nimmt zu. Welche Regeln kurz vor Ferienstart gelten, womit Reisebüros in der Region rechnen.

Noch wenige Tage, dann beginnen für Hunderttausende Schüler und Eltern die Sommerferien. Auch in der Region Trier sehnen sich viele Menschen nach freien Tagen – und vielleicht der ersten großen Reise nach tristen Corona-Monaten. Weil aber die Delta-Variante des Virus grassiert und mit Spanien nun auch ein beliebtes Urlaubsziel als Risikogebiet gilt, herrscht Verunsicherung, wie viel Ferien möglich sind. Experten geben aber Entwarnung, wenn es um die Corona-Regeln in Ländern wie Spanien geht. Reisebüros in der Region gehen zuversichtlich in die Urlaubssaison. Ein Überblick.


Darf ich demnächst nur noch als Geimpfter in den Urlaub?

Momentan gibt es für Urlauber kaum Probleme, wenn sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind. Geht es nach Peter Heinz, Landeschef der Kassenärztlichen Vereinigung, soll sich das ändern. Er sprach sich in der „Rhein-Zeitung“ dafür aus, Ungeimpften den Urlaub zu verweigern, um mehr Druck im Kampf gegen das Coronavirus zu erzeugen. Während die rheinland-pfälzische Landesregierung den Ansatz verfolgt, das Tempo beim Impfen zu erhöhen und Akzeptanz nicht zu gefährden, wischt Dehoga-Landeschef Gereon Haumann den Vorschlag erst einmal nicht für den Tag X vom Tisch, wenn sich jeder impfen lassen könne. „Steigen dann trotzdem die Inzidenzen, gibt es keine Logik, Geimpften den Besuch von Gastronomiebetrieben und Hotels zu verwehren.“ Erste Touristiker weisen bereits die Richtung: Alltours will in seinen Allsun-Hotels ab Ende Oktober nur noch Touristen aufnehmen, wenn sie geimpft sind oder einen Genesenennachweis haben. Bis dahin stehe genügend Impfstoff für alle zur Verfügung, begründet der Konzern die Entscheidung.


In welche Länder darf ich in den Sommerferien reisen?

Reiseverbote spricht das Auswärtige Amt nicht aus, falls ein Land als Corona-Risikogebiet eingestuft ist. Es rät den Deutschen allerdings von nicht notwendigen, touristischen Reisen ab. Ähnlich äußert sich das Gesundheitsministerium in Rheinland-Pfalz. Ein Sprecher sagt, man appelliere an die Bürger, „verantwortungsvoll mit den zurückgewonnen Freiheiten umzugehen und im jeweiligen Einzelfall genau abzuwägen, welche Reisen notwendig sind und welche nicht“. Das Reisen in solche Länder ist also erlaubt. Es droht aber Quarantäne nach der Deutschland-Rückkehr.


Was sind Risikogebiete?

Momentan unterscheidet der Bund nach drei Stufen. Das einfache Risikogebiet mit mehr als 50 Neuerkrankungen auf 100 000 Einwohner binnen einer Woche, wozu momentan Spanien zählt. Das Hochinzidenzgebiet mit einer besonders hohen 7-Tage-Inzidenz von mehr als 200, wozu Portugal, Zypern oder Ägypten zählen. Und das Virusvariantengebiet als dritte Stufe, wo in Deutschland kaum vertretene Mutationen für besonders viele Ansteckungen sorgen. Brasilien oder Südafrika fallen momentan darunter. Je nach Stufe gelten verschiedene Regeln, wenn es um Testpflichten und Quarantäne geht.


Welche Regeln gelten in den einzelnen Gebieten?

Entscheidend ist, dass Menschen zehn Tage in einem Risikogebiet gewesen sind. Wer dann aus einem einfachen Risikogebiet wieder nach Deutschland zurückkommt, muss sich vorher digital über www.einreiseanmeldung.de anmelden und spätestens 48 Stunden nach der Einreise einen Nachweis in der Tasche haben, nicht mit dem Corona­virus infiziert zu sein. Das kann ein vollständiger Impfschutz sein, eine ärztliche Genesenenbescheinigung oder ein negativer Corona-Test. Fluggesellschaften fordern diesen normalerweise ohnehin vor dem Abflug in die Heimat. Wer eine solche Bescheinigung nicht vorlegen kann, muss sich direkt nach Ankunft für zehn Tage in häusliche Quarantäne begeben, kann sich mit einem negativen Test aber jederzeit davon befreien. Etwas anders ist das für Reiserückkehrer aus Hochinzidenzgebieten. Sie können sich erst nach fünf Tagen Quarantäne mit einem negativen Corona-Ergebnis freitesten, wenn sie nicht bereits geimpft oder genesen sind. Wer in einem Virusvariantengebiet war, muss für 14 Tage in Quarantäne.


Was bedeutet die Einstufung von Spanien als Risikogebiet für Urlauber?

In vielen Regionen schossen die Infektionszahlen in die Höhe. Für Urlauber ändert sich erst einmal nur wenig, weil Spanien auf der geringsten Stufe der Risikogebiete steht. Wer mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland fliegt, muss zwar über einen Test, einen vollständigen Impfschutz oder eine ärztliche Genesenenbescheinigung nachweisen, nicht am Coronavirus erkrankt zu sein. Das war aber ohnehin schon der Fall. Vor Ort können sich im Urlaub natürlich Konsequenzen ergeben – wie mehr geschlossene Geschäfte, Kneipen und Restaurants. Das gilt es regional zu beachten. Und: Sollte das Robert Koch-Institut Spanien in der kommenden Woche noch zum Hochinzidenzgebiet hochstufen, droht für Reiserückkehrer strengere Quarantäne.


Kommt es jetzt zur großen Storno-Welle von Spanien-Urlauben?

Reisebüros in der Region rechnen nicht damit. Thomas Müller von Kylltal-Reisen sagt: „Die Leute lassen sich nicht mehr so einfach abschrecken. Außerdem bedeutet ein Risikogebiet nicht zwangsweise Quarantäne, wenn die Urlauber geimpft, genesen oder negativ-getestet sind.“ Henrike Kammerer, die ein Reisebüro in Wittlich leitet, rechnet nicht mit einer Stornierungswelle nach Spanien. „Es gibt aber den einen oder anderen, der seinen Urlaub umbucht“, sagt Kammerer. Laut Jan Glockauer, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Trier, kann der Raum Trier zum Gewinner werden. „Es ist damit zu rechnen, dass mehr Menschen auf Inlandsurlaub umbuchen und Ferien in der Region machen“, sagt er. 


Kann ich einen Urlaub – wie nach Spanien – überhaupt stornieren, weil es nun einfaches Risikogebiet ist?

Julia Gerhards von der rheinland-pfälzischen Verbraucherzentrale sagt, bei einfachen Risikogebieten liege der geringste Grund für Stornierungen vor. Wer gebucht habe, müsse ohnehin bei der Einreise einen Test vorlegen. „Die normalen Alltagseinschränkungen vor Ort werden wahrscheinlich nicht zu einer kostenlosen Stornierung führen“, sagt sie. Anders sei dies bei Hochinzidenz- und Virusvariantengebieten. Sie rät Verbrauchern grundsätzlich, einen der neuen Flex-Tarife abzuschließen. Diese ermöglichten, Reise wenige Wochen vor dem Urlaub gegen geringe Service-Gebühr oder gar kostenlos zu stornieren. Ansonsten sieht Gerhards gerade bei regionalen Reisebüros oft die Gelassenheit, die auch die Wittlicherin Henrike Kammerer äußert: „Die meisten Veranstalter zeigen sich kulant, lassen kurzfristiges Umbuchen zu oder haben einen Flex-Tarif.“


Wie laufen die Buchungen in den regionalen Reisebüros?

 Schönen Urlaub! Oder doch nicht? In Corona-Zeiten sorgt das Reisen erneut für Verwirrung – und so manche Debatte.
Schönen Urlaub! Oder doch nicht? In Corona-Zeiten sorgt das Reisen erneut für Verwirrung – und so manche Debatte. Foto: dpa-tmn/Christin Klose

Reisebüros in der Region spüren nach eigenen Angaben  unter ihren Kunden große Lust auf Urlaub. Henrike Kammerer spricht von einem Boom, der seit Juni eingesetzt habe. „Viele gehen nach ihrer Buchung juchzend und fröhlich nach Hause und haben etwas in der Hand, worüber sie sich freuen können“, sagt die Wittlicherin. Bereits für das kommende Jahr seien viele Kreuzfahren gebucht worden. In den bald startenden Sommerferien ziehe es viele Menschen aus der Region nach Griechenland, Italien und Spanien. Thomas Müller von Kylltal-Reisen spricht davon, dass die Buchungszahlen in seinen Reisebüros nach langen Beschränkungen „sehr gut“ seien. Es zeige sich, dass die Kunden angesichts vieler Fragen direkt die Reisebüros vor Ort aufsuchten, die besseren Service bieten könnten. Unter den Buchungen seien die Favoriten die Kanaren, die Balearen und die Türkei. „Der absolute Renner ist aber Griechenland“, sagt Müller. Weil das Wetter in diesem Sommer nicht stabil sei, ziehe es Reisende weniger an Nordsee und Ostsee, sondern in warme, südeuropäische Länder. Wenig gefragt seien Länder außerhalb Europas wie Tunesien, Marokko, aber auch ein Hochinzidenzgebiet wie Portugal. Kammerer sagt: „Die Menschen akzeptieren, dass wir mit dem Virus leben lernen müssen und können.“