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Kriminalität
Vorsicht, Langfinger! – Zahl der weihnachtlichen Taschendiebe in der Region Trier geht zurück

Trier. In der Vorweihnachtszeit haben Taschendiebe Hochkonjunktur. Gegen den Bundestrend gehen in der Region Trier die Zahlen zurück. Woran liegt’s? Rolf Seydewitz

Alle Jahre wieder haben Taschendiebe Hochkonjunktur. Besonders im Gedränge der Weihnachtsmärkte und in gut besuchten Geschäften und Fußgängerzonen schlagen die Langfinger gerne zu, warnt die Polizei.

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Beruhigend: In der Region Trier ist die Anzahl der Taschendiebstähle in den zurückliegenden drei Jahren entgegen dem Bundestrend kontinuierlich zurückgegangen. So wurden im vergangenen Jahr 330 Taschendiebstähle gemeldet, etwa halb so viele wie zwei Jahre zuvor (628). Beunruhigend: Die Aufklärungsquote ist mit nicht einmal fünf Prozent verschwindend gering. Zudem gehen Experten davon aus, dass nur jeder zehnte Taschendiebstahl auch angezeigt wird. Heißt: Die Dunkelziffer ist hoch. Stimmt die Schätzung, dürfte es in Deutschland jedes Jahr 1,5 Millionen Taschendiebstähle geben.

Klau-Hochburg ist nach einer aktuellen Studie des Internetportals shopping.de Düsseldorf. Nirgendwo gab es so viele Diebstähle pro Einwohner wie in der NRW-Landeshauptstadt: Im vergangenen Jahr waren es 1314 Straftaten je 100.000 Einwohner. Es folgen die Städte Berlin (1271), Hamburg (1032) und Köln (937).

Gemessen an den deutschen Klau-Hochburgen lebt es sich in der Stadt Trier mit 191 Taschendiebstählen je 100.000 Einwohner vergleichsweise sicher. Und in den vier Kreisen der Region liegen die Zahlen (zwischen 20 und 27) noch deutlich darunter. Allerdings wurde in den Kreisen Bernkastel-Wittlich und Vulkaneifel im vergangenen Jahr laut der Studie auch kein einziger Taschendiebstahl aufgeklärt.

Nach Erkenntnissen des Landeskriminalamts sind es oft professionelle Einzeltäter oder Familienbanden aus Südosteuropa, Südamerika oder den sogenannten Maghreb-Staaten (etwa Tunesien, Algerien, Marokko), die in Städten und an gut besuchten Orten auf Beutezug gehen. Nach der Statistik kommen vier von zehn Tatverdächtigen aus Osteuropa und vom Balkan, wo organisierte Taschendiebbanden ihren Sitz haben. Die jungen Männer werden in ihrer Heimat "ausgebildet" und dann auf Diebeszüge quer durch Europa geschickt. Von ihnen wird angeblich erwartet, dass sie täglich mindestens 300 Euro erbeuten. Ob es Tätergruppierungen gibt, die in der Region Trier das Langfinger-Handwerk dominieren, ist offenbar nicht bekannt. Nach Angaben von Polizeisprecherin Sabine Bamberg lassen sich "wegen der geringen Anzahl an Daten keine fundierten Aussagen" über Täter oder Tätergruppen machen.

Die meisten Langfinger erbeuten bei einem Diebstahl Geld und Wertsachen zwischen 50 und 250 Euro. Bei immerhin jeden fünften angezeigten Taschendiebstahl liegt der Wert der Beute zwischen 500 und 2500 Euro. Insgesamt regis8trierten die Ermittler im vergangenen Jahr einen durch Taschendiebe verursachten Schaden von knapp 52 Millionen Euro. Vor sechs Jahren waren es noch 30 Millionen Euro.

Dass die Taschendiebstähle in der Region Trier gegen den Bundestrend zuletzt deutlich zurückgegangen sind, führen die Ermittler auf mehr Fußstreifen und Zivilbeamte in Fußgängerzonen und bei Großveranstaltungen zurück. Zudem veröffentliche die Polizei regelmäßig Tipps, wie sich Bürger wirksam vor Taschendiebstählen schützen könnten, sagt Sprecherin Sabine Bamberg.
Das regionale Langfinger-Barometer

In der Studie über Taschendiebstähle wurden 402 deutsche Städte und Kreise miteinander verglichen. Düsseldorf steht auf Platz eins, heißt: In der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt ist die Wahrscheinlichkeit am größten, Opfer eines Taschendiebstahls zu werden. Trier steht auf Platz 46, gefolgt von Bernkastel-Witlich (279), dem Eifelkreis Bitburg-Prüm (287), dem Vulkaneifelkreis (309) und dem Kreis Trier-Saarburg (323), in dem Langfinger vergleichsweise selten zuschlagen.