Vorsitzender Streit: Die Lage der Unternehmen ist sehr angespannt

Vorsitzender Streit: Die Lage der Unternehmen ist sehr angespannt

Zurückgehende Schülerzahlen, steigende Beförderungskosten - die Linienbusunternehmen kämpfen zunehmend mit finanziellen Problemen. Eine für April geplante Erhöhung der Ticketpreise liegt aber vorerst auf Eis. Wie geht es weiter? Dazu äußert sich der Vorsitzende des Verkehrsverbundes Region Trier, der Bitburg-Prümer Landrat Joachim Streit, im Interview mit dem Trierischen Volksfreund.

Trier. Die finanzielle Situation vieler Linienbusunternehmen in der Region Trier ist angespannt. Über die Zukunft des Busverkehrs und des Verkehrsverbundes Region Trier (VRT) sprach unser Redakteur Bernd Wientjes mit dem Vorsitzenden des VRT-Zweckverbandes, dem Bitburg-Prümer Landrat Joachim Streit.
Die für April geplante zweite Preiserhöhung bei Bussen und Bahnen in der Region wurde vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) zunächst nicht genehmigt. Was würde es bedeuten, wenn die Preiserhöhung nicht kommt?
Streit: Dann werden eine Reihe von Busunternehmen beantragen, die von ihnen bedienten Linien nicht mehr zu den heutigen
Bedingungen fahren zu müssen. Dies würde eine Neuausschreibung nach sich ziehen, und wir würden sehen, wie ein Tarif aussieht, der auskömmlich ist.
Wenn die Preiserhöhung genehmigt wird, ist sie ausreichend - oder müssen die Tarife in diesem Jahr erneut erhöht werden?
Streit: Die Unternehmen haben sich darüber beschwert, dass die Preisprüfung nicht schon früher durchgeführt worden ist, damit die mögliche Erhöhung im ersten Halbjahr hätte erfolgen können. Damit gehen sie mit den Jahreseinnahmen wieder um ein halbes Jahr gebremst in die nächste Runde.
Sind für nächstes Jahr Preiserhöhungen geplant - und wenn ja: in welcher Höhe?
Streit: Aus der Erfahrung der verzögerten Preisprüfung werden die Unternehmer jetzt frühzeitiger mit dem Verkehrsverbund verhandeln. Aufgrund der enormen Dieselkosten werden diese Ausgaben auch an die Kunden weitergegeben.
Sind weitere Preiserhöhungen überhaupt noch durchsetzbar, oder läuft der VRT dann nicht Gefahr, dass noch mehr Kunden abspringen?
Streit: Ja, die freien Kunden, die ihr Ticket selbst zahlen, werden abspringen. Für die meisten Schüler zahlen die Kreise und die Stadt Trier ohnehin die Karten.
Wie schätzen Sie die finanzielle Lage der Unternehmen ein?
Streit: Sehr angespannt. Man hat es beim Rückzug der Moselbahn aus dem Saargau gesehen: Dort wurde auch der Standort Saarburg geschlossen.
Es hat ja wohl Gespräche zwischen Land und VRT über die Zukunft des Verbundes gegeben. Wie sieht die Zukunft Ihrer Ansicht nach aus?
Streit: Mit dem Land ist vereinbart, in den nächsten drei Jahren den Verkehr im nördlichen Rheinland-Pfalz komplett neu zu planen. Gleichzeitig sollen die Regiobuslinien des Zweckverbandes Schienennahverkehr in die bestehenden Linien eingegliedert werden. Eine Herkules-Aufgabe für den VRT und die Kommunen. Ich glaube zwar noch nicht an die heilende Wirkung der Neuplanung, aber es gibt hierzu keine Alternative.
Was muss getan werden, um die finanzielle Situation der Linienbusunternehmen zu verbessern?
Streit: Das Land muss Ausgleichsbeträge zum Ausgleich der geringer werdenden Schülerzahlen leisten. Gleichzeitig dürfen die Zuschüsse des Landes nicht abgeschmolzen werden. Mit diesen beiden Maßnahmen würden die Einnahmen schon einmal gehalten. Auch die Busförderung, also die finanzielle Unterstützung beim Neukauf von Bussen durch das Land, wie es sie in den übrigen Bundesländern gibt und auch in Rheinland-Pfalz früher gab, muss wieder eingeführt werden.
Hat der Verkehrsverbund überhaupt eine Zukunft?
Streit: Das größte Interesse an einem Fortbestand muss die Stadt Trier haben, weil durch den Verbund mit Fahrziel Trier die Tarife günstiger sind als ohne Verbund. Jeder Fahrgast im Bus verhindert zudem den drohenden Verkehrsinfarkt in Trier, vom Umweltschutz ganz zu schweigen. Ohne Verbund wird es weniger Busverkehr geben, und dieser wird auch noch teurer, für Fahrgäste und Kommunen. wie

Mehr von Volksfreund