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Wärmepumpe im Altbau: Günstig Planen mit Öl & Gas

Heizung : Wärmepumpe im Altbau? Gut planen, dann geht das!

Weg von Öl und Gas – wie kann das funktionieren? Ein Experte erklärt, worauf Sie beim Austausch der alten Heizung gegen eine Wärmepumpe achten müssen und was im Altbau möglich ist.

Die Öl- und Gaspreise explodieren. Wer sein Geld dennoch für diese fossilen Brennstoffe ausgibt, weiß inzwischen, dass er damit einen Angriffskrieg finanziert. Außerdem ist nach Dürrejahren und Flutkatastrophen überdeutlich, welche schrecklichen Folgen die Klimakrise auch hier hat.

Also wollen plötzlich alle Wärmepumpen. Im Neubau sind die ohnehin schon Standard. Aber der allergrößte Teil der Häuser, die in Deutschland stehen, ist alt und wurde vor 1978 gebaut.

Stephan Streit ist Installateur und Heizungsbaumeister. Bei der Handwerkskammer Trier ist er für die überbetriebliche Ausbildung seiner jungen Berufskollegen zuständig und kennt sich daher bestens mit Wärmepumpentechnik aus. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie man auch ein altes Haus mit moderner, umweltschonender Technik angenehm warm bekommt.

Herr Streit, alle wollen gerade Wärmepumpen. Gibt es genug Installateure in der Region, die sich richtig gut mit dieser neuen Technik  auskennen?

Stephan Streit: Ich denke schon, dass unsere Installateure dafür gut ausgebildet sind. Natürlich ist Fachkräftemangel ein Problem. Fast alle, mit denen ich spreche, könnten noch Leute gebrauchen. Aber kompetent genug sind sie.

Könnten Sie mal erklären, welche Wärmepumpen für einen Altbau geeignet wären und worauf man achten muss?

Streit: Grundsätzlich sind die meisten Wärmepumpen für Altbauten geeignet. Egal ob Sole-Wasser-Anlagen oder Luft-Wasser-Anlagen. Wichtig ist, dass die Anlage von der Auslegung her auf das Gebäude passt. Das ist das A und O.

Und wie finde ich das heraus, was für mein Gebäude passt?

Streit: Dafür brauchen sie einen Fachhandwerker an ihrer Seite, der sich die vorhandene Technik, das Haus und die Heizflächen anschaut und bewertet. Um die Wärmepumpe auszulegen, kommt er nicht drumherum, eine Heizlastberechnung zu machen. Da gehört eine ganze Ecke Planung dazu.

Was ist eine Heizlastberechnung?

Streit: Damit berechnet der Handwerker den Energieaufwand, der nötig ist, um einzelne Räume und ein ganzes Gebäude zu beheizen. Und zwar bei der im Extremfall angenommenen, tiefsten Außentemperatur. In Trier wären das etwa minus neun Grad. Auch bei solchen Temperaturen muss das Gebäude ja immer noch warm sein. Da kommt dann ein Wert pro Raum und für das ganze Gebäude heraus. Anhand dieser Daten kann man dann schauen, wie groß die Heizfläche im Raum sein muss. Dabei spielt natürlich auch eine Rolle, was für ein Heizsystem man hat: zum Beispiel Heizkörper oder eine Fußbodenheizung. Mithilfe all dieser Infos kann der Handwerker dann die Vorlauftemperatur festlegen und die Wärmepumpe entsprechend auslegen.

Es heißt ja immer, am besten geeignet wären Flächenheizungen ...

Streit: Ja, das ist auch richtig.

Aber das haben viele ältere Häuser ja nicht. Was kann man denn ohne riesige Investitionen machen, damit es vielleicht doch mit normalen Heizkörpern geht?

Streit: Es gibt mittlerweile auch Wärmepumpen, die für höhere Vorlauftemperaturen ausgelegt sind, sodass man Radiatoren auch weiter nutzen könnte. Eine höhere Vorlauftemperatur ist natürlich mit einem höheren Energieaufwand verbunden. Je größer die Heizkörper, desto besser. Wenn in den Häusern schon mal Fenster ausgetauscht wurden oder das Dach gedämmt wurde, dann hat man in alten Heizkörpern meist noch ein bisschen Leistungsreserve. Das würde der Handwerker beim Prüfen des Vorhandenen auch sehen.

Und man könnte einzelne Heizkörper, die zu klein sind, einfach gegen größere auszutauschen, oder?

Streit: Natürlich, die kann man auch tauschen.

Welche Vorlauftemperatur braucht man denn im Idealfall?

Streit: Je niedriger die Vorlauftemperatur sein muss, umso wirtschaftlicher kann die Anlage arbeiten. Je höher die Vorlauftemperatur sein muss, umso schlechter wird der Wirkungsgrad der Anlage. Man hat früher Anlagen ausgelegt auf 75 Grad Vorlauftemperatur. Das war der Standard für Öl- oder Gasheizungen. In den 90er Jahren ist man dann runtergegangen auf 60 Grad und hat die Heizflächen etwas vergrößert. Heute braucht ein KFW-40-Neubau mit Fußbodenheizung und Wärmepumpe Vorlauftemperaturen von maximal 35 Grad. Das ist natürlich viel effizienter.

Und welche Vorlauftemperatur wäre für eine Wärmepumpe im Altbau optimal?

Streit: Im Idealfall kommt man nicht über 50 Grad. Das ist ein Optimum, wo die Anlage im Wohlfühlbereich arbeitet. Wenn die Heizflächen groß genug sind, dann kann das auch im Altbau mit der Temperatur klappen.

Hersteller werben ja damit, noch viel höhere Vorlauftemperaturen erreichen zu können, angeblich ohne großen Effizienzverlust. Ist das ein Werbegag oder stimmt das?

Streit: Ein Werbegag ist das nicht. Die Anlagen wurden schon dafür gebaut. Aber: Man bekommt nichts umsonst. Wenn ich höhere Temperaturen haben will, dann habe ich auch einen höheren Energieaufwand.

Was sagt mir denn die Jahresarbeitszahl und warum ist die für mich wichtig?

Streit: Die Jahresarbeitszahl gibt Auskunft darüber, wie effizient die Wärmepumpe ist. Je höher sie ist, desto besser ist die Wärmepumpe. Die Zahl ergibt sich daraus, dass ich die erzeugte Energie durch die aufgewendete Energie teile. Ich brauche ja Strom, um die Wärmepumpe zu betreiben. Der wird gemessen in Kilowattstunden. Ich kann auch die erzeugte Energie in Kilowattstunden messen. Und wenn ich erzeugte Energie durch aufgewendete Energie teile, dann kommt da eine Zahl größer eins bei raus. Das ist die Jahresarbeitszahl. Die Zahl vier bedeutet: Die Wärmepumpe macht aus einem Teil elektrischer Energie vier Teile Wärmeenergie. Für Sole-Wasser-Wärmepumpen liegt die durchschnittliche Jahresarbeitszahl bei vier und für  Luft-Wasser-Wärmepumpen bei drei.

Ich vermute, für den Altbau ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe am besten geeignet, oder? Ich stelle es mit jedenfalls schwierig vor, vor der Haustüre ein Hundert Meter tiefes Loch zu buddeln oder den ganzen Garten zu zerstören, um zwei Meter tief ein Netz zu verlegen.

Streit: Wenn die Gegebenheiten ums Haus das so vorgeben, dann ja. Im städtischen Bereich ist es natürlich schwierig, überall Bohrungen zu machen oder mal eben 300 Quadratmeter Erdkollektor zu verlegen. Im ländlichen Bereich geht das schon eher mal, wenn es ein Baugebiet mit größeren Grundstücken ist.

Aber dafür brauche ich eine Genehmigung, oder?

Streit: Natürlich, dafür brauchen sie eine Genehmigung von der Unteren Wasserbehörde. Normalerweise sind die aber nicht schwer zu bekommen, wenn die örtlichen Gegebenheiten es zulassen.

Aber mit so einer Bohrung wird das sicher teurer als eine Luft-Wasser-Wärmepumpe?

Streit: Für ein neues Einfamilienhaus benötigt man oft nur eine Tiefenbohrung, die meist bis zu 99 Meter tief sein kann. Hierfür muss man mit Kosten von 8500 bis 9500 Euro rechnen. Wenn eine zweite Bohrung dazukommt, ist man auch schnell bei 12.000 Euro. Und dann haben sie nur die Bohrung, noch nicht das Gerät.

Was kommt dann noch an Kosten dazu?

Streit: So ein Gerät an sich kostet schon 10.000 Euro. Das gilt übrigens auch für Luft-Wasser-Wärmepumpen. Hinzu kommt das ganze Zubehör und der Arbeitslohn. Bei vielen Gebäuden muss auch noch die Elektrik angepasst werden.

Wieso muss die Elektrik angepasst werden?

Streit: Wärmepumpen kriegen ja meist einen gesonderten Stromtarif. Daher braucht man zwei Zähler: einen für die Wärmepumpe und einen für den Hausstrom. Natürlich müssen auch Kabel gelegt werden für die Wärmepumpe.

Luft-Wasser-Wärmepumpen scheinen ja eine gute Lösung für den Altbau zu sein. Aber die sind laut, oder?

Streit: Die können zum Beispiel beim Abtauprozess vom Geräusch schon mal etwas lauter werden. Aber in den letzten Jahren hat sich da viel getan. Die modernen Geräte sind relativ leise.

Wo stellt man die denn am besten auf?

Streit: Wärmepumpen sind keine kleinen Kistchen und sie müssen frei stehen. Man kann sie nicht in die Ecke stellen und Hecken drumherum pflanzen. Die Luftzirkulation muss frei sein. Hersteller geben Mindestabstände zu Wänden, Fenstern, Aufenthaltsräumen oder Nachbarhäusern vor.
Wenn jemand im Heizungsraum viel Platz hat, könnte man die Anlage dort drinnen aufbauen. Das ist eine gute Lösung für Leute, die das Gerät draußen nicht sehen wollen. Allerdings sind Luftansaugung und -auslass große Gitter, die an die Hauswand müssen. Die können schnell mal einen halben bis einen Meter im Durchmesser haben, das gefällt nicht jedem.

Welche Vorteile bietet ein Pufferspeicher?

Streit: Ein Pufferspeicher ist was Schönes, wenn eine kombinierte Lösung mit Photovoltaik angedacht ist. Wenn gerade viel Sonnenenergie da und der Strom quasi umsonst ist, kann die Wärmepumpe damit warmes Wasser und Heizungswasser auf Vorrat erzeugen. Das ist ein großes Plus.

Würden Sie also auf jeden Fall die Kombination mit Photovoltaik empfehlen?

Streit: Das ist in der Tat eine schöne Sache. Ich kann den Strom aus der PV-Anlage ja auch nicht nur für die Wärmepumpe nutzen. Leider ist genau zur Heizsaison die wenigste Sonneneinstrahlung da. Aber wenn ich einen Trinkwasserspeicher habe, der mittags erwärmt wurde, weil die Sonne geschienen hat, dann habe ich da abends ja auch noch was von.

Was gibt es sonst an Kombimöglichkeiten: Öl, Gas, Pellets?

Streit: Ja, das gibt es alles. Man hat immer die Möglichkeit, Wärmepumpen mit einem Spitzenlastkessel auszurüsten für die Kältespitzen im Winter, falls die Wärmepumpe das nicht packt. Es gibt auch die Möglichkeit, die Wärmepumpe mit einer thermischen Solaranlage zu kombinieren. Oder mit wassergeführten Holzöfen. Möglichkeiten gibt es viele. Es ist aber immer die Frage, ob sich das rechnet.

Wie viele Tage im Jahr sind denn überhaupt so kalt, dass eine Wärmepumpe das nicht schafft?

Streit: Die minus neun Grad, die in Trier als Auslegungslast für Wärmepumpen angenommen werden, die kommen vielleicht im Jahr zwei bis drei Mal vor. Ich glaube, im letzten Winter war es überhaupt nicht so kalt. Man hat natürlich auch mal Jahre, die Ausreißer sind und dann wird es mal minus 16 Grad kalt. Aber dafür sind die Geräte ja mit einem zusätzlichen Elektro-Heizstab ausgerüstet.

Dann wird es also einfach ein bisschen teurer, aber man muss nicht frieren?

Streit: Ja, an diesen Tagen wird die Stromrechnung etwas höher, aber für die drei Tage im Jahr kann man das wahrscheinlich auch verkraften.

Wie teuer ist überhaupt der Betrieb einer Wärmepumpe?

Streit: Die Betriebskosten zu schätzen, ist schwierig, da die Gebäude und Nutzer sehr unterschiedlich sind.

Also – Wärmepumpe im Altbau: klasse Sache?

Streit: Ja. Man will vom Öl und Gas weg und für den privaten Haushalt ist Strom der richtige Weg. Eine Wärmepumpe ist nichts, was man aus der Hosentasche zieht. Das muss wirklich ordentlich geplant sein. Eine gute Beratung ist wichtig und man muss sich jedes Haus einzeln angucken. Aber dann kann das funktionieren.