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Wahlkampf im Alleingang: Der Hunsrücker Richard Pestemer kandidiert als Einzelbewerber für den Landtag

Wahlkampf im Alleingang: Der Hunsrücker Richard Pestemer kandidiert als Einzelbewerber für den Landtag

Wer in den Mainzer Landtag einziehen will, benötigt dafür nicht unbedingt die Unterstützung einer Partei. Richard Pestemer, fast 70-jähriger Ortsbürgermeister der Hunsrückgemeinde Neunkirchen, geht als einer von landesweit nur zwei Einzelbewerbern ins Rennen - ohne Wahlplakate und mit minimalem Budget.

Eigentlich hat Richard Pestemer ein Alter erreicht, in dem man seinen Lebensabend genießt, wie es gemeinhin heißt, wenn jemand in Rente geht. Aber der Hunsrücker denkt überhaupt nicht dran, die Füße hochzulegen und auf sein Lebenswerk zurückzublicken. Mit knapp 70 will's Richard Pestemer noch einmal wissen: Er kandidiert als Einzelbewerber für den Landtag.

Ein ungewöhnlicher Schritt. Von den landesweit 719 Bewerbern treten gerade einmal zwei Kandidaten auf eigene Faust an - neben Richard Pestemer der 80-jährige Friedenskämpfer Franz Jansen aus dem Kreis Birkenfeld.

Pestemer tritt im Wahlkreis 23 an, der das Gebiet zwischen Bernkastel-Kues, Morbach und Kirchberg abdeckt. Neben dem Neunkirchner Ortsbürgermeister bewerben sich dort sieben weitere Kandidaten um das Direktmandat, darunter mit Alexander Licht (CDU), Bettina Brück (SPD) und Jutta Blatzheim-Roegler (Grüne) gleich drei amtierende Landtagsabgeordnete.

Was also, um alles in der Welt, hat Richard Pestemer dazu bewogen, seinen Hut ebenfalls in den Ring zu werfen? "Ich bin dazu ermuntert worden", sagt Pestemer, der für die Freie Wählergruppe im Thalfanger Verbandsgemeinderat sitzt und nach eigenen Angaben dafür bekannt ist, dass er sich einmische. Und das schon länger.

Er studierte einst Politikwissenschaften und Japanisch, saß zwei Jahre für die Grünen im Kölner Stadtrat, arbeitete als Übersetzer, Dolmetscher, Hausmeister und freier Journalist. Vor 25 Jahren zog Pestemer auf der Suche nach einer ländlichen Idylle mit seiner Frau aus Köln nach Neunkirchen. In der 160-Seelen-Hunsrückgemeinde setzt er sich seitdem leidenschaftlich für ein regionales Kreislaufsystem aus Produktion und Konsum ein.

Das Selbstversorgungsrecht und die Selbstversorgungsfähigkeiten der Gemeinden zu stärken - das sind auch zwei Hauptanliegen von Richard Pestemer im Landtagswahlkampf. "Demokratie", sagt er, "lebt vom Engagement", und entscheidend sei der Bürgerwille.

Der Satz klingt gut und dürfte auch von Pestemers politischen Konkurrenten kaum in Abrede gestellt werden. Wie aber will der 69-Jährige damit den Herren und Damen Licht, Brück und Blatzheim-Roegler die Stimmen wegnehmen? In Neunkirchen mag der Ortsbürgermeister ja bekannt und beliebt sein, aber was ist mit den übrigen 52.000 Wahlberechtigten in seinem Wahlkreis, die Pestemer zumindest teilweise überzeugen muss, um das Direktmandat zu gewinnen?

Eine großangelegte Kampagne mit Pestemer-Wahlplakaten, Pestemer-Luftballons und Pestemer-Kugelschreibern werde es jedenfalls nicht geben, sagt der Kandidat. Wer sich über den Einzelbewerber informieren will, kann dies auf Pestemers Internetseite tun. Darüber hinaus ist eine Gesprächsrunde mit den anderen Direktkandidaten geplant - wenn sie denn zustande kommt.

Richard Pestemers Wahlkampfbudget ist überschaubar. 400 Euro hat er sich die Kandidatur bislang kosten lassen, "viel mehr wird es auch nicht werden", lautet seine Prognose. Über seine angestrebte Prozentzahl will er sich indes nicht äußern. "Da bin ich überfragt", sagt Richard Pestemer.

Franz Jansen, der andere rheinland-pfälzische Einzelbewerber, hat das Dutzend Kandidaturen bei diversen Wahlen fast erreicht. Die Erfolge des 80-Jährigen aus Hoppstädten-Weiersbach halten sich in Grenzen: Bei den vergangenen beiden Landtagswahlen landete der unentwegte Friedenskämpfer bei knapp über einem Prozent.