1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

"Wanna Cry": Landesdatenschützer fordert nach Hacker-Angriff auf Computer, Datensicherheit zu intensivieren

"Wanna Cry": Landesdatenschützer fordert nach Hacker-Angriff auf Computer, Datensicherheit zu intensivieren

Das Datennetz von Rheinland-Pfalz ist ständig Hacker-Attacken ausgesetzt. Zumeist werden sie abgewehrt. Der Landesdatenschützer mahnt Unternehmen und Privatleute zur Wachsamkeit.

Dass es einen weltweiten Hacker-Angriff auf Computersysteme in Unternehmen und Privathaushalte gegeben hat, überrascht Dieter Kugelmann nicht. "Das ist nichts Ungewöhnliches." Solche Attacken gebe es immer wieder, sagt der rheinland-pfälzische Landesdatenschutzbeauftragte. Allerdings habe ihn das Ausmaß des jüngsten Angriffes überrascht.

Die Attacke mit der Schadsoftware namens Wanna Cry ("Ich könnte heulen") hatte seit Freitag Hunderttausende Rechner, die mit dem Betriebssystem Windows laufen, in mindestens 150 Ländern erfasst. In Deutschland war unter anderem die Bahn betroffen. Die Fahrplananzeigen an vielen Bahnöfen fielen aus.

Der Angriff habe eine andere Dimension als bisherige Attacken mit Erpressersoftware, sagt Kugelmann. In rasender Geschwindigkeit hatte sich Wanna Cry weltweit verbreitet. Die Daten betroffener Computer wurden verschlüsselt, Nutzer wurden aufgefordert, ein Lösegeld zu zahlen, um den Rechner wieder benutzen zu können. Immer wieder werden vereinzelt Computer mit solchen Erpressungsviren infiziert. Ein Ausmaß wie im aktuellen Fall hat es bislang noch nicht gegeben. Kugelmann geht davon aus, dass es Zukunft häufiger dazu kommen wird.

Die Landesbehörden waren nach Auskunft des Datenschützers nicht von dem Angriff betroffen. "Die sind relativ gut geschützt." Die Datenkommunikation der gesamten Landesverwaltung, also auch der Polizei, der Gerichte und der Finanzbehörden läuft über das sogenannte RLP-Netz. Auch Rettungsdienste und Feuerwehren sind daran angeschlossen. Betrieben und überwacht wird es vom Landesbetrieb Daten und Information. Spezielle Mitarbeiter der Behörde sind rund um die Uhr damit beschäftigt, Hacker-Angriffe abzuwehren. Und diese kämen mittlerweile im Sekundentakt, sagt Kugelmann.

Zumeist handele es sich aber um "harmlose" Attacken oft von selbst ernannten Computerexperten, die aus "Spielerei" versuchten, damit Netzwerke zu hacken. Aber es gibt eben auch zunehmend Hacker mit krimineller Energie, die über solche Schadsoftware an die Daten von Computernutzern kommen wollen, um etwa Geld von Konten zu plündern, Waren mit auf diese Art gestohlenen Kreditkarteninformationen zu kaufen oder eben die Nutzer zu erpressen.

Dass auch Behörden im Land nicht vor Hacker-Angriffen gefeit sind, zeigt ein Vorfall von vor zwei Jahren. Damals wurden die KFZ-Zulassungsstellen durch eine solche Cyber-Attacke lahmgelegt. Ein Virus hatte die Software, die die Zulassungsstellen verwenden, infiziert.

Die Attacke vom Wochenende zeige, wie wichtig es sei, nicht für Privatleute, sondern auch etwa für Kliniken oder Energieversorger ihre Computernetz immer auf den neusten Stand in Sachen Virenschutz zu halten, sagt Datenschützer Kugelmann. Je sensibler die Daten, desto größer sei die Gefahr eines Angriffs. "Die Datensicherheit in Unternehmen und bei Privatleuten muss intensiviert werden."

Und da sei es besser, lieber einmal mehr als zu wenig auf Nummer sicher zu gehen und vielleicht eine Mail, die einem verdächtig vorkommt zu löschen, bevor man sich womöglich mit dem Öffnen eines darin verschickten Anhangs einen Virus auf dem Computer einfange. Und falls man dann doch irrtümlich die Nachricht eines Versandhändlers mit der Rechnung der bestellten Ware gelöscht habe, dann melde der sich mit Sicherheit wieder. Doch trotz allen Vorkehrungen bleibe ein gewisses Risiko. "Damit müssen wir einfach leben", sagt Kugelmann.