Warnungen blockiert

SAARBURG/TRIER/MAINZ. Die Ermittlungen um die mysteriösen Vorfälle in der Rettungswache Saarburg, von der aus der Funkverkehr des Rettungsdienstes der Stadt Trier, des Kreises Trier-Saarburg und des Kreises Bitburg-Prüm manipuliert wurde, werden wohl noch geraume Zeit andauern. Fest steht jedoch: Menschen mussten leiden, weil der Hubschrauber aus Luxemburg zu spät landen konnte.

Knapp acht Wochen, nachdem ein Messfahrzeug der Bundesnetzagentur die Rettungswache an der Graf-Siegfried-Straße in Saarburg als Ausgangsort der Funkstörungen im Frequenzbereich 408 des südlichen Rettungsdienstbereichs Trier ausgemacht hatte, zeichnet sich das Ausmaß der Manipulationen nur langsam ab. Dass durch die massiven Störungen, die erst nach monatelanger Recherche zugeordnet werden konnten, Rettungsflüge - und damit auch der Gesundheitszustand der hilfebedürftigen Menschen - gefährdet waren, wurde von Anfang an vermutet (TV vom 23. Juni).Das Ausmaß des möglichen Schadens zu ermitteln, erweist sich hingegen als "kriminalistische Kleinarbeit", wie es Thomas Müller, Pressesprecher der Kreisverwaltung Trier-Saarburg, gestern auf TV-Nachfrage formulierte. Als zuständige Rettungsbehörde sei die Kreisverwaltung derzeit damit beschäftigt, alle Funkprotokolle und Mitschnitte auszuwerten. Müller sagte: "Die Kreisverwaltung hat inzwischen alle in Frage kommenden Rettungsdienste und auch die Krankenkassen angeschrieben, um die Daten von potenziell betroffenen Menschen zu bekommen. Wegen des Datenschutzes ist das alles gar nicht so einfach."

Auch das Innenministerium in Mainz wertet alle relevanten Funkmitschnitte aus. "Wenn alles vorliegt, können wir auf die Sekunde genau sagen, was wann wo geschah", erläuterte Gerd Gräff, Referatsleiter Rettungsdienst. Fest stehe bislang, dass der Hubschrauber der "Luxembourg Air Rescue" nach den manuell ausgelösten Funkstörungen drei bis sechs Minuten zu spät am Einsatzort angekommen sei. Davon seien Menschen bei schweren Verkehrsunfällen ebenso betroffen gewesen wie beispielsweise Schlaganfall- oder Herzinfarkt-Patienten.

Kontakt zum Tower gestört

Ein Fall, bei dem ein Patient durch die Verspätung gestorben ist, sei bislang nicht bekannt, teilt das Innenministerium mit. In einem Fall sei der Pilot durch das Störgeräusch derart abgelenkt worden, "dass der Hubschrauber beinahe den Boden berührt hätte", sagte Gräff. Ein anderes Mal habe die Ablenkung durch den schrillen Störton zu einer "Abstimmungsproblematik mit dem Tower" geführt. Warnmeldungen vor Hindernissen wie Hochspannungsleitungen oder Kindern auf dem vorgesehenen Landeplatz hätten nicht an die LAR-Besatzung weitergegeben werden können.

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