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Warten auf neue bilinguale Schulen

Warten auf neue bilinguale Schulen

Im rheinland-pfälzischen Bildungsministerium wundert man sich, warum sich keine weiteren Grundschulen für zweisprachigen Unterricht bewerben. Grund dafür könnte ein Schreiben aus dem Ministerium im vergangenen Jahr sein. Darin heißt es, dass zunächst keine neuen bilingualen Klassen eingerichtet werden.

Trier. "Bilingualer oder zweisprachiger Unterricht trägt der verstärkten Notwendigkeit nach mehr Fremdsprachenkenntnissen in unserer Gesellschaft Rechnung." Mit diesem Anspruch startete die Landesregierung 1999 den zweisprachigen Unterricht in den Grundschulen. An 20 von 939 Grundschulen wird in mindestens einer Klasse pro Schuljahr ein Teil des Unterrichts auf Französisch oder Englisch gehalten. Fünf davon befinden sich in der Region, vier im Kreis Trier-Saarburg, eine in Trier. Ohnehin ist es auffallend, dass sich ein Großteil der sogenannten Bili-Schulen in Grenznähe zu Luxemburg oder Frankreich befindet. Neben denen in der Region gibt es die meisten Grundschulen mit zweisprachigem Unterricht in der Pfalz. Außerdem gibt es noch welche in Mainz, Koblenz und Idar-Oberstein.
"Gewisse Unsicherheit"


Doch vorerst wird sich die Zahl der Grundschulen mit zweisprachigem Unterricht nicht erhöhen. Es lägen derzeit keine Anträge auf Einrichtung einer neuen bilingualen Grundschule im Ministerium vor, sagte Ministeriumssprecher Wolf-Jürgen Karle. Grund dafür könnte womöglich ein Schreiben eines mittlerweile pensionierten Abteilungsleiters aus dem Bildungsministerium sein. Dieser ließ die Schulleiter im März vergangenen Jahres wissen, "dass mit dem Schuljahr 2011/2012 zunächst die Bildung bilingualer Klassen abgeschlossen sein wird". Gründe für diese Schreiben könne man im Ministerium nicht nachvollziehen, sagt Karle. Das Wort "zunächst" lasse jedenfalls auf eine gewisse Unsicherheit schließen. Einen Stopp des Ausbaus bilingualer Grundschulen könne er nicht bestätigen, so der Ministeriumssprecher. Möglicherweise habe es auch Irritationen in Folge der Landtagswahl im März vergangenen Jahres und der neuen Regierungszusammensetzung gegeben, mutmaßt Karle.
Eine der letzten Grundschulen, die nach dem Schreiben zum Beginn des laufenden Schuljahres eine bilinguale Klasse für Englisch eingerichtet hat, war St. Laurentius in Saarburg. Offenbar scheint derzeit unklar zu sein, ob im kommenden Schuljahr neue hinzukommen.
Grundsätzlich könnten interessierte Schulen einen Antrag auf Einrichtung einer bilingualen Klasse stellen. Voraussetzung dafür sei ein Konzept für die Umsetzung des bilingualen Unterrichts und Lehrer, die zweisprachig unterrichten können. Anders als beim spielerischen Französischunterricht in den Kindergärten müssen die Bili-Lehrer in den Schulen keine Muttersprachler sein. In insgesamt 177 Kindergärten im Land wird das Programm "Lerne die Sprache des Nachbarn" angeboten, meistens dort, wo die Kinder danach auch in der Grundschule Französisch lernen können.
Auch einige weiterführende Schulen wie Realschulen und Gymnasien bieten mittlerweile bilingualen Unterricht an. Laut Ministeriumssprecher Karle verfügen von 147 Gymnasien im Land insgesamt 48 einen zweisprachigen Zug. 34 davon bieten deutsch-englischen und 14 einen deutsch-französischen Unterricht an.
Eines der ersten Gymnasien in der Region, das bilingualen Unterricht etabliert hat, war das Auguste-Victoria-Gymnasium in Trier. Der aus Bitburg stammende Wolfgang Hallet war dort bis 2004 Schulleiter und hat den deutsch-englischen Unterricht voran getrieben. Noch heute ist der mittlerweile als Anglistik-Professor an die Uni Gießen gewechselte Hallet ein Verfechter zweisprachigen Unterrichts. Dieser müsse zum Standard werden an allen weiterführenden Schulen, sagt er. Zumal heutzutage alle Gesellschaften international verflochten und die medialen Angebote globalisiert und fremdsprachig seien. Die Erfahrung zeige, dass bilingualer Unterricht nicht nur am Gymnasium erfolgreich sei, sondern auch an anderen Schularten. "Lehrer an berufsbildenden Schulen berichten einhellig, dass der praxis- und ausbildungsbezogene bilinguale Unterricht der beste, motivierendste Weg des Fremdsprachenlernens für ihre Schüler ist." Ein Hindernis für die Einführung des zweisprachigen Unterrichts sei neben dem hohen organisatorischen Aufwand für die Schulen ein Mangel an entsprechend ausgebildeten Lehrern. Ohne eine Mindestanzahl entsprechender Lehrer könne kein bilingualer Unterricht nachhaltig und dauerhaft eingerichtet werden.Extra

Schulen in der RegionGrundschulen: Wincheringen (Französisch); Nittel (Französisch); Saarburg St. Marien (Französisch); Trier-Zewen (Französisch); Saarburg St. Laurentius (Englisch) Realschule: Konz (Französisch) Gymnasien: Trier, Auguste-Viktoria-Gymnasium (Englisch); Trier, Humboldt-Gymnasium Daun, Geschwister-Scholl-Gymnasium (Englisch); Wittlich, Peter-Wust-Gymnasium (Englisch); Konz (Englisch); (Französisch), Saarburg (Französisch) (Quelle: Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion Trier)Extra

Zweisprachiger Unterricht an Grundschulen: In bilingualen Klassen wird ein Teil des Unterrichts in einer Fremdsprache vermittelt. Ziel soll es sein, dass Kinder etwa über Themen aus dem Sachunterricht auch in der Fremdsprache sprechen können. Kinder in bilingualen Klassen haben die gleiche Wochenstundenzahl wie Kinder in nicht bilingualen Klassen. Statt einer Stunde Fremdsprachenunterricht wird in zweisprachigen Klassen im ersten Schuljahr sieben und im vierten schließlich zwölf Stunden in Französisch oder Englisch unterrichtet. Benotet wird der Fremdsprachenunterricht nicht. Schulen, die einen bilingualen Zweig anbieten, haben mindestens auch eine Klasse, in der nicht zweisprachig unterrichtet wird. Für den Unterricht sollen "grundschulpädagogisch wie sprachlich hochqualifizierte und versierte" Lehrer eingesetzt werden, heißt es in einer Handreichung des rheinland-pfälzischen Bildungsministeriums. wie