Warum es im Land Ärger um die Weinwerbung gibt

Winzer-Absätze : Warum es im Land Ärger um die Weinwerbung gibt

Vereine kurbeln Absätze von Winzern an, fürchten nun aber um ihr Geschäft. Das Land hat eine Idee und steht doch in der Kritik.

Wollen Weinreporter aus den USA, Südkorea und Finnland die Region entdecken, lassen sie sich häufig Touren vom Verein Moselwein planen. Geschäftsführer Ansgar Schmitz sorgt dann dafür, dass die Journalisten aus dem Ausland auch den Wein aus der Region kosten. Davon profitieren am Ende alle: Die Gäste mit einem leckeren Getränk, die Winzer mit höheren Absätzen im Ausland und der Verein mit dem Gefühl, was Gutes getan zu haben. Wenige Wochen ist es her, da schrillten bei Moselwein, das sich um 3400 Betriebe in dem Anbaugebiet kümmert, aber die Alarmglocken wie bei allen anderen Weinwerbern in Rheinland-Pfalz. Da trudelte eine Nachricht vom Land ein, wonach die Europäische Union vorläufig einen Zahlungsstopp für Werbemittel verhängt. Das Problem: Die Werber wussten plötzlich nicht mal mehr, ob sie überhaupt noch Broschüren drucken, Messestände planen, Mitarbeiter beschäftigen können.

Der Grund für die Aufregung ist ein kurioser Geldfluss, den die EU hat versiegen lassen. Zusammengefasst: Jeder Winzer zahlt für jeden seiner Hektar eine Abgabe, an der Mosel sind es 87 Euro. Über das Land fließt ein Großteil davon wiederum an die Vereine, die die Werbung für die Winzer betreuen. Die EU kommt ins Spiel, weil sie die Zahlungen als Beihilfen absegnen muss. Als das Land sich sein Modell nun bescheinigen lassen wollte, hatte die Kommission Nachfragen. Die Folge: Manche Werber fürchteten, Stände nicht mehr bezahlen zu können, mit denen sie den Wein weltweit vermarkten. Andere bangten gar vor der Insolvenz, sagt die CDU-Landtagsabgeordnete Christine Schneider, die den Streit in den Mainzer Landtag gebracht hat.

Dort kündigt Weinminister Volker Wissing am Donnerstag eine Lösung an: Das Land habe eine von der EU bereits genehmigte Richtlinie für Agrarmarketing so angepasst, dass sie auch für den Wein gilt. Der FDP-Landtagsabgeordnete Marco Weber (Vulkaneifel) lobt Wissing als „Lösungsminister“. Also alles gut?

Nein, sagen Kritiker. Rolf Haxel, Weinbaupräsident von der Mosel, hinterfragt, warum die EU überhaupt Probleme hatte mit dem ursprünglichen rheinland-pfälzischen Vorschlag. Wissing schiebt es auf „Rechtliches“, andere lästern: „Da wird die EU nicht nur gemeckert haben, weil die Briefmarke links unten statt rechts oben klebte.“ Haxel wirft dem Land auch vor, Anbaugebiete zu spät benachrichtigt zu haben. Nach TV-Informationen bekamen sie die Nachricht erst am 22. Januar, das Schreiben der EU an das Ministerium soll schon vom 19. Dezember gewesen sein. Das Problem: Der Haushalt der Vereine stand im Januar schon, alleine Moselwein bezieht 670 000 Euro vom Land, gut die Hälfte des gesamten Etats. Immerhin: Der Verein hatte Rücklagen, die Stände für gut 60 Güter bei der Weinmesse „Pro Wein“ in Düsseldorf im März sind nicht in Gefahr. In anderen Teilen des Landes soll es dramatischer aussehen. „Wir fühlen uns auf den Schlips getreten“, schimpft Haxel.

Ihn stört auch, dass Werber künftig nur noch Förderung nach Projekten erhalten und nicht mehr pauschal nach Haushaltsplänen.

Die Folge: „Wir sollen Arbeitsstunden protokollieren, Branchenpläne, dann braucht es eine Genehmigung, ehe wir das Geld kriegen.“ Haxel fürchtet einen „riesigen bürokratischen Aufwand“, der Weinwerbung überfordere. „Wer hat sich einen solchen Blödsinn in der EU-Kommission einfallen lassen?“, fragt er und nennt den Weg von Wissing nur eine „Übergangslösung“.


CDU-Frau Christine Schneider fehlt es noch an „Rechtssicherheit“ für die Weinwerber. Sie fordert vom Land, ein Bürgschaftsprogramm für die nächsten Monate aufzulegen. Sonst, so warnt sie, gefährde es die Weinwerbung.

Kommentar

Bürokratie-Irrsinn!

Diese Geschichte ist wirklich purer Bürokratie-Irrsinn: Winzer machen Abgaben, über verschiedene Wege gelangt der Großteil des Geldes bei Vereinen, die Werbung und PR für sie machen, um Absätze zu steigern. So weit ein gutes Modell. Unglaublich mutet es da an, dass die Europäische Union über Geld, das von den Winzern stammt und ihnen zugutekommen soll, bestimmen soll. Um das alles noch verrückter zu machen, droht den Weinwerbern künftig deutlich mehr Papierkram, wenn sie die Mittel nicht mehr pauschal darüber bekommen, was sie in ihren Haushalten planen. Sie müssen sich künftig wohl jedes einzelne Projekt genehmigen lassen, klagen Insider. Das könnte so manchen Verein, der nur über eine Handvoll Mitarbeiter verfügt, an Belastungsgrenzen bringen. Und auch das Weinministerium gibt kein gutes Bild ab. Es hat zwar nach dem drohenden Finanzstopp schnell eine Lösung gefunden. Trotzdem muss es sich die Frage gefallen lassen, warum die Branche offenkundig nicht sofort benachrichtigt wurde, wie mehrere Kritiker sagen. Die Weinwerber brauchen Zeit und Sicherheit, um Winzer zu entlasten. Den Umgang haben sie nicht verdient.  

f.schlecht@volksfreund.de

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