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Warum gibt’s eigentlich im Eifelkreis so viele große Mülltonnen?

Hintergrund : Warum gibt’s eigentlich im Eifelkreis so viele große Mülltonnen?

Bei der regionalen Müllabfuhr wird sich bis zur völligen Harmonisierung in ein paar Jahren noch einiges ändern: mancherorts sind es nur die Gebühren, anderswo auch die Größe der Tonnen.

Für die Verbraucher in der Region Trier ist es mittlerweile ein unschönes Déjà-vu Erlebnis: Zum 1. Januar kommenden Jahres sollen die Müllgebühren erneut steigen – vielerorts zum vierten Mal in Folge. Dabei fällt die Gebührenerhöhung zum Teil ziemlich saftig aus. Wer etwa in der Vulkaneifel eine 120-Liter-Restmülltonne vor der Tür stehen hat, soll für deren Entsorgung künftig rund 24 Prozent (40 Euro) mehr bezahlen als bislang. Etwas smarter fällt dagegen die Gebührenerhöhung in Trier und Trier-Saarburg aus: Hier wird die Entsorgung der 120-Liter-Tonne nur rund sieben Prozent (neun Euro) teurer als bislang.

Die Unterschiede bei den Entsorgungskosten in der Region Trier sind immer noch groß, obwohl die Kommunalpolitiker doch vor einigen Jahren beschlossen hatten, die damals ziemlich unterschiedliche Abfuhrpraxis in den vier Kreisen und der Stadt Trier zu vereinheitlichen und die Gebühren anzugleichen.

Müllgebühren: Große Unterschiede in der Region

Bei der Abfuhr von Restmüll, blauer Tonne oder Sperrabfällen sind diese Pläne bereits Realität. Doch bei den Gebühren sind die Unterschiede immer noch groß. So gibt es beispielsweise zwischen den (künftigen) Kosten einer 80-Liter-Tonne zwischen dem Eifelkreis (106,71 Euro) und dem Vulkaneifelkreis (148,80 Euro) eine Differenz von immerhin 42 Euro. Die 120-Liter-Tonne ist Vulkaneifelkreis dann mit 205,29 Euro sogar mehr als 60 Euro teurer als in Trier oder im Kreis Trier-Saarburg.

Die Verantwortlichen beim regionalen Abfallzweckverband ART verweisen bei Fragen nach den Gründen aufs Eigenkapital. Das war bei Trier/Trier-Saarburg zum Stichtag 31. Dezember 2021 mit rund 8,3 Millionen Euro im Plus, während es im Vulkaneifelkreis mit etwas über 1,8 Millionen Euro in den Miesen lag. Auch in Bernkastel-Wittlich (minus 4,5 Millionen Euro) und im Eifelkreis (minus 290.000 Euro) wies das jeweilige Eigenkapital Fehlbeträge aus.

Die Müllgebühren in der Region.
Die Müllgebühren in der Region. Foto: TV/Typoserv

Laut ART haben die Kommunalaufsicht der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion ADD sowie die Abschlussprüfer die zu geringe Eigenkapitalquote bereits als bedenklich eingestuft und eine Verbesserung angemahnt. Ziel sei es, bis Anfang 2026 ein Stammkapital von zwei Euro je Einwohner aufzuweisen. Was das etwa im Fall von Bernkastel-Wittlich bedeutet, steht in den unserer Redaktion vorliegenden Unterlagen zur Kreisausschusssitzung an diesem Montag. Danach muss nicht nur der Eigenkapitalfehlbetrag von 4,5 Millionen Euro abgebaut, sondern gleichzeitig auch noch ein positives Eigenkapital in Höhe von rund zwei Millionen Euro aufgebaut werden.

In den Unterlagen des Eifelkreises heißt es, dass das zum 1. Januar 2016 noch satte Eigenkapitalpolster in Höhe von rund 9,7 Millionen Euro innerhalb von sechs Jahren auf einen Fehlbetrag von 0,3 Millionen Euro abgeschmolzen wurde. Was nicht in den Unterlagen steht: um die Müllgebühren im Eifelkreis künstlich niedrig zu halten. So kostet dort etwa die 240-Liter-Restmülltonne nur rund 154 Euro und damit nur knapp 40 Euro mehr als die 120-Liter-Tonne. In Bernkastel-Wittlich müssen Verbraucher für die große Tonne mit 316 Euro mehr als doppelt so viel bezahlen.

Billige große Tonne führt nicht zur Müllvermeidung

Die billige 240-Liter-Tonne hat im Eifelkreis dazu geführt, dass sie dort in jedem zweiten Haushalt steht und Müllvermeidung zwischen Prüm und Bitburg im Vergleich zu anderen Kommunen ein Fremdwort ist. Damit sich daran etwas ändert, steigen die Müllgebühren im Eifelkreis jetzt auch prozentual deutlich mehr als anderswo.

Beim Abfallzweckverband verweist man darauf, dass die regionalen Müllgebühren auch nach der anstehenden Erhöhung immer noch vergleichsweise niedrig sind. Während Verbraucher in der Region Trier für die 120-Liter-Tonne jährlich zwischen 140,01 Euro und maximal 208,23 Euro jährlich zahlen, seien dies in Cochem-Zell 227 Euro, im Rhein-Hunsrück-Kreis 267 Euro oder im Kreis Birkenfeld 231, 60 Euro.

Mit den teils noch großen Gebührendifferenzen zwischen den regionalen Kreisen soll in absehbarer Zeit Schluss sein: Nach 2025 sollen die Abfallgebühren in der Region vereinheitlicht werden. Auf welchem Niveau – werden die Verbraucher dann sehen.

Im übernächsten Jahr soll es nach den aktuellen Plänen übrigens keine Anhebung der Müllgebühren geben. Dass dies mit den 2024 anstehenden Kommunalwahlen zusammenhängen könnte, dürfte offiziell wohl niemand bestätigen.