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Was die Volksbelustigung kostet

Was die Volksbelustigung kostet

Sie wollen für sich werben, den Tourismus fördern, den heimischen Betrieben Einnahmen bescheren oder etwas für die Völkerverständigung tun. Der Volksfreund hat sich umgehört, warum die Städte der Region es sich trotz ihrer desolaten Haushaltslage leisten, richtig groß zu feiern.

Trier/Bitburg/Wittlich. In der warmen Sommerluft vermischt sich Bratenduft mit Rockmusik, Bierdunst und den Stimmen Tausender Menschen, die sich gut gelaunt durch die Straßen der Stadt schieben.
Alltag beim Altstadtfest, der Säubrennerkirmes oder dem Weinfest der Mittelmosel, die Jahr für Jahr wahre Menschenmassen nach Trier (120 000 Besucher), Wittlich (100 000 Besucher) oder Bernkastel-Kues (230 000 Besucher) locken.
Sie fahren Riesenrad, essen Saubraten, trinken Wein, verquatschen sich am Bierstand mit alten Schulfreunden oder feiern - so das Wittlicher Motto - bis die Schwarte kracht. Und dabei denken sie wahrscheinlich nicht eine Sekunde lang darüber nach, wie viel die Organisation dieses Fests wohl kostet und wer das alles zahlt. Dabei zahlen sie es zu einem guten Teil selbst. Wenn auch nur indirekt. Über ihre Steuerabgaben.
Gut fürs Renommee



Von den 280 000 Euro, die es kostet, ein langes Augustwochenende zur Säubrennerkirmes zu machen, muss die Stadt Wittlich etwa die Hälfte übernehmen. Denn sie ist trotz ihres Schuldenstands von fast 20 Millionen Euro bereit, das erwartete Minus in Höhe von 145 000 Euro zu tragen und dafür Kredite aufzunehmen.
Wichtigste Einnahmequelle bei diesem Fest ist der Rummelplatz: 125 000 Euro geben die Schausteller der Stadt, um dabei zu sein. Der Saubratenverkauf (3,60 Euro pro Portion) ist schon nicht mehr ganz kostendeckend. Bürgermeisterempfang, Musik, Kinderbelustigung & Co. sorgen ausschließlich für ein Minus in der Kasse.
Auch die Sponsoren können daran nichts ändern. Und so legt der Steuerzahler drauf. Das tut er auch in Trier - einer Stadt, die 34 mal so viele Schulden hat wie Wittlich: 680 Millionen Euro. Alleine 2012 kommen weitere 50 Millionen Euro hinzu.
Dennoch ist es beschlossene Sache, dass die rekordverschuldete Kommune das erwartete Minus in Höhe von 63 000 Euro übernimmt. Die restlichen 206 000 Euro sollen der Planung zufolge wieder reinkommen: über die Gebühren, die die 120 Stände entrichten (140 000 Euro) sowie über Sponsoren und Werbeeinnahmen. CDU und Grüne sehen das finanzielle Engagement der Stadt kritisch. "Die Aussteller machen Gewinn und die Stadt macht Verlust. Das kann doch nicht richtig sein", sagt Ulrich Dempfle. Seine CDU-Fraktion hat daher schon zwei mal beantragt, die Organisation auszuschreiben.
Ohne Erfolg. "Wenn wir das Altstadtfest an einen externen Unternehmer vergeben, laufen wir Gefahr, dass dieses Fest, das ja auch ein Markenzeichen für die Stadt ist, wieder an Renommee verliert. Und das kann sich auch eine Stadt Trier aus Sicht des Marketings nicht leisten", sagt Wirtschaftsdezernent Thomas Egger. Auch würden dann heimische Vereine, Weingüter oder Triers Partnerstädte womöglich nicht mehr eingebunden. Und das alles ist von der Ratsmehrheit nicht gewünscht.
Ähnlich wie in den anderen Städten entsteht auch beim Weinfest der Mittelmosel ein Großteil der Kosten durch Straßenreinigung, Sanitäter und das Musikprogramm.
Mehr als 20 000 Euro gehen alleine für ein Feuerwerk drauf. Und das soll auch weiterhin so sein. Auch wenn die Stadt Zigtausende Euro drauflegen muss.
Denn die Kommunen der Region sehen in ihren Großveranstaltungen weit mehr als reine Volksbelustigung. Sie wollen für ihre Stadt werben, Touristen locken und den heimischen Betrieben Umsatz bringen.
Beim Bitburger Folklore-Festival geht es zusätzlich noch um Völkerverständigung.
"Das ist ein Fest des Friedens, der Freude und des Kulturaustauschs", sagt Bürgermeister Joachim Kandels. Kurz: So etwas will niemand abschaffen. Egal, was der Bund der Steuerzahler davon hält.Extra

 Auf diese Volksfeste wollen die Kommunen der Region nicht verzichten (im Uhrzeigersinn): Guildo Horn setzt beim Altstadtfest Trier Akzente, auch wenn er dieses Jahr nicht kommt; das Folklore-Festival Bitburg, die Säubrennerkirmes in Wittlich und das Weinfest der Mittelmosel in Bernkastel-Kues. TV-Fotos: Archiv/Friedemann Vetter (2); Harald Jansen (1); Klaus KIMMLING (1)
Auf diese Volksfeste wollen die Kommunen der Region nicht verzichten (im Uhrzeigersinn): Guildo Horn setzt beim Altstadtfest Trier Akzente, auch wenn er dieses Jahr nicht kommt; das Folklore-Festival Bitburg, die Säubrennerkirmes in Wittlich und das Weinfest der Mittelmosel in Bernkastel-Kues. TV-Fotos: Archiv/Friedemann Vetter (2); Harald Jansen (1); Klaus KIMMLING (1)
Was die Volksbelustigung kostet

Altstadtfest Trier: Freitag, 22. bis Sonntag, 24. Juni.
Europäisches Folklore-Festival Bitburg: Freitag, 6. bis Montag, 9. Juli.
Säubrennerkirmes Wittlich: Freitag, 17. bis Montag, 20. August. Am Dienstag, 21. August: Familientag auf dem Rummelplatz.
Weinfest der Mittelmosel in Bernkastel-Kues: Donnerstag, 30. August bis Montag, 3. September. kah