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Was ist das Busfahren wert? Höchsttarife sollen Preisspirale im Nahverkehr stoppen

Was ist das Busfahren wert? Höchsttarife sollen Preisspirale im Nahverkehr stoppen

Busfahren ist teuer. Die Tarife werden stetig erhöht, und die Nachfrage auf dem Land geht stetig zurück. Die Preisspirale soll nun durch die sogenannte "Allgemeine Vorschrift" gestoppt werden. Was dahinter steckt und welche Auswirkungen das für die Nutzer hat, hat der TV bei den Kreisverwaltungen nachgefragt.

Die Schmerzen sollen an den richtigen Stellen verteilt werden, findet Frank Birkhäuer. Der Direktor der SWT-Verkehrs GmbH in Trier meint mit den Schmerzen jene Mehrkosten, die in den Landkreisen durch die wachsenden Verluste im Nahverkehr entstehen.

Während in der Stadt Trier die Menschen trotz hoher Preise mit dem Bus fahren, geht die Nachfrage auf dem Land stetig zurück. Die Folge: Etliche Buslinien lassen sich nicht mehr wirtschaftlich betreiben.

Die beauftragten Verkehrsunternehmen forderten deshalb immer wieder mehr Geld von den im VRT (Verkehrsverbund Region Trier) zusammengeschlossenen Städten und Kreisen. Die sogenannte "Allgemeine Vorschrift" (AV), die bereits am 19. März im Trierer Stadtrat abgenickt wurde, soll das nun ändern. Diese Vorschrift besagt, dass die Verluste, die im Nahverkehr entstehen, an den Stellen ausgeglichen werden sollen, wo sie entstehen. Mit diesen Stellen meint Birkhäuer die Kreise, in denen weniger Bus gefahren wird. Konkret: Eifelkreis Bitburg-Prüm, Landkreis Vulkaneifel, Landkreis Bernkastel-Wittlich. Der TV hat bei den Landräten dieser drei Kreise nachgehört, was sie von der geplanten Umverteilung der Kosten halten. Stellvertretend für die Kreise gab es eine gemeinsame Stellungnahme des Zweckverbandes Verkehrsverbund Region Trier.

Der Zweckverband räumt ein, dass "sich die VRT-Tarife im deutschlandweiten Vergleich auf einem hohen Niveau befinden und weitere Angebotsreduzierungen kaum vertretbar sind".

Bisher war es so, dass die Verluste, die die Busse in den Kommunen mit einer dünnen Bevölkerungsschicht und zurückgehenden Schülerzahlen einfuhren, von denen in der Stadt ausgeglichen beziehungsweise mitgetragen wurden. Die Folge: Die Buspreise werden immer teurer, Busfahren damit immer unattraktiver. Die Nachfrage sinkt, und viele Buslinien können nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden. Diese Preisspirale soll durch die AV gestoppt werden. Das heißt nicht, dass es künftig gar keine Preiserhöhungen mehr geben soll, sie sollen laut Birkhäuer nur moderater ausfallen.
Dass etwas geändert werden muss, da sind sich die Stadt Trier und die Kreise einig. Doch die AV würde vor allem die Kreise finanziell stark belasten. Es stellt sich die Frage, wie die Kommunen diese Mehrkosten tragen können, wenn die Finanzierung des städtischen Verkehrs in Trier gesondert geregelt werden soll. Nach einer Berechnung des VRT kommt auf die Stadt Trier in diesem Jahr ein Refinanzierungsbetrag von nur 42 000 Euro zu - für Linien, auf denen die Menschen aus dem Umland nach Trier einpendeln und innerhalb der Stadt Verluste einfahren. Für Bitburg-Prüm wären es mehr als 430 000 Euro. Der Zweckverband Verkehrsverbund Region Trier teilt stellvertretend für alle Kommunen schriftlich mit: "Die entsprechenden Mittel werden in den jeweiligen Haushalten zur Verfügung gestellt." Wie diese Mittel von den Kommunen aufgebracht werden sollen - das teilt der Zweckverband allerdings nicht mit. Nur soviel: Die Stadt Trier und die Kreise haben die Verpflichtung, den Schülerverkehr zu finanzieren.

Mit der AV hätte der VRT die Möglichkeit, auf die Tarife Einfluss zu nehmen und Höchsttarife festzusetzen. "Im Idealfall bekommen wir damit eine EU-konforme Kostenbremse", erklärt VRT-Geschäftsführerin Veronika Zänglein. Stadt und Landkreise müssen dann entscheiden, wie viel ihnen der Nahverkehr im eigenen Beritt wert ist.

Trier hat sich für die AV entschieden. Die betroffenen Landkreise haben noch keine Entscheidung getroffen. Konkreter soll es in den Kreistagssitzungen werden. Die Abstimmungen über die AV sind für folgende Termine angesetzt: Eifelkreis Bitburg-Prüm 11. Mai, Landkreis Vulkaneifel 22. Juni und Landkreis Bernkastel-Wittlich 13. Juli. Nach der Abstimmung in den Kreisen wird es am 15. Juli außerdem eine Sitzung der Verbandsversammlung des Zweckverbandes VRT zu diesem Thema geben.Meinung

Wieso nicht mal umdenken?
Dort, wo die Verluste entstehen, sollen auch die Mehrkosten getragen werden. Der Plan klingt theoretisch erst einmal einfach und einleuchtend. Aber woher soll das Geld kommen? Die Stadt Trier würde von dieser Neuregelung profitieren. Dort halten sich Angebot und Nachfrage die Waage. Aber auch der Schüler in Prüm oder die ältere Dame in Wittlich will zur Schule oder zum Arzt oder in die nächste größere Stadt gelangen. Wirtschaftlich wird sich das Busmodell in den Kreisen wohl auch in Zukunft nicht tragen. Wieso also nicht mal umdenken? Ein neues Konzept erarbeiten, wenn das alte keine Zukunft und eine Unmenge an Kosten zur Folge hat? Andere Städte bieten zum Beispiel eine sogenannte "bedarfsorientierte Bedienung" an. Möglich wären beispielsweise Linienbusse, die nach Anforderung die üblichen Haltestellen auf festgelegten Linien zu normalen Fahrpreisen anfahren oder Taxis, die zu festgelegten Abfahrtszeiten individuell von Haustür zu Haustür fahren. s.mü nchen@volksfreund.deExtra

Der Verkehrsverbund Region Trier (VRT) umfasst die Landkreise Bitburg-Prüm, Vulkaneifel, Bernkastel-Wittlich, Trier-Saarburg sowie die Stadt Trier. Laut VRT verzeichnet der Nahverkehr in diesem Gebiet jährlich rund 25 Millionen Fahrgäste. Während die Linien in den Kreisen vor allem von privaten Verkehrsunternehmen bedient werden, bildet in Trier die SWT-Verkehrs GmbH das Rückgrat des Angebots. Der Vorteil für die Kunden: Es gibt einheitliche Tickets in der gesamten Region. mstExtra

Mit der "Allgemeinen Vorschrift" kann der Verkehrsverbund VRT künftig Höchsttarife festlegen. Lassen sich die bestellten Leistungen von den beauftragten Unternehmen nicht auskömmlich erbringen, erhalten diese Ausgleichszahlungen. Deren Höhe wird vorab kalkuliert, doch werden Einnahmen und Ausgaben im Nachhinein kontrolliert. Wird ein höherer Fehlbetrag festgestellt, dürfen die Unternehmen keine Nachforderungen stellen; war das Defizit jedoch geringer als erwartet, müssen sie die Differenz zurückerstatten. Das Gesamtvolumen der Ausgleichszahlungen für 2015 wird mit 1,36 Millionen Euro beziffert, 42 000 Euro davon entfallen auf die Stadt Trier. mst