Was kommt nach der Ölheizung? Ein Überblick zu technischen Alternativen und Förderprogrammen

Umwelt : So finden Sie die Heizung der Zukunft

Der Ölkessel, der in deutschen Kellern jahrzehntelang seine Dienste leistete, schadet dem Klima und ist daher politisch nicht mehr gewollt. Doch was sind Alternativen, wie viel kosten die und was gibt der Bund dazu? Kleiner Leitfaden für die Suche nach der richtigen Heizung.

Im Keller röhrt die alte Ölheizung, Baujahr neunzehnhunderttobak, während die Umwälzpumpen mahlen und die Wäsche in der Strahlungswärme des Kessels beunruhigend schnell trocknet. Besser mal nachsehen und: Oje, die riesigen Öltanks sind nur noch zu einem Drittel gefüllt. All das muss wieder teuer durch neues Öl ersetzt werden. All das wurde als CO2 in die Atmosphäre gepustet und trägt nun seinen Teil zum Treibhauseffekt bei. Zu neuen Hitzerekorden, Stürmen und Starkregenfluten.  Zu Gletscherschmelze, Meeresspiegelanstieg und Waldbränden. Zu Artensterben und Hungersnöten.

Wenn’s ums Wohnen geht, ist das Heizen für fast zwei Drittel der Kohlendioxid-Emissionen in deutschen Haushalten verantwortlich. Die Warmwasserbereitung macht laut Umweltbundesamt weitere zwölf Prozent aus. Das zeigt: Wer seinen ökologischen Fußabdruck verbessern möchte, könnte mit einer besseren Heizung extrem viel bewirken. Das kostet nicht nur jede Menge Geld. Es ist auch gar nicht einfach, die passende Lösung zu finden. Der TV hat Experten befragt, welche Alternativen, neuen Vorschriften und Förderprogramme es gibt und welches Vorgehen sinnvoll ist:

Schritt 1: Die Energieberatung

Christina Lang, Referentin für Gebäudeenergieeffizienz bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz, rät allen, die ihr Haus sanieren oder ihre Heizung erneuern möchten, dringend einen Energieberater hinzuzuziehen. Dieser berechne verschiedene Varianten der Sanierung und liste auch Kosten und  Amortisationszeiten auf. „Die fachkundige Unterstützung sollte auch Bauschäden vermeiden“, sagt Lang. Eine Energieberatung werde vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zu 60 Prozent gefördert: Maximal mit 800 Euro bei Ein- und Zweifamilienhäusern. Energieberater findet man nach Postleitzahl geordnet unter www.energie-effizienz-experten.de

Vorab empfiehlt Lang die kostenlose Erstberatung der Verbraucherzentralen: In Trier, Bitburg, Prüm, Daun, Gerolstein, Saarburg, Bernkastel-Kues, Traben-Trarbach und Wittlich bieten Energieberater, Ingenieure und Architekten unabhängige Beratungen an. Am besten bringt man zu dem Gespräch Fotos von Haus und Heizung sowie Datenblätter, Schornsteinfegerprotokolle und Zahlen zum aktuellen Energieverbrauch mit.

Kostenfrei ist auch die Energie-Hotline der Verbraucherzentrale, Telefon: 0800/6075600.

Schritt 2: Gebäudehülle betrachten

„Egal, welche Technik gewählt wird, die Leistung der Anlage muss auf den Wärmebedarf des Gebäudes abgestimmt sein“, betont Lang. Und dieser hänge von der Qualität der Gebäudehülle ab. „Hier ist zu prüfen, wie gut sind meine Außenbauteile. Sollen diese so bleiben oder möchte ich modernisieren. Dann wäre ein Sanierungsfahrplan im Rahmen einer Energieberatung zu empfehlen“, sagt die Bauingenieurin.

Auch Hans Weinreuter, Energieexperte der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz, rät dringend dazu, zunächst das ganze Haus zu betrachten. „Wenn man erst die Heizung macht, dann ist das die falsche Reihenfolge“, sagt er. Das Thema Dämmen brauche viel mehr Aufmerksamkeit.

Schritt 3: Wünsche und das Budget

Sowohl Vorlieben als auch das Budget spielen eine große Rolle bei der Heizungswahl. Will ich ganz weg von fossiler Energie? Dann scheiden Öl und Gas aus. Oder will ich einfach sparsamer heizen? Dann gibt es viele Möglichkeiten. Auch das liebe Geld diktiert manche Wahl  – sind die Kostenunterschiede doch enorm: Am günstigsten sind laut Internetportal heizung.de neue Gasheizungen (5000 bis 8500 Euro), gefolgt von neuen Ölheizungen (6500 bis 9000 Euro). 7000 bis 10 000 Euro kostet ein Holzvergaserkessel, 15 000 bis 20 000 Euro eine Pelletheizung. 8000 bis 12 000 Euro fallen für eine Luft-Wärmepumpe an, 12 000 bis 20 000 Euro für eine Erd- oder Wasser-Wärmepumpe. Für eine Solaranlage zur Warmwasserbereitung müssen Hausbesitzer mit Kosten zwischen 3000 und 5000 Euro rechnen. Eine Solaranlage zur Heizungsunterstützung kann dagegen schon 8000 bis 14 000 Euro kosten. Wer seinen Strom selbst erzeugen möchte – zum Beispiel, um die Wärmepumpe zu betreiben – sollte für eine Fünf-Kilowatt-Anlage mit Speicher 12 000 bis 15 000 Euro einplanen. Zahlen, die zeigen, wie wichtig es ist, sich vor einer Entscheidung intensiv mit dem Thema zu befassen. „Hohe Investitionen können sich schnell amortisieren, wenn die Anlage voll ausgelastet wird und neben niedrigen Heizkosten auch geringere Wartungskosten verursacht“, sagt Lang.

Noch etwas gilt es zu beachten: Alte Kessel sind oft zu groß dimensioniert. Daher sollte man laut Lang nicht einfach die gleiche Leistung wie zuvor wählen. Zu klein darf der Kessel aber auch nicht sein, sonst werden die Räume nicht warm.

Die Heizungstechniken

Brennwertkessel: Moderne Gas- und Ölheizungen verbrennen zwar weiter fossilen Kohlenstoff, sind dank Brennwerttechnik aber deutlich effizienter. Sie können die Energie des Brennstoffs fast vollständig nutzen. Wie viel Energie so gespart wird, ist umstritten: Heizungsanbieter sprechen von 30 Prozent. Ein neues Gutachten des Bundesverbands Erneuerbare Energie kommt auf maximal 15 Prozent. Problematisch ist in der ländlichen Region Trier auch: Erdgas steht nur den wenigsten Haushalten zur Verfügung. Ein Nachteil auch deswegen, weil Bürger so nicht von der neuen Prämie profitieren können, die es für Gas-Hybridheizungen gibt. Neue Ölheizungen werden laut Bundesamt für Wirtschaft überhaupt nicht gefördert.

Eine Alternative wäre Flüssiggas. Dafür müsste ein Tank im Garten aufgestellt oder vergraben werden. Verbraucherberater Hans Weinreuter rät dazu, den Tank zu kaufen (ab etwa 1500 Euro) und nicht zu mieten, da man sich sonst von den Konditionen eines Lieferanten abhängig mache. Der Nachteil: Käufer müssen sich dann selbst um die Wartung kümmern.

Hybridheizungen nutzen bei der Warmwasserbereitung oder zum Heizen mehrere Energiequellen, in der Regel Öl oder Gas zusammen mit erneuerbaren Energien – zum Beispiel Solarenergie. Öl oder Gas werden erst dann zugeschaltet, wenn die Sonnenenergie nicht ausreicht. Der Verbrauch sinkt damit deutlich. „Das ist sehr sinnvoll“, sagt Peter Remmel, Ausbildungsmeister für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bei der Handwerkskammer Trier. Und Lang betont: „Auch bei einer solarthermischen Anlage sollte der Warmwasser- bzw. Wärmebedarf unbedingt geprüft werden, damit die Anlage wirtschaftlich sinnvoll ist.“ Weiterhin müsse die Ausrichtung der Dachfläche berücksichtigt werden. Richtung Süden ist optimal.

Wärmepumpen heizen, indem sie dem Erdreich oder der Luft Wärme entziehen. Bei Tiefenbohrungen für Erdwärmepumpen ist laut  Energie-Expertin Christina Lang im Vorfeld bei der zuständigen Wasserbehörde nachzufragen, ob gebohrt werden darf. Eine andere Variante ist es, Flächenkollektoren ins Erdreich zu legen. Dafür sei auf eine ausreichende Fläche zu achten, die frei von Wurzelwerk sein muss.

Der Vorteil: Die Heizkosten sind niedrig und man ist unabhängig von fossilen Brennstoffen. Bei Neubauten sind Wärmepumpen daher das System der Wahl, auch wenn sie in der Anschaffung teurer sind als andere Systeme.

Für viele Altbauten scheiden Wärmepumpen jedoch aus – es sei denn, man nimmt richtig viel Geld in die Hand. Ausbildungsmeister Peter Remmel erklärt wieso: Wärmepumpen erzeugen viel geringere Temperaturen als Ölkessel. „Da braucht man viel größere Heizkörper oder eine Fußbodenheizung. Das ist sehr kostenintensiv.“ Da die Pumpen mit Strom betrieben werden, sind sie auch nur dann sinnvoll, wenn das Gebäude gut gedämmt und der Heizbedarf niedrig ist.

Biomasse-Heizungen: Bei Anlagen, die mit Hackschnitzeln, Pellets oder Stückholz arbeiten, ist laut Lang zu bedenken, dass ein trockener, gut begehbarer Lagerraum vorhanden sein muss. Die Anlagen haben relativ hohe Anschaffungskosten, der Brennstoff ist jedoch günstig – jedenfalls noch. „Das könnte viel teurer werden, wenn viele auf Pellets umrüsten“, glaubt Remmel. Für Bestandsbauten seien Biomasseheizungen bestens geeignet, da sie ähnlich hohe Temperaturen erzeugen wie Ölkessel. Kombinieren lässt sich all das mit der behaglichen Wärme von Kaminöfen.

Elektroheizungen sind höchst umstritten: In der Anschaffung sind sie günstig, im Betrieb teuer und die Ökobilanz ist schlecht – es sei denn, die Anlage wird mit (selbst erzeugtem) Ökostrom betrieben.

Gesetzliche Neuerungen

Ein Verbot von alten Ölheizungen ist nicht geplant, allerdings dürfen Hausbesitzer Ölkessel ab 2026 nur noch installieren lassen, wenn sie diese mit erneuerbaren Energien kombinieren. Ausnahmen sollen laut Gesetzesentwurf für Bestandsgebäude dann gelten, wenn Erdgas oder Fernwärme nicht zur Verfügung stehen und die Nutzung erneuerbarer Energien technisch nicht möglich ist „oder zu einer unbilligen Härte führt“. Also zum Beispiel bei Häusern, die unter Denkmalschutz stehen.

Neue Fördermöglichkeiten

Bereits beschlossen ist eine steuerliche Förderung für alle energieeffizienten Maßnahmen am Privathaus – zum Beispiel für neue Fenster, die Dämmung oder auch den Heizungstausch. Hausbesitzer können 20 Prozent der Investition, aber maximal 40 000 Euro je Haus oder Wohnung auf drei Jahre verteilt von der Steuer abziehen. Das Gebäude muss älter als zehn Jahre sein. Diese Förderung ist am 1. Januar in Kraft getreten und kann erstmalig mit der Steuererklärung 2021 geltend gemacht werden.

Auch eine Austauschprämie für Ölheizungen ist geplant. Bundesenergieminister Peter Altmaier ruft dazu auf, diese bereits jetzt beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle zu beantragen. „Wer jetzt die Austauschprämie beantragt, kann bares Geld sparen und etwas für den Klimaschutz tun! Mit der Austauschprämie für Ölheizungen fördern wir zukunftsfähige Investitionen mit bis zu 45 Prozent der Investitionskosten“, betont Altmaier auf den Seiten des Amts, die folgende neue Fördermittel auflisten:

Wer seine Ölheizung durch eine Heizung ersetzt, die vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben wird – zum Beispiel eine Wärmepumpe oder eine Biomasse-Anlage – kann einen Zuschuss in Höhe von 45 Prozent erhalten. Für Gas-Hybridheizungen mit einem Erneuerbaren-Anteil von mindestens 25 Prozent – zum Beispiel mit Solarthermie – gibt es einen Zuschuss von 40 Prozent. Ölheizungen werden nicht gefördert. Sofern sie um Solarthermie, Biomasse oder eine Wärmepumpe ergänzt werden, können diese Zusatzsysteme bezuschusst werden.

Das novellierte Programm „Wärme aus erneuerbaren Energien“ sieht neben der Austauschprämie für Öl weitere Verbesserungen vor. Auch für klimafreundliche Heizungen, die keinen alten Ölkessel ersetzen, gibt es Zuschüsse: 35 Prozent für Systeme, die vollständig mit erneuerbaren Energien betrieben werden, 30 Prozent für Gas-Hybridheizungen mit einem Erneuerbaren-Anteil von mindestens 25 Prozent und 20 Prozent für Gas-Brennwertheizungen, die auf die spätere Einbindung erneuerbarer Energien vorbereitet sind. Die Förderung wird stark vereinfacht: Die prozentualen Fördersätze ersetzen Festbeträge und Bonusregelungen.

Weitere Infos:  www.bafa.de