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Was macht China mit dem Hahn?

Was macht China mit dem Hahn?

Ein Experte vermutet hinter dem Kauf des Flughafens eine staatlich gelenkte Strategie. Diese soll in Verbindung mit der Seidenstraße stehen.

Die Seidenstraße. Legenden ranken sich um die im fünften Jahrhundert vor Christus begonnene Verbindung von China bis zum Mittelmeer. Nicht nur Seide wurde auf dem über 10.000 Kilometer langen Geflecht von Handelswegen transportiert. Auch Wolle, Gold und Silber. Und nicht zuletzt fand dadurch auch Kultur- und Techniktransfer zwischen dem Morgen- und dem Abendland statt.

Was macht China mit dem Hahn?

Und eben diese Seidenstraße wolle China wieder beleben, sagt der Unternehmensberater und China-Experte Manuel Vanmeer. Vor diesem Hintergrund müsse auch der Kauf des Flughafens Hahn durch die chinesische HNA gesehen werden. "Im Zuge der landläufig als neue Seidenstraße bezeichneten Strategie einer Logistikverbindung zwischen China und Europa kann der Hahn hier eine wichtige Rolle spielen." Der Hahn sei aber nur ein Stein in einer ganzen Reihe von chinesischen Investitionen in Logistikstützpunkte wie den Londoner Flughafen oder die Häfen von Rotterdam und Piräeus in Griechenland.

Vanmeer, der mit "Das Jahr des Hahn", einen unterhaltsamen und detailreichen mit viel China-Wissen gespickten Krimi über den im vergangenen Jahr geplatzten Verkauf des Hunsrückflughafens an die nicht existierende chinesische SYT-Gruppe geschrieben hat, ist sich sicher: "Entscheidungen über Investitionen wie den Flughafen Hahn werden weder im Hunsrück noch auf der Insel Hainan, dem Sitz von HNA, sondern eher in Peking getroffen werden." Gerüchteweise reichten die Verbindungen des durch zahlreiche Beteiligungen verflochtenen Firmenimperiums, zu dem mehrere Fluggesellschaften, Flughäfen und Touristikunternehmen gehören, bis ins Politbüro, dem höchsten politischen Führungsgremium Chinas.

HNA hat in Deutschland nicht nur die rheinland-pfälzischen Anteile am Flughafen Hahn erworben, sondern sich mit zehn Prozent bei der Deutschen Bank eingekauft. Jost Wübbeke vom Berliner Mercator-Institut für China-Studien geht nicht davon aus, dass hinter den Investitionen der HNA-Gruppe eine Strategie stecke. Aufgrund der undurchsichtigen Eigentümerverhältnisse sei diese aber auch nicht auszuschließen. "Mit HNA hat der Flughafen Hahn einen erfahrenen Investor gefunden, dennoch gibt es einige Risiken. HNA betreibt in China und weltweit bereits Dutzende Flughäfen und Fluglinien und könnte mit seiner Expertise Frankfurt Hahn wieder auf die Sprünge helfen", sagt Wübbecke unserer Zeitung. Diese Risiken sieht der China-Experte darin, dass unklar sei, wem HNA überhaupt gehöre. "Mehrheitlich ist die Unternehmensgruppe im Besitz einer Stiftung, allerdings ist nicht bekannt, wer diese kontrolliert. Die Frage ist, ob HNA tatsächlich in Privatbesitz ist, oder ob die Gruppe insgeheim von politischer Seite gesteuert wird."

Das betätigt auch Vanmeer, der allerdings betont: "All dies war bereits lange bekannt, und die Regierung in Mainz hat sich entschlossen, an einen Investor zu verkaufen, dessen genaue Strukturen ihr nicht bekannt sind. Aber es gab nach dem Reinfall auf Betrüger, ja auch keine echte Alternative mehr." Es könne durchaus sein, dass sich der Hahn "sehr spannend" entwickele "und damit auch die Region davon in hohem Maße profitiert". "Ebenso kann es passieren", sagt Vanmeer, "dass der Investor sich sehr rasch wieder aus dem Projekt zurückzieht. Bei dem sehr geringen Kaufpreis spielt dieser für eine Entscheidung keine relevante Rolle. Hier geht es um Politik und weitreichende, langfristige Strategien." Der bunt leuchtende Schriftzug des "Frankfurt Hahn Airport". Foto: dpa