Was wäre, wenn, die Chinesen doch noch den Hahn kaufen würden?

Was wäre, wenn, die Chinesen doch noch den Hahn kaufen würden?

Ist das chinesische Unternehmen SYT doch noch nicht aus dem Rennen für den Hahn-Kauf? Der Idar-Obersteiner Bernsteinhändler Hans-Werner Müller, der als Bevollmächtigter, den später vom Land gekündigten Kaufvertrag unterschrieben hat, hält es durchaus für möglich, dass die vereinbarten 13,5 Millionen Euro doch noch fließen könnten.

Wer am meisten für den finanziell angeschlagenen Flughafen Hahn bietet, der muss den Zuschlag bekommen. So jedenfalls stellt es die Landesregierung dar und beruft sich dabei auf Vorgaben der EU-Kommission. Nicht das Geschäftsmodell sei entscheidend, sondern nur das höchste Gebot. "Und was wäre, wenn, SYT die vertraglich vereinbarten 13,5 Millionen Euro nun noch überweisen würde", fragt Hans-Werner Müller. Was zunächst wie eine rhetorische Frage klingt, weil man eigentlich davon ausgehen muss, dass die Gesellschaft aus dem chinesischen Shanghai, die im Juni vom rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) als Käufer des Hahn vorgestellt worden ist, aus dem Rennen ist, meint der Bernsteinhändler aus Idar-Oberstein durchaus ernst.

Das Land hat bekanntlich den Vertrag mit SYT gekündigt, nachdem nicht wie vereinbart, das Geld für den Kauf eines außerhalb des Flughafen liegenden Areals, der sogenannten Housing, rechtsseitig überwiesen wurde. Der Kauf des Flughafens habe damit nichts zu tun, so Müller, der als Bevollmächtigter der Käufer den Vertrag in Frankfurt unterschrieben hat. Nach seinen Angaben hat der für die Verkaufsverhandlungen zuständige Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) ihn gebeten, den Vertrag zu unterzeichnen.

Müller ist nach eigenen Angaben ein Freund von Yu Tao Chou, der als Pilot der bis im vergangenen Jahr auf dem Hahn gelandeten Frachtfluggesellschaft Yangtze River Express tätig gewesen sein soll. Er habe Chou vier Tage vor dem Ende des ersten Verkaufsverfahrens im Herbst vergangenen Jahres erzählt, dass der Hahn verkauft werde. Daraufhin habe man in aller Schnelle einen Geschäftsplan erstellt. Weil die Beraterfirma KPMG, die im Auftrag des Landes den Hahn-Verkauf managt, darauf bestanden habe, dass nur real existierende Firmen mitbieten dürfen, habe Chou die Firma seines Bekannten Kyle Wang als Gesellschafter beim Bieterverfahren genannt, sagt Müller. Er lässt im Gespräch durchblicken, dass er Wang, der auf seiner Facebook-Seite den Kauf des Hahn frühzeitig öffentlich gemacht und den Eindruck erweckt hat, er sei der zukünftige Besitzer des Flughafens, für nicht ganz seriös hält. Wang halte weiterhin zehn Prozent an der noch immer existierenden SYT, sagt der Bernsteinhändler.

Mitte Mai, zwei Wochen vor der Vertragsunterzeichnung, hat es einen Gesellschafterwechsel bei dem vermeintlichen Hahn-Käufer gegeben. Die Beraterfirma KPMG hat daraufhin der Landesregierung trotz erheblicher Bedenken grünes Licht für den Verkauf an die chinesische Gesellschaft gegeben.

Müller hält die jetzige Konstellation von SYT für seriös und möglicherweise auch in der Lage, die vereinbarten 13, 5 Millionen Euro für den Hahn zu zahlen. Die Firma existiere auch unter der angegebenen Adresse. Bekanntlich ist ein SWR-Reporter dort in Shanghai lediglich auf einen Reifenhändler gestoßen, der nichts von dem vermeintlichen Hahn-Käufer wusste.

Müller behauptet, er stehe weiter in Kontakt mit SYT. Die Gesellschaft habe den Vertrag von sich aus nicht gekündigt. Auch das Konto, auf dem das Geld eingezahlt werden soll, sei noch "scharf gestellt", so der Idar-Obersteiner im Gespräch mit unserer Zeitung. Ob SYT tatsächlich am Kauf festhalte, lässt Müller offen. Wenn aber tatsächlich die 13,5 Millionen Euro bis zum Ende der Zahlungsfrist am 31. Oktober fließen sollten, dann, so ist Müller überzeugt, müsse das Land das Angebot annehmen. "Schließlich dürfte das dann das höchste Gebot für den Hahn sein."
Extra

Fahrplan

Und so geht es weiter in Sachen Flugplatz Hahn:

Donnerstag, 1. September endet die zweite Phase des erneuten Bieterverfahrens. Bis dahin müssen die angeblich 20 Interessenten detaillierte Unterlagen eingereicht haben. Nach deren Sichtung unter anderem durch die Beraterfirma KPGM, beginnt die dritte Phase des neuerlichen Verkaufsprozesses. In der Ausschreibung ist die Rede von einem "nicht diskriminierenden und transparenten Verfahren, die mehrere Bieterrunden umfassen kann". Unklar ist, wie lange diese dritte Phase dauert und das Land dann einen neuen Käufer für den Hahn präsentieren wird.
Die neuerliche Ausschreibung wurde notwendig, nach dem geplante Verkauf an die chinesische SYT im Juli geplatzt war. wie

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