Was wusste die Mutter?

Wusste die Mutter des gequälten Bitburger Babys doch früher, dass es womöglich von seinem Vater misshandelt wurde? Die Ermittlungen in dem Fall haben ergeben, dass die Frau bereits im Januar vom Krankenhaus über einen entsprechenden Verdacht informiert wurde.

Trier/Bitburg. Die Vorwürfe waren hart: Weil die Ärzte im Mutterhaus die Mutter des Bitburger Babys nicht frühzeitig darauf hingewiesen haben, dass das Mädchen wahrscheinlich von seinem Vater schwer misshandelt worden ist, seien sie mit schuld an einer weiteren schweren Misshandlung des sechs Monate alten Kindes (der TV berichtete). Genau wie das Jugendamt, das nicht rechtzeitig reagiert habe. Die Großmutter des Kindes hatte Klinik und Jugendamt angezeigt. "Nichts dran an den Vorwürfen", sagt Horst Roos, Leitender Oberstaatsanwalt in Trier. Ein Arzt und eine Mitarbeiterin des Sozialdienstes hätten die Mutter bereits vier Tage, nachdem das Baby im Januar wegen eines angeblichen Atemstillstands ins Mutterhaus gekommen war, über den Missbrauchs-Verdacht informiert. Damals wurden ein lebensgefährliches Schütteltrauma und eine ältere Brandwunde festgestellt. Der getrennt von der Mutter lebende Vater sagte, er habe das Kind nach einem Atemstillstand geschüttelt. Im zuständigen Jugendamt der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm hielt man diese Erklärung für plausibel, stellte aber der 19-jährigen Mutter eine sozialpädagogische Familienhilfe zur Seite. Die Pädagogin besuchte die Mutter zweimal, das letzte Mal einen Tag, bevor das Kind im Februar mit Rippen- und Armbrüchen erneut ins Mutterhaus kam. Danach veranlasste das Bitburger Amtsgericht, das Kind in eine Pflegefamilie zu geben. Am Montag entschied das Oberlandesgericht, den Beschluss aufzuheben. Das Baby ist seitdem wieder bei seiner Mutter. Das Jugendamt habe richtig gehandelt, sagt Roos. Es sei der Behörde nicht vorzuwerfen, das Kind nicht bereits beim ersten Verdacht seiner Mutter wegzunehmen. Rechtsanwalt Heinz-Jürgen Maagh bleibt dabei, die Mutter habe bis zur Misshandlung im Februar nichts von dem Verdacht der Ärzte gewusst.

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