Washingtons Rasenmähermethode bremst Militärjets in der Eifel

Washingtons Rasenmähermethode bremst Militärjets in der Eifel

Ist der Standort Spangdahlem als militärischer Stützpunkt noch sicher? Diese Frage stellen sich angesichts der rigorosen Zwangseinsparungen der US-Regierung zahlreiche Menschen in der Region. Man sei zuversichtlich, heißt es von Seiten der Airbase. Auch die großen finanziellen Investitionen auf dem Gelände sprechen dafür. Doch der zähe Informationsfluss der Flugplatzführung und die neuen Sparpläne der Regierung nähren einige Zweifel.

Die vom amerikanischen Staat verordneten Einsparungen haben es längst über den großen Teich nach Deutschland geschafft. 1,8 Billionen Dollar (1,4 Billionen Euro) Schulden will die Regierung in Washington nach neuesten Informationen innerhalb von zehn Jahren abbauen. Auch für die amerikanischen Streitkräfte brechen damit harte Zeiten an. Vom Spardiktat, das auch über sie verhängt wird, sind alle Bereiche betroffen (siehe Extra) - auch die Airbase in Spangdahlem (Kreis Bernkastel-Wittlich).

Einsparungen

Wenn die A-10-Flugstaffel im Laufe dieses Jahres komplett aufgelöst wird, bleibt noch eine Flugstaffel in Spangdahlem. Mit der abziehenden Staffel gehen mehr als 500 Soldaten weg.

Die amerikanischen Zivilangestellten sollen nur noch vier anstatt fünf Tage pro Woche arbeiten dürfen. Die Airbase bestätigt das nicht. Doch auch US-Präsident Barack Obama spricht bei der Vorstellung des Haushaltsetats von 40 000 und 50 000 Stellen für Zivilisten, die das Pentagon bis 2018 abbauen müsse. Weil die deutschen Zivilangestellten durch ihren Tarifvertrag geschützt sind, sind sie von den möglichen Kurzarbeit nicht betroffen. Das bestätigt Klaus Rodens, Betriebsratvorsitzender auf der Airbase. Ein Sprecher der Airbase sagt: "Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir nichts von Sparmaßnahmen, die die deutschen Mitarbeiter betreffen könnten."

Aus Spargründen abgesagt wurde auch der Tag der offenen Tür, der zuletzt europaweit 40.000 Besucher nach Spangdahlem zog. Nach Informationen der Airbase-Verantwortlichen waren die Planungen für das Wochenende am 11. und 12. Mai bereits in vollem Gang, als die Nachricht von den Budgetkürzungen kam.

Sicherheit des Standorts

An eine Schließung des Standorts glaubt Rodens nicht: "Die Investitionen zeigen, dass der Flugplatz Spangdahlem auf die Zukunft ausgerichtet ist." Rodens weist auf die erst fertiggestellten Bauprojekte Krankenhaus (Kosten: umgerechnet 23 Millionen Euro) und Einkaufszentrum (Kosten: 19 Millionen Euro) hin.
Einer, der den Flugplatz wie seine Westentasche kennt, ist Udo Stürmer, Chef-Ingenieur des Spangdahlemer Flugplatzes. Er sagt zu möglichen Schließungsplänen: "Völliger Bödsinn!"
Im Sommer soll die letzte verbleibende Flugstaffel nach TV-Informationen den Flugplatz wegen eines Manövers verlassen. "Ob die zurückkommen, weiß man nicht", sagt ein Informant. Laut Ingenieur Stürmer sollen im Juni jedoch für 1,5 Millionen Dollar (1,1 Millionen Euro) Teile der Landebahn saniert werden.
Das bestätigt auch die Airbase. Die Auffangvorrichtungen für Flugzeuge werden dabei erneuert. Stürmer: ."Dann ist kein Flugbetrieb möglich. Da müssen die Flieger woanders hin." Die Landebahn gibt es seit den 1950er Jahren. 1998 wurde sie komplett saniert. 2007 erhielt die Bahn eine neue Deckschicht. "In Spangdahlem kann alles landen, was es an Flugzeugen gibt", sagt Stürmer. Das sei auch ein Grund, warum Spangdahlem strategisch so wichtig sei. Für die im Jahr 1994 geschlossene Airbase Bitburg hätte das nicht zugetroffen, dort sei die Landebahn 500 Meter kürzer gewesen.

Wirtschaftsfaktor Airbase

Der Flugplatz Spangdahlem ist einer der wichtigsten US-Militärstützpunkte außerhalb der USA. Udo Stürmer, Chef-Ingenieur der Airbase: "Spangdahlem ist, was die Infrastruktur betrifft, höchstmodern ausgestattet und hat die längste Flugbahn Europas. Der Standort ist eng verbunden mit Ramstein zu sehen." Für die Region ist der Flugplatz ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Immobilienmakler, Handwerker, Friseure, Taxiunternehmen, Restaurants - alle profitieren von den Amerikanern. Laut Stürmer gibt die US-Regierung allein für Instandhaltungs- und Reparaturarbeiten der Airbase jährlich 30 Millionen Dollar (23 Millionen Euro) aus. Für 2013 seien 15 Millionen (11,5 Millionen Euro) eingeplant, die allerdings noch nicht genehmigt seien. Stürmer: "Ich habe die Schließung von Bitburg mitgemacht und glaube nicht, dass ein so tadelloser Standort wie Spangdahlem schließt." Außerdem sei der Stützpunkt das Backup für die Großraumflieger der Airbase Ramstein. Von Seiten der Airbase heißt es: "Auf Basis der aktuellen Haushaltskürzungen prüfen wir derzeit alle unsere Dienstleistungen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es keine Veränderungen oder Kürzungen." Man sei jedoch zuversichtlich, dass der Stützpunkt erhalten bleibe.

Zukunft des Flugplatzes

"Spangdahlem ist ein endgültiger Standort", hatte 2010 der damalige rheinland-pfälzische Innenminister Karl Peter Bruch gesagt, als er zum Kommandowechsel auf der Airbase anreiste und über die Zukunft des Standortes sprach. Von Tarnkappen-Kampfjets war die Rede - und von unbemannten Flugzeugen (Drohnen), die nach Spangdahlem verlegt werden sollten. Bruch ging davon aus, dass der Transportbereich wachsen werde. Er wollte der Airforce vorschlagen, Spangdahlem zu einem Logistikstandort zu entwickeln - mit fest stationierten großen Transportflugzeugen. Blickt man heute nach Spangdahlem, gibt es eine Flugstaffel weniger. Der Schwerpunkt des Stützpunkts liegt weiter auf den Jagdfliegern und Großtransportern, die in der Eifel zwischenstoppen, auftanken und weiterfliegen.