Wassernetz der Region ist in die Jahre gekommen – Land hilft Kommunen bei Sanierung mit 80 Millionen Euro

Wassernetz der Region ist in die Jahre gekommen – Land hilft Kommunen bei Sanierung mit 80 Millionen Euro

Seit 2013 gibt es den sogenannten Wassercent in Rheinland-Pfalz. Über 20 Millionen Euro nimmt das Land jährlich damit ein. Mit dem Geld wird die dringend notwendige Sanierung des Wassernetzes in den Kommunen unterstützt.

440 Millionen Kubikmeter. Das sind 440.000.000.000 Liter (zum Vergleich: In eine Badewanne passen im Schnitt 150 Liter). So viel Wasser versickert jährlich in Deutschland, weil Abwasserrohre kaputt sind. Auch in Rheinland-Pfalz gibt es jede Menge maroder Kanalleitungen. Bei 15 Prozent des Abwasserkanals bestehe "sofortiger bis kurzfristiger Handlungsbedarf", sagt der rheinland-pfälzische Umweltstaatssekretär Thomas Griese. Werden diese Leitungen nicht schnellstmöglich repariert, drohen Kanalschäden und Verunreinigungen des Grundwassers.

30.000 Kilometer Kanäle

Runde 30.000 Kilometer ist das rheinland-pfälzische Kanalnetz lang. Ein Drittel davon ist älter als 25 Jahre. Knapp 20 Prozent des Netzes wurden laut Angaben des Statistischen Landesamtes zwischen 1991 und 2000 errichtet. So erklärt sich auch die Aussage von Christian Calonec-Rauchfuß von der Verbandsgemeinde Südeifel (Eifelkreis Bitburg-Prüm). "Aufgrund der verschiedenen Altersstruktur des Leitungsnetzes sowohl im Abwasser als auch im Trinkwasser wird eine Sanierung der Leitungen immer notwendig sein." Das bestätigt auch Rolf Heckemanns, Leiter der Bitburger Stadtwerke: "Die Sanierung der Trinkwasser- und Kanalnetze bleibt auch nach erheblichen Investitionen eine Daueraufgabe, da diese Anlagen einem ständigen Verschleiß unterliegen."

Die Kommunen arbeiteten mit "großem Nachdruck" daran, keinen Sanierungsstau bei der Wasserver- und -entsorgung aufkommen zu lassen, sagt Staatssekretär Griese. Das Land habe die Städte und Gemeinden allein im vergangenen Jahr mit rund 78 Millionen Euro dabei unterstützt. Das Geld kommt zum einen aus dem sogenannten Wassercent, den das Land 2013 eingeführt hat. Seitdem bezahlen Betriebe dafür, dass sie etwa Grundwasser nutzen dürfen für ihre Produktion. 26 Millionen Euro brachte der Wassercent gleich im ersten Jahr nach seiner Einführung dem Land ein. Der restliche Teil des Geldes, das das Land an die Kommunen zur Unterstützung der Wasserversorgung überweist, stammt aus der Abwasserabgabe (nicht zu verwechseln mit der Abwassergebühr, die private Haushalte zahlen müssen). Die Abgabe zahlen müssen alle, die Abwässer direkt etwa in einen Fluss oder in den Untergrund einleiten. Das sind in der Regel neben Unternehmen und Landwirten auch die Kommunen. Über die finanzielle Unterstützung des Landes für die Wasserversorgung bekommen sie damit also quasi einen Teil ihrer Abwasserabgaben zurück.

Die Kommunen brauchen das Geld. Das zeigt sich am Beispiel Trier. Dort wurden in den vergangenen Jahren jährlich 1,5 bis 2 Millionen Euro in die Sanierung des Trinkwassernetzes und sechs bis acht Millionen Euro in die Sanierung des Kanalnetzes investiert. Trotz des hohen Alters der Leitungen und des hohen Investitionsbedarfs heißt es übereinstimmend bei den vom TV befragten Wasserversorgern, dass das Trink- und Abwassernetz insgesamt in einem guten Zustand sei.
Gerade mal elf Rohrbrüche habe es im vergangenen Jahr gegeben, heißt es etwa bei den Verbandsgemeindewerken Hillesheim (Vulkaneifel). Und das bei 180 Kilometern Wasserleitungen. Auch der Wasserverlust durch kaputte Kanalrohre sei "geringfügig". Zwischen 20 und 25 Jahren alt sei das Hillesheimer Kanalnetz, sagt Werkleiter Klaus Eilert. Einige Leitungen sogar über 40 Jahre.

Nun könnte man denken, dass, weil durch den sparsameren Umgang mit Wasser etwa durch energieeffizientere Spül- und Waschmaschinen weniger Wasser durch die Leitungen fließt, diese womöglich in Mitleidenschaft gezogen werden. Oder dass sich - weil weniger Wasser durchfließt - darin gefährliche Keime entwickeln können. Carsten Grasmück, Sprecher der Trie8rer Stadtwerke, bestätigt, dass sich der durchschnittliche Wasserverbrauch pro Kopf von 250 Litern pro Tag in den 1970er Jahren auf aktuell rund 120 Liter verringert hat. Das habe aber keine Auswirkungen auf den Zustand der Leitungen und die Wasserqualität, so Grasmück. Lediglich die Kanalleitungen müssten wegen des geringeren Wasserdurchflusses öfter durchgespült werden.

Verschmutzungen des Trinkwassers sind in der Region in den vergangenen Jahren nur selten aufgetreten. Der letzte Fall ist allerdings noch nicht lange her: Mitte Dezember warnte der Zweckverband Wasserversorgung Eifel-Mosel, weil im Trinkwasser von 14 Orten in den Verbandsgemeinden Wittlich-Land und Speicher Fäkalbakterien gefunden worden waren. Die betroffenen Haushalte mussten das Wasser abkochen. Wie die Keime ins Wasser kamen, blieb unklar. Im Normalfall ist die Qualität des Trinkwassers in der Region allerdings hervorragend.

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