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Weg mit dem inneren Schweinehund!: TV-Experten erläutern, warum jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist, um aktiver zu leben

Weg mit dem inneren Schweinehund!: TV-Experten erläutern, warum jetzt genau der richtige Zeitpunkt ist, um aktiver zu leben

Warum ist es sinnvoll, Sport zu treiben? Wie starte ich mein Projekt Fitness? Und wie überwinde ich meinen inneren Schweinehund? Antworten auf diese Fragen geben zum Auftakt der Serie Fit in den Frühling drei Experten.

Warum soll ich Sport treiben?
Friedl Schulz: Sport wirkt sich in vielerlei Hinsicht positiv auf unser Wohlbefinden aus. Durch Bewegung wird zum einen unser Herzkreislaufsystem aktiviert. Dies kann sich mittelfristig auch positiv auf den Blutdruck auswirken. Zudem sinkt der Blutzuckerspiegel. Zusätzlich wirkt sich dies sogar in vielen Fällen als biologischer Appetitzügler aus.
Es kommt, bei gleichzeitiger ausgewogener Ernährung, zum Gewichtsverlust, zu einem besseren Körpergefühl und damit bei vielen Menschen zu einem besseren psychischen Gleichgewicht.

Ich bin Sportmuffel. Wie überwinde ich den inneren Schweinehund?
Christoph Müllers: Für Neueinsteiger gilt, dass man schon das ein oder andere Neue ausprobieren sollte, bevor man zu früh über eine Sportart urteilt. Manchmal kommt der Spaß ja auch beim zweiten Blick. Grundsätzlich sollte der Spaß im Vordergrund stehen. Sport treiben in einer Sportart, die man widerwillig macht, führt zu nichts. Hilfreich kann auch sein, sich zu Beginn feste Termine in der Woche einzuplanen, sich einer Gruppe anzuschließen oder sich mit Freunden zum gemeinsamen Sporttreiben zu verabreden.
Generell wird im Gesundheitssport eine Frequenz von zwei bis drei Einheiten pro Woche empfohlen. Wichtiger ist, häufiger ein bisschen als einmal ganz viel zu machen.

Welche Sportart taugt für wen?
Christian Fink: Das lässt sich pauschal nicht sagen. Jeder Mensch ist individuell zu sehen. Wenn das grundlegende Interesse an einer Sportart vorhanden ist, sollte man mit seinem Sportmediziner und Orthopäden Kontakt aufnehmen und die Sachlage besprechen.

Wenn ich abnehmen will: Welche Sportart eignet sich am besten?
Friedl Schulz: Wenn eine Gewichtsreduktion gewünscht ist, zählt die einfache Formel: Mehr Energie verbrennen als dem Körper zuführen! Jede Art der Bewegung und sportlichen Betätigung führt dazu, dass wir den Energiebedarf und damit den Kalorienverbrauch steigern. Bei gleichzeitiger ausgewogener Ernährung kommt es nach einer gewissen Zeit somit auch zu einer Gewichtsreduktion.

Welcher Aufwand ist nötig, um einen Effekt zu erzielen?
Christoph Müllers: Das ist sehr individuell. Bei den einen Menschen stellt sich ein schnellerer Effekt ein, bei den anderen dauert es länger. Dies hängt natürlich auch mit den persönlichen Zielen zusammen. Hierbei ist zu empfehlen, sich kleine und realistische Ziele zu setzen. Sonst kommt es schnell zu Frustration.
Auch hier gilt die Empfehlung von zwei bis drei Einheiten pro Woche, zum Beispiel auf dem Rad8ergometer.

Gibt es Ernährungstipps, die sich einfach umsetzen lassen?
Christoph Müllers: Nicht gut sind die sogenannten Radikalkuren. Die führen zu dem unschönen Nebeneffekt, dass wir Muskelmasse verlieren. Dies bedeutet, dass unser "Motor" kleiner wird und damit in Zukunft weniger Kalorien benötigt, was zum sogenannten JoJo-Effekt führt. Man sollte sich kleine Ziele setzen und ausgewogen ernähren. Diäten, bei denen man auf alles verzichtet, was man gerne isst, werden irgendwann scheitern.

Für gesunde Menschen ist Sport kein Problem, aber wie ist es für Leute mit Handicap?
Christian Fink: Natürlich ist Sport auch für sie möglich! Die Bevölkerung wird durch den medizinischen Fortschritt immer älter und gleichzeitig mobiler im gehobenen Lebensalter. Dies bedeutet, dass auch die Gelenke immer mehr aushalten müssen. Viele Menschen leben inzwischen mit einem neuen Hüft-, Knie- oder Schultergelenk. Diese operativen Eingriffe dienen schließlich der Erhaltung der Lebensqualität. Je besser die körperliche Voraussetzung im Vorfeld ist, desto besser und schneller können sich diese Menschen wieder sportlich betätigen.

Warum "erwachen" wir zum Frühjahr?
Christian Fink: Der Bewegungsdrang ist in den Wintermonaten grundsätzlich niedriger aufgrund einer geringeren Motivation. Dies bedeutet nicht, dass wir faul sind, sondern ist eher eine natürliche Gegebenheit.

Macht die Frühjahrsmüdigkeit die Menschen nicht träge, wenn die ersten Sonnenstrahlen kommen?
Christoph Müllers: Diese Vermutung und manchmal gerne benutzte Ausrede ist in die Kategorie Märchen einzustufen. Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis für eine Frühjahrsmüdigkeit. Im Gegenteil bewirkt das Sonnenlicht die Ausschüttung von sogenannten Glückshormonen. Dies steigert den Drang nach Bewegung. Wir sollten unsere biologische Uhr nutzen und dem Bewegungsdrang freien Lauf lassen.
Christian Fink: Mehr Bewegung im Freien wirkt sich durch den Licht- und Sonneeffekt auch positiv auf den Vitamin-D-Stoffwechsel aus. Das ist ein wichtiger Baustein zur Osteoporose-Prophylaxe.

Fit in den Frühling – Neue TV-Serie startet heute: Bewegung und Körperbewusstsein lässt länger leben

Mehr Bewegung bedeutet also, dass man gesünder lebt?
Christian Fink: Aus orthopädischer Sicht steht weniger Gewicht dem Körper und den Gelenken wahnsinnig gut. Pro Schritt lasten 1,5 bis drei Kilogramm Körpergewicht auf unseren Gelenken. Man kann sich gut vorstellen, dass es durch Gewichtsreduktion zu einer starken Entlastung der Gelenke kommt. Fünf Kilogramm Gewichtsreduktion danken Ihnen Hüfte, Knie und Sprunggelenke dreifach.
Friedl Schulz: Durch Bewegung kommt es zur Aktivierung des Stoffwechsels. Bei ausgewogener Ernährung kommt es zur Gewichtsreduktion. Dies führt zum Beispiel zu einer biologischen Senkung des Blutdrucks und des Blutzuckerspiegels.

Wie kann man auch im Alltag Sport treiben?
Christoph Müllers: Man kann mit vielen Kleinigkeiten im Alltag den Kreislauf und damit den Energieumsatz steigern. Beispielsweise kann ich bei der Busfahrt zur Arbeit eine Haltestelle früher aussteigen. Ich parke das Auto weiter entfernt. Ich benutze die Treppe statt Rolltreppe oder Aufzug. Oder ich fahre mit dem Fahrrad zur Arbeit.
Im zweiten Teil unserer Serie wird am Samstag das Thema Wandern und Walken im Mittelpunkt stehen. Alle Beiträge finden Sie auch im Internet unter www.volksfreund.de/fit

Extra Experten für mehr Fitness

Dr. Christian Fink ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie. Der Sportmediziner und Spezialist für arthroskopische Gelenkchirurgie und Schulterchirurgie ist Mannschaftsarzt des Bundesligateams TBB Trier und betreut medizinisch das Tennis ATP Turnier.

Dr. Friedl Schulz praktiziert seit 25 Jahren als Allgemeinarzt, davon zwölf Jahre als Landarzt in Ralingen. Seit sieben Jahren ist der kommunalpolitisch im Trierer Stadtrat aktive Mediziner Mannschaftsarzt von Eintracht Trier, seit dieser Saison auch der TBB Trier.

Christoph Müllers ist Diplom-Sportwissenschaftler im Fachbereich Prävention und Rehabilitation. Als Medical-Trainer kümmert er sich besonders um die Fitness der Basketballprofis der TBB Trier. Der Personalcoach im Sportomedicum Trier ist auch Experte für Sturzprophylaxe.