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Wegen Cattenom Jodtabletten für alle? Land prüft dezentrale Verteilung im Fall eines Atomunfalls

Wegen Cattenom Jodtabletten für alle? Land prüft dezentrale Verteilung im Fall eines Atomunfalls

Der Trierer CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster fordert von der Bundesumweltministerin, dass sie sich nicht nur für die Stilllegung der belgischen Kernkraftwerke einsetzt, sondern auch der Anlage in Cattenom.

Die belgischen Atomreaktoren in Tihange und Doel laufen weiter. Das ärgert Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD). Sie hatte das Nachbarland gebeten, die Pannen-Meiler vom Netz zu nehmen. "Ich bedaure sehr, dass dieser dringenden Bitte von der belgischen Seite bislang nicht entsprochen wurde”, sagte Hendricks am Freitag im Bundestag.

Der Trierer CDU-Bundestagsabgeordnete Bernhard Kaster wiederum ärgert sich über Hendricks, weil sie nicht auch Frankreich bittet, das Atomkraftwerk Cattenom abzuschalten: Es stelle sich die Frage, "wieso Sie die Sicherheitsinteressen deutscher Bürger im Raum Aachen mit dieser Bitte an die belgische Regierung vertreten, nicht jedoch die Sicherheitsinteressen deutscher Bürger im Raum Trier und dem Saarland", schreibt Kaster in einem Brief an Hendricks.

Unterdessen sieht Rheinland-Pfalz die Forderungen nach einer Klage gegen die Reaktoren in Belgien und Frankreich kritisch. Dafür müssten "massive Sicherheitsbedenken auf Basis konkret nachgewiesener detaillierter Fakten und Gutachten belegt werden", sagt eine Sprecherin des Energieministeriums. Eine "gerichtsfeste Nachweisführung" für die belgischen Anlagen sei kaum möglich. Eine Klage gegen Cattenom wäre nur möglich, wenn offiziell eine Verlängerung der Laufzeit von über 40 Jahren beantragt würde, so die Sprecherin. Bislang gibt es dazu nur die Absichtserklärung. Daher setze das Land auf politischen Druck auf beide Länder.

Um im Falle eines Atomunfalls die Bevölkerung im nahen Umkreis eines Kernkraftwerks schneller mit Jodtabletten zu versorgen, überlegt das rheinland-pfälzische Innenministerium, diese direkt an Haushalte zu verteilen. Belgien hat das für seine Bürger bereits angekündigt. Mit Jodtabletten soll verhindert werden, dass der menschliche Körper über die Schilddrüse Radioaktivität aufnimmt.