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Weiter Rätsel um Kleidung und Drahtschlinge

Weiter Rätsel um Kleidung und Drahtschlinge

Weiterer Prozesstag im Mordfall Lolita Brieger: Diesmal steht ein bei der Leiche gefundener Draht im Mittelpunkt. Nicht geklärt ist, ob die damals 18-jährige Frau damit vor fast 30 Jahren erdrosselt worden ist. Des Mordes angeklagt ist ihr Ex-Freund.

Trier. Ob Josef K. seine schwangere 18-jährige Ex-Freundin Lolita Brieger vor fast 30 Jahren mit einer Drahtschlinge erdrosselt hat, wie die Staatsanwaltschaft glaubt, bleibt auch an diesem Prozesstag unklar. Fest steht nur: Bei den insgesamt bis zu 30 Zentimeter langen Drahtstücken, die an der Kleidung der auf einer Mülldeponie vergrabenen Leiche gefunden wurden, handelt es sich um eine Art verzinkten Bindedraht.
Eine Mineralogin des römisch-germanischen Zentralmuseums in Mainz hat die auf der Kleidung der Toten und um den Sack, in dem sie lag, entdeckten Metallteile untersucht. Es handele sich nicht um einen üblichen Draht, sagt die Gutachterin. Nachforschungen in einem Drahtmuseum und bei Drahtbindereien hätten jedenfalls keine Hinweise darauf gegeben, wozu der betreffende Draht üblicherweise verwendet wird und von wo er stammt.
Zuvor hat ein Kriminaltechniker erneut die an dem Skelett von Lolita Brieger gefundenen, relativ gut erhaltenen Kleidungsstücke - einen grünen Bundeswehr-Parka, eine karierte Bluse und einen blauen Pulli - auf einem Tisch im Gerichtssaal ausgebreitet. Noch einmal wollen sich die Prozessbeteiligten die Teile anschauen. Josef K.s Verteidiger Heinz Neuhaus will von dem Polizeiexperten genau wissen, wo und an welchem Kleidungsstück die mit dem Stoff regelrecht "verbackenen" Drahtreste gefunden worden sind.
Angeklagter wirkt unbeteiligt


Staatsanwalt Eric Samel geht davon aus, dass Landwirt Josef K. die damals 18-Jährige mit dem Draht erdrosselt und ihr zuvor das Rückenteil ihres Pullovers über den Kopf gezogen hat.
Der Pullover bedeckte noch den Schädel, als die sterblichen Überreste auf der ehemaligen Mülldeponie gefunden wurden. Neuhaus glaubt nicht, dass die junge Frau mit einem Draht erdrosselt worden ist. Eine Antwort darauf können weder der Kriminaltechniker noch die Gutachterin geben.
Während sich die Prozessbeteiligten die Kleidungsstücke anschauen und den Experten Fragen stellen, bleibt K. auf seinem Platz sitzen. Wie schon in den Prozesstagen zuvor schaut er unbeteiligt wirkend nach vorn, zeigt äußerlich keine Gefühlsregung. Auch nicht, als danach, wie schon am vorangegangenen Verhandlungstag, eine weitere Ex-Freundin von ihm als Zeugin gehört wird. Sie hat Ende der 1990er Jahre mit K. zusammen auf dessen Hof in Scheid (Vulkaneifel) gelebt, hat sich gemeinsam mit ihm dort ein Haus gebaut. Doch auch diese Beziehung endete, wie andere des Landwirts, weil K. sich verändert habe, abweisend geworden sei, sagt die 45-Jährige. Sie bezeichnet ihn als "zweifelhaft" und "geheimnisvoll", ohne näher darauf einzugehen.