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Welche Rolle die Mausklicks im Wahlkampf spielen: Wahl-o-Mat zur Landtagswahl 2016

Welche Rolle die Mausklicks im Wahlkampf spielen: Wahl-o-Mat zur Landtagswahl 2016

38 Aussagen, 38 Klicks - und schon sehen Wähler, welche Partei ihnen am nächsten steht. Immer mehr Menschen behelfen sich mit dem Wahl-O-Mat. Die Entscheidung, wer die Kreuzchen am 13. März bekommt, soll das Internetprogramm aber nicht abnehmen, sagt ein Politikexperte von der Uni Trier.

Wie stehen Wähler zu Flüchtlingen, Kindertagesstätten und dem politischen System im Lande? Über Fragen wie diese können sich Menschen von Jung bis Alt Gedanken machen. Und mit ihren Antworten im Internet herausfinden, wie groß ihre Schnittmengen mit den 14 politischen Parteien sind, die am 13. März zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz antreten. Gelingen soll dies mit dem Wahl-O-Mat, einem Internetprogramm, das Nutzern einen spielerischen Zugang in die Gedankenwelt und Vorstellungen der Parteien ermöglicht. 38 Thesen stehen zur Auswahl. Wähler können sie unterstützen, ablehnen - oder sie neutral bewerten. Die große Quiz-Frage lautet am Ende bei der Auswertung: Wie nah bin ich dran an der Partei, für die vielleicht sogar mein Herz schlägt?

Für den Trierer Professor Uwe Jun hat der Wahl-O-Mat durchaus Sinn. Der 52-Jährige hat die Bundeszentrale für politische Bildung beraten, als es um Thesen für Rheinland-Pfalz ging. Immer mehr Menschen nutzen das Tool. Bei der Bundestagswahl 2005 waren es gut fünf Millionen Nutzer, bei der vergangenen bereits 13 Millionen. "Es sind häufig politikinteressierte und internet affine Wähler, wobei quer durch alle Generationen die Nutzung erfolgt", sagt der Politologe der Uni Trier.

Junge Wähler stellen aber immer noch die Mehrheit, wenn es darum geht, jede Frage mit einem Klick zu beantworten. Für Projektleiter Martin Hetterich ist das ein gutes Signal. "Bei Erstwählern ist häufig noch eine Motivation vorhanden, zur Wahl zu gehen. Sind sie das zweite Mal aufgerufen, lässt die Beteiligung merklich nach. Wir schaffen es, dass sich Menschen bis zum Alter von 30 Jahren für Politik interessieren und sich mit Parteien auseinandersetzen." Uwe Jun sieht in dem Tool eine Chance, Informationen zu vermitteln und Orientierung zu geben.

Es gibt aber auch Kritiker am Wahl-O-Mat. Blogger im Internet prangern an, dass "überzeugte Demokraten" in ihren Thesen plötzlich eine Übereinstimmung mit extremistischen Parteien feststellen.Landtagswahl 2016

Ihnen ist es zu banal, Politik auf 38 Thesen zu beschränken. Martin Hetterich sieht das anders. "Dass am Ende eine Nähe zu Parteien wie der NPD herauskommt, halte ich für ein Gerücht. Wir haben Umfragen gemacht - über 90 Prozent der Nutzer finden sich in den Ergebnissen wieder." Allerdings gehe es bei dem Wahl-O-Mat nicht nur um Fragen des Weltbildes von Parteien - sondern auch um gängige politische Themen. "Wenn wir eine Frage zur Vermögenssteuer stellen, beantwortet die auch jede Partei." Über das Wahl-O-Mat-Ergebnis hinaus empfiehlt Hetterich den Nutzern, sich weiter zu informieren. So haben alle Parteien die Fragen nicht nur beantwortet, sondern ihre Positionen auch weiter erläutert. "Man kann sich einlesen, wie die Parteien ihre Haltung begründen", rät er. Auch Jun hält es nicht für sinnvoll, seine Kreuze bei der Wahl lediglich vom Wahl-O-Mat abhängig zu machen. Weitere Hintergründe hält auch Jun für unverzichtbar. "Sinnvoll ist es, tägliche Debatten in den Nachrichten zu verfolgen."

Das Angebot hilft laut Hetterich dabei, eine Entscheidung zu treffen. "Viele Teilnehmer sprechen mit Freunden oder ihrer Familie über ihr Resultat und tauschen sich dann aus." Dass Menschen überhaupt über Politik sprechen, ist für ihn das wichtigste Ergebnis. "Wenn es wegen des Wahl-O-Mats ist, haben wir schon einiges erreicht." flor

Online ab Mittwoch, 12 Uhr: Der Wahl-O-Mat für die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ist ab Mittwoch auf volksfreund.de/wahlen gegen 12 Uhr freigeschaltet und kostenlos. Der Trierische Volksfreund ist Medienpartner.