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Welche Schrift sollen Grundschulkinder lernen?

Welche Schrift sollen Grundschulkinder lernen?

Welche Schreibschrift sollen Kinder in der Schule lernen? Die CDU will die klassische lateinische Schreibschrift für alle Grundschüler in Rheinland-Pfalz verbindlich machen. Das fordert die Oppositionsfraktion in einem Antrag zu Bildungsmaßstäben in Grundschulen, über den der Landtag morgen debattiert. Außerdem geht es um die Aussagekraft der Grundschulzeugnisse.

In Rheinland-Pfalz entscheidet seit 2005 die einzelne Schule, ob sie die lateinische Schreibschrift lehrt oder die sogenannte "vereinfachte Ausgangsschrift" verwendet. Auch bei dieser Schrift werden Buchstaben miteinander verbunden, sie lehnt sich aber erkennbar an die Druckschrift an. In beiden Fällen geht es darum, eine Basis für die Entwicklung einer persönlichen Handschrift zu vermitteln.

Genaue Zahlen gibt es nicht. Nach Erfahrungswerten unterrichten die meisten Grundschulen die lateinische Schrift. Einige Schulen haben sich auf die vereinfachte Ausgangsschrift festgelegt. Die CDU sorgt sich um die klassische Schreibschrift. "Das ist eine ganz wichtige Kulturtechnik, die zu unserer Tradition gehört", sagt die bildungspolitische Sprecherin der Fraktion, Bettina Dickes. "Wer es in der Grundschule nicht lernt, wird es später auch nicht lesen können." Zudem werde ein Umzug mit Schulwechsel schwieriger für die Kinder, wenn die Schreibpraxis nicht einheitlich sei.

Dagegen verweist die SPD darauf, dass Bildungsforscher keine bestimmte Schrift empfehlen. Entscheidend sei, dass Kinder laut dem Rahmenplan für Deutsch am Ende der Grundschulzeit "eine gut lesbare Handschrift flüssig schreiben" können, betont SPD-Bildungspolitikerin Bettina Brück. Die gut ausgebildeten Grundschullehrkräfte wüssten selbst am besten, wie ihre Schüler dieses Ziel erreichen.

Eltern und Praktiker setzen die Schwerpunkte anders. Lars Lamowski, Grundschulleiter in Brachbach (Kreis Altenkirchen) und beim Verband Bildung und Erziehung (VBE) für den Grundschulbereich zuständig, hält es für entscheidend, dass Kinder überhaupt eine verbundene Handschrift lernen. Ob das immer die lateinische Schreibschrift sein muss? "Wenn wir sehen, dass mehr Kinder mit motorischen Problemen in die Schule kommen, halte ich das für einige Kinder für eine Überforderung", meint Lamowski.

Der Vorsitzende des Landeselternbeirats, Thorsten Ralle, sieht es kritisch, dass einige Schulen beim Schreibenlernen zunächst die Rechtschreibung hintan stellten. Als Folge sei in den fünften Klassen der weiterführenden Schulen die Schreibfähigkeit sehr unterschiedlich. Darüber hinaus "wäre es gut, sich auf eine Schrift zu verständigen", sagt der Landeselternsprecher.

Landesweit einheitliche Zeugnisse

Neben einer Festlegung auf die lateinische Schreibschrift fordert die CDU eine weitergehende Rückkehr zu Ziffernnoten in den Grundschulzeugnissen: Noten sollten ab der dritten Klasse zwingend vorgeschrieben und nicht mehr in das Ermessen der einzelnen Schule gestellt sein.

2008 hat Rheinland-Pfalz für die Klassen eins und zwei die Ziffernnoten abgeschafft und für alle Grundschuljahrgänge verbale Beurteilungen eingeführt. Noten gibt es erst ab Klasse drei. Eine Schule kann jedoch gemeinsam mit Elternvertretern beschließen, auch in der dritten Klasse auf Noten zu verzichten.
Kritik entzündete sich an den Verbalbeurteilungen: Zu unklar, fanden viele Eltern. Lehrer liefen gegen die Mehrbelastung Sturm, unterstützt vom VBE und der Bildungsgewerkschaft GEW.

Als rheinland-pfälzische Grundschüler in einer Länderstudie des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in Lesen, Zuhören und Mathematik nur auf mittleren und hinteren Plätzen landeten, reagierte das Bildungsministerium: Ab dem Schuljahr 2014/15 können die Verbalzeugnisse standardisierte "Könnensprofile" sein, ergänzt durch zusätzliche Elterngespräche. Der CDU geht das nicht weit genug. Durch die Reform entstünden wieder "vielfältigste Zeugnisformen". Zeugnisse müssten landesweit einheitlich sein, damit Eltern und Schüler sie richtig verstehen und einschätzen könnten.