Weltvegetariertag rückt Lebensmittelkonsum in den Fokus: Jeder Neunte verzichtet zeitweise auf Wurst - Neue TV-Ernährungskolumne

Trier · Ob Moral, Gesundheit oder Emotionen ausschlaggebend sind: Immer mehr Deutsche verzichten auf Fleisch. Forscher sehen darin nicht nur einen Trend, sondern eine neue Grundhaltung. Häufiger Fleischkonsum könnte zum „Unterschichtenphänomen“ werden.

"Fleisch ist ein Stück Lebenskraft." Jahrzehntelang hat die Centrale Marketinggesellschaft der Agrarwirtschaft (CMA) mit diesem Slogan für den Fleischkonsum unter den Deutschen geworben. Mit Erfolg, ist der doch bis in die 1980er Jahre gestiegen. Inzwischen wenden immer mehr Deutsche dem Steak auf dem Teller den Rücken zu: Jeder Neunte verzichtet zeitweise auf das tägliche Stück Fleisch, knapp zwei Drittel aller Frauen und 38 Prozent aller Männer bezeichnen sich selbst in Befragungen als Teilzeitvegetarier.
"Gründe sich fleischlos zu ernähren gibt es viele", sagt Susanne Umbach, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz zum heutigen Weltvegetariertag am 1. Oktober. Das seien nicht nur ethische Aspekte. "Auch BSE, Pferdefleisch in Lasagne oder skandalöse Zustände in Hähnchen-Mastbetrieben verleiden vielen den Genuss von Fleisch", sagt sie. Ernährungspsychologen wie der Göttinger Professor Thomas Ellrott werten den Boom des Vegetarismus deshalb auch nicht als kurzfristigen Trend, sondern als gesellschaftliches Phänomen.

Einem verordneten Veggie-Day, so wie es die Grünen gefordert haben, erteilt er jedoch eine Absage: "Eigentlich ist es kein Problem, einmal in der Woche auf Fleisch zu verzichten. Doch weil der Verbraucher von außen dazu gedrängt wird, überhöht dies die Bedeutung der Fleischmahlzeit", sagte er in einem Interview. Vegetarismus werde längst weniger ideologisch praktiziert, während hoher Fleischkonsum zum "Unterschichtenphänomen" geworden sei.

"Bei neuen vegetarischen Gerichten gilt es genau hinzuschauen", rät Verbraucherschützerin Umbach. Sie seien oft stark verarbeitet, reich an Fett und Salz, angereichert um Zusatzstoffe und Aromen. Ihr Tipp: "Am besten frische Zutaten einkaufen und selbst verarbeiten." sas

Lesen Sie die neue TV-Kolumne „Mahlzeit!“ zu aktuellen Ernährungsthemen

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort