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Wenig Zukunft für Gegenwart

Wenig Zukunft für Gegenwart

TRIER. Was gut ist, bleibt bestehen. Das zeigt sich an vielen Denkmälern, die am Sonntag zum kostenlosen Besuch offen standen. Die meisten heutigen Bauwerke könnten mangels Qualität schon bald wieder von der Bildfläche verschwunden sein. Diese Vermutung äußerten Experten bei der Auftaktveranstaltung zum Tag des offenen Denkmals im Kurfürstlichen Palais in Trier.

Erst die Pflicht, dann die Kür. Bei der Auftaktveranstaltung würdigte Kulturminister Jürgen Zöllner den landesweit zum 14. Mal stattfindenden Denkmaltag als gute Gelegenheit zur Begegnung mit Geschichte und bezeichnete ihn zudem als "Tag des Ehrenamts": Zahlreiche Privatleute öffneten ihre historischen Gemäuer und - entsprechend dem diesjährigen Motto "Rasen, Rosen und Rabatten" - auch Gärten und Parks. Mit nachdenklichen Anmerkungen zur Qualität heutiger Architektur, die oft nur zur (Ab-)Nutzung binnen einer Generation gereiche, gab Zöllner ein Stichwort für die anschließende Kür. Statt der sonst üblichen Grußworte erlebten die 100 Besucher eine unterhaltsame Experten-Talkrunde. Bei der Frage von Moderator Dieter Lintz (Leitender TV-Redakteur), welche Bauwerke aus den vergangenen 20 Jahren in 300 Jahren noch stehen würden, kamen die Teilnehmer sichtlich ins Grübeln. Basilika-Pfarrer Guido Hepke und Otmar Mick, im Palais residierender ADD-Abteilungsleiter, zogen sich clever aus der Affäre und plädierten für die "wilde Symbiose" aus antiker Konstantin-Basilika und Kurfürstlichem Palais (Barock-/Rokoko-Stilmix), die ja immer wieder Baustelle seien und damit auch heutige bauliche Zutaten erfahren. Historiker und Verleger Alexander Reverchon mochte sich nicht festlegen: "Am ehesten traue ich das dem Gesamt-Konversionsprojekt Petrisberg zu, glaube aber eher nicht daran. Triers Baudezernent Peter Dietze und Thomas Metz, kommissarischer Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege, entschieden sich unisono für das kurz vor der Fertigstellung stehende neue Eingangsgebäude der Kaiserthermen, geplant von Stararchitekt Oswald M. Ungers. Ob der ebenfalls von Ungers stammende Schutzbau über den Viehmarkt-Thermen drei Jahrhunderte überdauern werde, dafür mochte Metz übrigens keine Hand ins Feuer legen.