Weniger als befürchtet: Gut 40 Stellen fallen am Nürburgring weg

Weniger als befürchtet: Gut 40 Stellen fallen am Nürburgring weg

Statt 60 oder 70 Stellen fallen nach der Restrukturierung am Nürburgring nur etwas mehr als 40 Stellen weg. Das hat Nürburgring-Geschäftsführer Carsten Schumacher in einer Betriebsversammlung mitgeteilt.

Wochenlang hat er Stellenpläne durchforstet, Aufgaben analysiert, Gespräche geführt, Aufgaben gesichtet, bewertet und neu verteilt: Jetzt stellt der neue Nürburgring-Geschäftsführer Carsten Schumacher in einer Betriebsversammlung Eckpunkte seines Restrukturierungskonzeptes vor. Dabei fällt der erwartete Personabbau niedriger aus als ursprünglich angenommen. Nach Informationen der Rhein-Zeitung (Koblenz) verlieren nur 44 statt der befürchteten 60 oder 70 Mitarbeiter ihren Job. Für die Betroffenen ist das natürlich immer noch schlimm genug.

Der Personalabbau vollzieht sich weitgehend sozialverträglich. Betriebsbedingte Kündigungen müssen lediglich 9 ausgesprochen werden. Viele Mitarbeiter haben den Nürburgring aus eigenem Antrieb verlassen, neue Stellen gefunden oder wechseln in andere Bereiche des Betriebs. Für 35 Mitarbeiter wurde eine "einvernehmliche Lösung" gefunden. Das dürfte auch die Gewerkschaften milde stimmen, die in die Verhandlungen intensiv einbezogen waren. NBG und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi schlossen einen neuen Tarifvertrag ab. Er gilt bis Ende 2016. Der Personalabbau fiel wohl auch deswegen moderat aus, weil die früheren Pächter Jörg Lindner und Kai Richter bereits früher massiv Stellen eingespart hatten.

Grünes Licht von EU nötig

Zur Präsentation des Sanierungskonzepts haben die Capricorn Nürburgring GmbH (CNG), die ab 2015 den Betrieb führt, und die Nürburgring Betriebsgesellschaft mbH (NBG) eingeladen. Das Unternehmen Capricorn übernimmt erst im nächsten Jahr die volle Verantwortung für den Eifelkurs. Vorausgesetzt, Ende Juli kommt grünes Licht von der EU-Kommission.

Am Nürburgring direkt werden künftig 253 Mitarbeiter beschäftigt sein (Anfang 2014: 297). Davon rund 100 im Hotelbereich und 150 für Motorsport und Rennbetrieb. 8 Mitarbeiter des Eifeldorfs haben zu den Hotelbetrieben gewechselt. Schumacher hat die Ring-Gesellschaft neu organisiert. Der Vertrieb wurde professionalisiert, die Umsatzverantwortung gebündelt, die Hierarchien flacher gestaltet. Die Bereichsleiterebene wurde beispielsweise komplett gekappt.

Ziel ist es, den Nürburgring schlagkräftiger und umsatzstärker zu machen. Capricorn muss mittelfristig die Einnahmen erhöhen, um Zins und Tilgung für den Kauf zu zahlen sowie Investitionen zu tätigen. Künftig wird man auch über neue Vermarktungsmodelle nachdenken müssen. Wie entschlossen die CNG bereit ist, sich mit alteingesessenen Veranstaltern anzulegen, hat der Fall "Rock am Ring" gezeigt. Nach der Trennung von Konzertveranstalter Marek Lieberberg muss der neue Partner, die Deutsche Entertainment AG (Deag), für das Nachfolgefestival jetzt allerdings auch ein vergleichsweise hochwertiges Band-Programm an Land ziehen. Bis Ende des Jahres dürfte das "Line-up", die Zusammenstellung der Musikgruppen, stehen.

Das bargeldlose Zahlungssystem "ringcard" wird aufgegeben, die entsprechende Abteilung ebenso. Am Nürburgring wird künftig wieder normal bar bezahlt. Die Hotels bleiben bestehen. Für die Gaststätte an der Einfahrt der Nordschleife wird ein neuer Pächter gesucht. Eine Ausschreibung ist auf dem Weg. Hotel und Feriendorf waren stets profitabel. An dieser Struktur wollen auch die neuen Herren des Rings nichts ändern.

Das Partydorf "Grüne Hölle", das nie richtig ins Laufen kam, schließt Anfang November. Einzelne Restaurants öffnen lediglich, wenn Bedarf durch Großveranstaltungen entsteht. Die vermeintlich superschnelle Achterbahn Ring-Racer dürfte in der Winterpause demontiert werden. Wohin die Reise geht, steht noch nicht fest. Aber es sind auch rheinland-pfälzische Optionen im Spiel.

Mit Partymeile und Ring-Racer verschwindet das Herzstück des umstrittenen Freizeitparks, im Volksmund "die Kirmes" genannt. Der Bau dieser Erlebniswelt löste einen politischen Skandal aus, der bis heute nachwirkt, und verursachte dreistellige Millionenverluste im rheinland-pfälzischen Landeshaushalt. Wann Teile dieses Areals in den angekündigten Technologiepark verwandelt werden, dürfte die Zukunft zeigen. Die Verantwortlichen am Ring mahnen hier zur Geduld. Erst einmal wird das Kerngeschäft flott gemacht, dann folgt die Kür.

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