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Weniger Arbeitslose, aber mehr Leiharbeiter

Weniger Arbeitslose, aber mehr Leiharbeiter

Der Arbeitsmarkt ist leer gefegt. Die jüngste Arbeitslosenquote in der Region liegt mit 3,7 Prozent erneut unter dem Vormonatswert. Dennoch steigt die Zahl der Leiharbeiter in der Region deutlich. Die Gewerkschaften schlagen deshalb Alarm.

Ob Industrie, Handwerk oder Gesundheitswesen: Überall wird nach Fachkräften gesucht. Doch der Arbeitsmarkt ist leer gefegt. Rund 9900 Menschen in der Region Trier sind noch ohne Arbeit - 523 weniger als im Vormonat. Im Vergleich dazu ist die Arbeitslosenquote auf Bundesebene mit 6,7 Prozent fast doppelt so hoch wie in der Region.
Angesichts der Zahlen sollte man meinen, dass die Betriebe froh wären, wenn sie einen Bewerber für eine Festanstellung gewinnen könnten. Doch mitnichten. Die Leiharbeit in der Region hat deutlich zugenommen - allein von Juni 2009 bis Juni 2011 um mehr als 1000 Stellen oder 62,5 Prozent. Leiharbeiter machen damit 1,5 Prozent der Beschäftigten im Großraum Trier aus. Die Gewerkschaften kritisieren jedoch, dass fast jede fünfte neu geschaffene Stelle in der Leiharbeit angesiedelt sei.

Tatsächlich sieht auch die Trierer Arbeitsagentur (AA) eine Steigerung der Leiharbeitsverhältnisse. "Viele Betriebe sind trotz der eigenen guten Geschäfte von der Lage der Gesamtwirtschaft verunsichert und bauen eher Überstunden bei den Beschäftigten auf als Leiharbeiter fest zu übernehmen", sagt AA-Sprecher Thomas Mares.
"Angesichts unserer Wirtschaftslage müsste die Zahl der Leiharbeiter sinken. Doch sie steigt. Das ist auch gesellschaftspolitisch eine Katastrophe", sagt Christian Z. Schmitz, Geschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Trier. Der Vorwurf: Die Leiharbeit diene nicht mehr nur dazu, personelle Engpässe zu überwinden. Sie werde systematisch eingesetzt, um mit den schlechten Arbeitslöhnen der Leiharbeiter Geschäfte zu machen. Der Verdienst liegt nach den Daten der Bundesagentur für Arbeit im Schnitt bei 1456 Euro brutto, einschließlich Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

Was den Gewerkschaften ein Dorn im Auge ist, ist laut Bruno Hebel, Niederlassungsleiter der Wittlicher Zeitarbeitsfirma Armon, "längst am Markt etabliert. Leiharbeit ist ein Instrument der Flexibilität. Firmen setzen sie ein, weil sie nicht mehr die Planungssicherheit haben wie früher."

Hintergrund: Die zwei Seelen der Leiharbeit