Weniger Qualm, aber nicht weniger Gäste

Weniger Qualm, aber nicht weniger Gäste

Beim Thema Nichtraucherschutz möge endlich Ruhe einkehren, wünscht sich Bundesverbraucherschutzminister Horst Seehofer. Doch so lange per Gerichtsentscheid Ausnahmen durchgesetzt und in Bayern Vorgaben aus Angst vor dem Wähler außer Kraft gesetzt werden, bleibt es beim Wunsch. Der Ruf nach einem einheitlichen Verbot wird laut.

Mainz/Trier. Die Neuwieder SPD-Bundestagsabgeordnete Sabine Bätzing gibt sich als Drogenbeauftragte des Bundes zurückhaltend in ihrer Forderung: "Es wäre wünschenswert, wenn sich die Länder auf einheitliche Nichtraucherschutz-Regelungen verständigen würden", sagt sie auf Nachfrage des TV. Vor allem die vielen Ausnahmen vom Verbot stoßen ihr auf, denn sie sorgen für Ärger, Ungleichbehandlung und Wettbewerbsverzerrungen. Nicht zuletzt bei den kleinen "Ein-Raum-Kneipen", die sich in Rheinland-Pfalz und Sachsen zumindest vorübergehend das Recht auf Rauchen erstritten haben, wenn sie vom Inhaber selbst geführt werden.Mit Appellen allein will es Bätzings Fraktionskollege Lothar Binding, seit Jahren Vorkämpfer für den Nichtraucherschutz, nicht bewenden lassen. Die höchst unterschiedlichen Länder-Vorgaben sind für ihn ein Grund, das Verbot bundesweit einheitlich zu regeln. Drei von vier Befragten sind für das Verbot

Nach einer Umfrage des Instituts Emnid begrüßen drei von vier Befragten das Rauchverbot in Restaurants und Gaststätten, sogar die Hälfte der Raucher. Entsprechend sieht auch die Mainzer Gesundheitsministerin Malu Dreyer eine breite Akzeptanz. Die Umsetzung in Behörden über Schulen und Freizeiteinrichtungen bis hin zu großen Teilen der Gastronomie verlaufe weitgehend reibungslos.Komplettes Rauchverbot herrscht seit Februar in der Gaststätte Louisiana am Trierer Kornmarkt. Für Raucher gibt es draußen immer zwei Tische mit Schirmen als Regenschutz. "Wir haben seitdem nicht weniger Gäste", berichtet Barmann Patrick Ewig. "Sogar ich als Raucher finde diese Regelung angenehm, weil die Kleidung nach Feierabend nicht mehr so stark nach Qualm riecht."Das Caf´´´´é Prinz in Bitburg hat seinen Umsatz sogar gesteigert, seit das Rauchverbot gilt: "Die Leute fühlen sich hier in der guten Luft wohl", sagt Betreiber Guido Prinz. Wer allerdings viel Geld investiert und alles genau mit dem Ordnungsamt abgesprochen habe, um die Auflagen durch eine Trennung zwischen Raucher- und Nichtraucherbereich zu erfüllen, sei der Dumme: Andere Gastwirte hätten nämlich kurzerhand einen Saal als Nichtraucherbereich definiert und dürften die Gäste einfach durch den Raucherbereich an der Haupttheke zum Saal gehen lassen.Das Traditionsgasthaus Schneck in Wittlich hat den früheren kleinen Speiseraum als Raucherbereich ausgewiesen. Kunden verloren: Beschwerdebriefe

"Vorne im Thekenbereich wollen die Leute aber nicht essen. Und die Raucher wollen nicht ständig von der Theke weggehen müssen. Dadurch haben wir Kunden verloren", ärgert sich Gastwirt Friedhelm Schneck, der Beschwerdebriefe an die Gesundheitsministerien in Mainz und Berlin geschickt hat. "Das lasse ich mir nicht bieten." Schnecks Plan: Er will zur rauchdichten Trennung der Bereiche eine Tür einbauen, künftig Rauchen an der Theke wieder erlauben und nur im Nebenraum verbieten.Ob die vorläufige Ausnahmeregelung des Verfassungsgerichtshofes für die kleinen Eckkneipen, in denen der Wirt selbst hinter der Theke steht, dauerhaft Bestand haben wird, bezweifeln selbst Vertreter des Gaststättenverbands. Schließlich würde damit eine Ungleichbehandlung mit Kneipen, die auf Mitarbeiter angewiesen sind, zementiert. Die Landes-SPD ist auf jeden Fall bislang nicht bereit, freiwillig Abstriche am Nichtraucherschutzgesetz zu machen, wie von CDU und FDP gefordert. Sie wartet den Richterspruch ab. Meinung Ausnahmsweise Nichtraucherschutz muss sein: in Behörden, Schulen (in denen Mainz sich lange schwertat), in Kliniken und Sporthallen ohnehin. Dies scheint auch inzwischen gottlob außerhalb jeder Diskussion. Selbst Hotels und Restaurants sind keine Streitfälle mehr. Die Einsicht, das nikotingeschwängerter Qualm nicht nur als Gesundheitsgefahr, sondern immer stärker als schlichte Zumutung empfunden wird, ist merklich gewachsen. So gesehen kann der Nichtraucherschutz einen enormen Erfolg verbuchen. Es bleiben also allein die kleinen Eckkneipen, die sich wie einst das kleine Gallier-Dorf im großen römischen Reich widerspenstig zeigen. Vor allem, weil es auch um Existenzen geht. Warum nicht den kleinen Eckkneipen, in denen nur der Wirt selbst freiwillig den Rauch erträgt, die Entscheidung freistellen? Wir Nichtraucher ziehen dann eben weiter zur nächsten rauchfreien Zone. Damit können wir eigentlich leben. Das allerdings müssten dann die Wirte verkraften. j.winkler@volksfreund.de

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