Weniger Seehofer, weniger Slomka

Weniger Seehofer, weniger Slomka

Marietta Slomkas öffentlicher Interviewstreit mit Sigmar Gabriel ist ein untaugliches Objekt, um grundsätzlich über das Verhältnis von Politik und Medien zu diskutieren. Hier lag die Journalistin mit ihrer steilen These, dass der SPD-Mitgliederentscheid verfassungswidrig sei, klar daneben, auch wenn Gabriel, der anfangs ruhig antwortete, am Ende nicht eben geschickt damit umging.

Anders ist es mit der Intervention von Horst Seehofer gegen die Moderatorin beim ZDF-Intendanten. Sie wirft ein Schlaglicht auf die Macht, die die Parteien in den Aufsichtsgremien des "Zweiten" haben, in Verwaltungsrat und Fernsehrat. Vor allem entscheiden sie darüber, wer was wird im Sender. Die CSU hält das ZDF schon länger für ihr Revier, wie vor einem Jahr der Versuch ihres Sprechers zeigte, einen Fernsehbericht zu verhindern, und vor drei Jahren die Abberufung des Chefredakteurs Brender durch die Unions-Mehrheit im Verwaltungsrat. Die Zusammensetzung der Kontrollorgane muss grundlegend reformiert werden - Parteien raus, mehr gesellschaftliche Gruppen rein. Eine entsprechende Verfassungsklage von Rheinland-Pfalz und Hamburg läuft; man muss ihr Erfolg wünschen. Zwar sind Parteien nichts Schlechtes. Aber ihr Revier sind die Parlamente, nicht die Medien. Im Gegenteil: Medien müssen sie kritisch begleiten können. Wenn Horst Seehofer seinen übergroßen Einfluss nicht mehr hätte, würde er wohl kaum mehr Briefe an den Intendanten schreiben. Es wäre sinnlos. Und Slomka, die sich jetzt auch noch als Opfer fühlt, müsste etwas mehr Sorgfalt in ihre Interviews stecken und sich etwas kritischer selbst prüfen. nachrichten.red@volksfreund.de

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