1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Wenn das Gehirn langsam stirbt und die Persönlichkeit sich verändert - 80.000 Rheinland-Pfälzer leiden an Demenz

Wenn das Gehirn langsam stirbt und die Persönlichkeit sich verändert - 80.000 Rheinland-Pfälzer leiden an Demenz

Über 80.000 Menschen im Land leiden an Demenz. Nicht selten sind die Betroffenen aggressiv, einige auch gewalttätig. Sind Waffen im Haus, kann es richtig gefährlich werden.

Die Menschen werden immer älter. Die Zahl der über 80-Jährigen ist in der Region deutlich gestiegen: in der Eifel seit dem Jahr 2000 um 44 Prozent, in Bernkastel-Wittlich um 50 und in Trier-Saarburg sogar um 65 Prozent. Laut dem Statistischen Landesamt wird sich die Zahl bis 2035 noch mal um den gleichen Anteil erhöhen. In Trier werden 2060, so glauben die Statistiker, 11.000 über 80-Jährige leben, bei einer geschätzten Gesamteinwohnerzahl von 102.000. In Trier-Saarburg werden es dann über 18.000 sein, der Anteil der Hochbetagten wird bei 14 Prozent liegen.

Mit der zunehmenden Zahl der alten Menschen werde auch die Zahl der Demenzkranken steigen, sagt Matthias Maschke. Er ist Chefarzt für Neurologie und Geriatrie (Altersmedizin) im Trierer Brüderkrankenhaus. Zwar erkrankten aufgrund des medizinischen Fortschritts und einer insgesamt gesünderen Lebensweise weniger Menschen neu an Demenz. Aber aufgrund der gestiegenen Lebenserwartung und der zunehmenden Zahl an Älteren gebe es trotzdem mehr Demenzkranke.

Mehr zum Thema:
Demenzkrank - Wenn das Vergessen zur Gefahr wird 
Demenz:  Das Krankheitsbild - Fragen & Antworten

Knapp ein Viertel der über 85-Jährigen leidet an der Erkrankung des Gehirns, die zu einem Abbau von körperlichen Funktionen bis hin zum totalen Gedächtnisverlust und zur Orientierungslosigkeit führt. Im Verlauf einer Demenz sterben im Gehirn immer mehr Nervenzellen ab. In Deutschland leben 1,5 Millionen Betroffene, in Rheinland-Pfalz rund 80.000, bei denen die Krankheit diagnostiziert worden ist.

Nicht selten reagieren Demenzkranke aggressiv. Angst, Wut, Unruhe, Enttäuschung und Nervosität seien die häufigsten Gründe, sagt Maschke. Auch wenn demente Personen realisieren, dass sie Dinge nicht mehr selbst erledigen können, kann das zu aggressivem Verhalten führen. Oder wenn sie sich von Angehörigen unverstanden und unter Druck gesetzt fühlten, erklärt Uschi Wihr vom Demenzzentrum Trier. Bei den meisten Demenzkranken bleibe es bei verbalen Wutausbrüchen. Wenn die Betroffenen ihre Impulse aber nicht mehr steuern könnten, führe die Aggression oft zur körperlichen Gewalt, sagt Wihr.

Ein Küchenmesser kann dann zur gefährlichen Waffe werden. Oder die im Haus gelagerten Gewehre zu einer tödlichen Gefahr. Im Januar soll ein 82-jähriger, an Demenz Erkrankter im Trierer Stadtteil Pfalzel seine 81-jährige Ehefrau erstochen haben. Kürzlich wurde ein 90-jähriger Wittlicher angeklagt, weil er seine 81-jährige Frau gewürgt und danach auf sie geschossen haben soll. Bei ihm wurde eine psychische Störung aufgrund einer Demenzerkrankung festgestellt.

Laut Maschke ist es nicht selten, dass Demenzkranke legal Waffen besitzen, etwa weil sie Jäger sind. Eine Nachfrage bei den Waffenbehörden in der Region zeigt, dass es nicht so einfach ist, Demenzkranken die Erlaubnis zu entziehen, Waffen zu besitzen. Es werde nicht regelmäßig überprüft, ob Waffenbesitzer gesundheitlich in der Lage seien, Waffen zu besitzen, sagt etwa Manuel Follmann, Sprecher der Wittlicher Kreisverwaltung. Eine nachgewiesene Demenz sei zwar ein Grund zum Entzug. Aber die Behörden dürfen nur aktiv werden, wenn ein ärztliches Gutachten die Nichteignung bescheinigt. Der Weg bis dahin sei jedoch "langwierig und mühsam", sagt Thomas Müller von der Kreisverwaltung Trier-Saarburg.

Eine Krankheit und ihre Folgen

Demenz ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns, die das Gedächtnis, die Sprache, die Orientierung und das Denk- und Urteilsvermögen beeinträchtigt. Im Gehirn sterben mehr und mehr Nervenzellen ab.