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Wenn die frühe Rente verlockend ist

Wenn die frühe Rente verlockend ist

Die Landes-Arbeitsministerin fordert, mehr für ältere Beschäftigte zu tun. Die Rente mit 63, sagt Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer, habe schmerzhafte Folgen.

Und zwar für Betriebe und Beitragszahler. Sie trage zu einer "spürbaren Verschärfung" des Fachkräftemangels bei. Seit Einführung der abschlagsfreien Rente mit 63 im Juli 2014 haben bundesweit bis Februar dieses Jahres rund 723.000 Arbeitnehmer einen Antrag darauf gestellt. Wer 63 Jahre oder älter ist, kann, wenn er 45 Jahre Beiträge in die Rentenversicherung gezahlt hat, die volle Altersrente erhalten. Für alle, die 1953 und später geboren sind, wird die Altersgrenze von 63 Jahren schrittweise auf 65 Jahre angehoben. Die rheinland-pfälzische Arbeitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) weist die Kritik der Arbeitgeber zurück. Die Rente mit 63 sei nicht schuld am Fachkräftemangel.

"Zur Fachkräftesicherung ist es vielmehr dringend nötig, tatsächlich altersgerechte Arbeitsbedingungen zu schaffen, die es den Menschen ermöglichen, länger gesund in ihrem Beruf zu verbleiben", sagte die Ministerin unserer Zeitung. Und: "Menschen, die 45 Jahre lang gearbeitet haben, sind oftmals auch von ihrem Gesundheitszustand her nicht mehr in der Lage, noch länger in ihrem Beruf zu bleiben. Dies gilt insbesondere für stark belastete Arbeitnehmer, die vorwiegend körperlich arbeiten." Oft schieden Beschäftigte dieser Berufsgruppen ohnehin schon früher aus und müssten dann mit einem entsprechend geringeren Einkommen im Alter auskommen. "Ein Verzicht auf die Regelung zur Rente mit 63 würde diese Situation daher noch verschärfen und in vielen Fällen nicht zu einem tatsächlich höheren Renteneintritt und damit zu einer Stärkung des Fachkräftepotenzials führen, sondern lediglich zu einem nach wie vor früheren Übergang in den Ruhestand, dann aber mit Abzügen", so die Ministerin.

Nach einer Umfrage des Personaldienstleisters Randstad versucht aber nicht einmal jedes zweite Unternehmen, ältere Mitarbeiter im Arbeitsleben zu halten. Gleichzeitig machten in jedem zweiten Unternehmen die Mitarbeiter von der vollen Rente mit 63 Gebrauch. Daher verschärfe sich das Problem des Fachkräftemangels in Zukunft weiter. "Umso mehr, da 94 Prozent der Unternehmen aktuell Mitarbeiter beschäftigen, die mindestens 55 Jahre alt sind", heißt es in der Umfrage.

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, wurde im vergangenen Herbst die sogenannte Flexi-Rente beschlossen. Ältere Arbeitnehmer sollen dadurch den Übergang vom Arbeitsleben in den Ruhestand flexibler gestalten können. Laut der Umfrage glauben 57 Prozent der befragten Personalchefs in Unternehmen, dass sie dadurch mehr Mitarbeiter länger binden können. In einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, einer Einrichtung der Arbeitsagentur, heißt es, dass Betriebe Ältere häufiger dann halten wollen, "wenn sie eine vergleichsweise höher qualifizierte Belegschaft haben oder wenn sie in Branchen tätig sind, in denen es Anzeichen für Rekrutierungsschwierigkeiten gibt".

Das heißt also: Je besser ein Arbeitnehmer ausgebildet ist, desto größer scheint das Interesse von Unternehmen, den Beschäftigten auch im Alter zu halten. Dazu zählten auch Maßnahmen zum Erhalt der Gesundheit. Doch genau daran mangelt es nach Ansicht von James Marsh, Regionalgeschäftsführer des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Trier, in vielen Betrieben. Nur 16 Prozent der Beschäftigten über 55 Jahre profitierten von solchen Maßnahmen. Info

Gewerkschaften rufen zum Protest auf

Im Jahr der Bundestagswahl will der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) Rheinland-Pfalz bei seinen Kundgebungen zum 1. Mai den Staat zu mehr Engagement auffordern. "Wir brauchen dringend mehr Investitionen in unsere Straßen, den Internetausbau, in Schulen und in die innere Sicherheit", sagte der DGB-Landesvorsitzende Dietmar Muscheid. Das Motto des Tages der Arbeit lautet in diesem Jahr "Wir sind viele. Wir sind eins." Dabei soll für eine soziale, tolerante, demokratische und solidarische Gesellschaft in Deutschland und in Europa demonstriert werden.

Die zentrale Maiveranstaltung im Land mit Muscheid und der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) wird im Volkspark in Kaiserslautern sein. Demonstrationen sind in Koblenz und Bad Kreuznach geplant, weitere Veranstaltungen wird es unter anderem in Frankenthal, Ludwigshafen, Speyer, Landau, Idar-Oberstein, Worms, Alzey, Trier und Saarbrücken geben.