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Wenn die helfende Hand fehlt

Wenn die helfende Hand fehlt

In Rheinland-Pfalz fehlen jetzt bereits 2000 Pflegekräfte. Die Zahl wird sich weiter erhöhen. Weil es mehr Pflegebeürftige geben wird. Und weil Luxemburg für viele Pfleger noch immer lohnend ist und auch dort der Bedarf steigt.

Trier Eine Zahl verdeutlicht, wie dramatisch der Bedarf an Pflegekräften in Rheinland-Pfalz ist: 5369. So viele Pfleger in Krankenhäusern, Heimen oder bei ambulanten Diensten hätten 2015 fehlen sollen. Das ging aus Prognosen des vom Land in Auftrag gegebenen Branchenmonitorings hervor. Ganz so schlimm kam es dann nicht. "Nur" 2000 Pflegekräfte fehlen landesweit. Grund dafür, warum die Lücke kleiner ist, als befürchtet, sei eine Fachkräfte- und Qualifizierungsinitiative, sagte der rheinland-pfälzische Gesundheitsstaatssekretär David Langner kürzlich beim vom Land organisierten Regionalen Pflegedialog. Dadurch seien die Ausbildungszahlen vor allem in der Altenpflege um 31 Prozent gestiegen. Trotzdem fehlten nach Angaben von Langner allein in Trier und Trier-Saarburg knapp 200 Pflegekräfte. Neben einer verbesserten Ausbildung (siehe unten) müsse auch sichergestellt werden, dass die Pfleger ein gutes Aus- und Einkommen hätten, betonte Langner. Doch selbst eine bessere Entlohnung führt wohl nicht automatisch dazu, dass es mehr Pfleger geben wird. Denn, auch das geht aus dem Gutachten hervor, es fehlt an jungen Leuten zwischen 15 und 29 Jahren. Allein in der Region Trier geht ihr Anteil bis 2030 um 20 Prozent zurück. Gleichzeitig gehen in den nächsten Jahren viele Pflegekräfte in Rente. Daher werde es im gesamten Land zwischen den Jahren 2020 und 2025 zu einer Verschärfung der Arbeitsmarktlage für Altenpfleger kommen, heißt es in dem Bericht, der vom Institut für Wirtschaft, Arbeit und Kultur (Iwak) an der Frankfurter Goethe-Universität verfasst worden ist. Bereits 2015 haben demnach 912 Altenpfleger landesweit gefehlt. Bei den Krankenpflegern lag der Engpass bei 1142 fehlenden Fachkräften. Nach den Prognosen fehlen 2020 1364 Krankenpfleger im Land, 2030 sollen es bereits über 2000 sein. Laut Pflegereport der Krankenkasse Barmer kommen auf 100 zu Hause betreute Pflegebedürftige gerade einmal 6,5 ambulante Pflegekräfte. In Berlin ist die Zahl laut Barmer mehr als doppelt so hoch. Verschärft wird die Situation in der Region durch Luxemburg. Viele diesseits der Grenze ausgebildete Pflegekräfte pendeln wegen der besseren Bezahlung ins Großherzogtum. Auch dort steigt der Bedarf an Pflegefachkräften wegen einer alternden Bevölkerung. Und dieser Bedarf wird zu einem großen Teil über Grenzgängerinnen gedeckt, wie es in einer Iwak-Studie für die Großregion heißt. Vor allem in Pflegeheimen und im ambulanten Bereich seien die Beschäftigtenzahlen in Luxemburg gestiegen. In den Krankenhäusern sei die Hälfte der dort beschäftigten Pflegefachkräfte Grenzgänger, die meisten davon allerdings aus Frankreich, gefolgt von Belgien und Deutschland. Und all das vor dem Hintergrund einer älter werdenden Gesellschaft. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) ist die Zahl der Pflegebedürftigen in der Region seit 2005 um 25 Prozent gestiegen. In Rheinland-Pfalz sei die Zahl sogar um 35 Prozent gestiegen.
Oliver Lauxen von dem Frankfurter Iwak geht davon aus, dass sich die Zahl der Pflegebedürftigen in den nächsten 13 Jahren noch einmal um ein Viertel erhöhen wird. Barmer-Landeschefin Dunja Kleis geht davon aus, dass es im Jahr 2060 fast 200 000 Pflegebedürftige im Land geben wird, 61 Prozent mehr als derzeit. "Die Zahl der pflegebedürftigen Frauen in Rheinland-Pfalz steigt bis 2060 von 80 000 auf 127 000, die der Männer von 44 000 auf 72 000", sagt Kleis.
Das bestätigt auch der Landeschef der Techniker Krankenkasse (TK), Jörn Simon: "In Zukunft werden immer mehr Menschen auf professionelle Hilfe angewiesen sein." Wegen der fehlenden Pflegekräfte, aber auch weil es die meisten Pflegebedürftigen so wollten, sollten diese so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden gepflegt werden. Daher, so Simon, müsse vor allem die ambulante Pflege gestärkt werden. Die Barmer-Landeschefin Kleis bestätigt das, sagt aber auch, dass dabei weniger die professionelle Hilfe gefragt ist. "Bei den Rheinland-Pfälzern hat die häusliche Pflege durch Angehörige einen hohen Stellenwert."