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Wenn die Kälte den Diesel einfrieren lässt

Wenn die Kälte den Diesel einfrieren lässt

Winterdiesel soll bis zu minus 20 Grad keine Probleme machen. Obwohl in der Region diese Temperatur in den vergangenen Tagen kaum erreicht worden ist, machten einige Dieselautos schlapp. Experten glauben, dass nicht an allen Tankstellen winterfester Diesel verkauft worden ist.

Trier. Eigentlich sollte im Winter an Tankstellen nur Diesel verkauft werden, der für Temperaturen von bis zu minus 20 Grad geeignet ist. Doch die europaweit gültige Norm EN 590, die die Eigenschaft von Dieselkraftstoffen festlegt, sieht sechs verschiedene Klimazonen von plus fünf bis minus 20 Grad vor.
Ein unserer Zeitung vorliegendes Dokument des Energiekonzerns Total belegt, dass der von ihm in Belgien und Luxemburg verkaufte Diesel lediglich bis minus 15 Grad kältebeständig sein muss und damit die Anforderungen für die Klimazone der Klasse E laut Euronorm 590 erfüllt.
Doch alle Mineralölgesellschaften in Deutschland und in Luxemburg lieferten Diesel, der bis minus 20 Grad kältebeständig sei, sagt ein Betreiber von mehreren Tankstellen in Luxemburg. Carlo Becker, Manager bei Aral Luxemburg, versichert, dass der Mineralölkonzern seit Mitte November diesen Winterdiesel verkauft. Auch auf dem Info-Blatt von Total wird angegeben, dass der angelieferte Diesel bis einschließlich 29. Februar sogar bis zu minus 24 Grad geeignet sei.
Warum bleiben dann aber bei den derzeitigen nächtlichen Temperaturen um minus 15 Grad vermehrt Dieselautos liegen? "Vielleicht wurden die vor November noch mit Sommerdiesel betankt", sagt Frank Schmit vom Luxemburger Automobilclub ACL. Was realistischerweise aber eher unwahrscheinlich sei, schränkt er gleich darauf ein. Über 1000 Mal hätten die ACL-Pannenhelfer vergangene Woche Fahrern liegengebliebener Dieselautos helfen müssen, sagt er. Das sei ungewöhnlich viel. Betroffen gewesen seien übrigens alle Marken.
Schmit spricht von einem Qualitätsproblem beim Diesel. Er vermutet, dass zumindest bis Ende vergangener Woche nicht alle Tankstellen in Luxemburg Winterdiesel, der bis minus 20 Grad beständig ist, verkauft haben. "Mir sind ebenfalls Probleme zu Ohren gekommen", bestätigt René Wilken, Geschäftsführer des Luxemburger Mineralölverbandes GPL. Wie in Deutschland entspreche der in Luxemburg verkaufte Diesel der Euro-Norm 590, sagt Wilken. Die Vermutung des ACL wird auch in einigen Werkstätten in Trier geteilt. Viele der liegengebliebenen und abgeschleppten Fahrzeuge seien in Luxemburg mit Diesel befüllt worden, sagt Frank Buschmann vom gleichnamigen Trierer Autohaus.
"Wenn ein Auto mit Winterdiesel betankt und ordnungsgemäß gewartet worden ist und wenn vor allem der Dieselfilter nicht zu alt ist, dann darf es eigentlich nicht stehen bleiben", sagt ADAC-Technikexperte Hubert Paulus. Daher vermutet auch er, dass - auch in Deutschland - nicht an allen Tankstellen Winterdiesel angeboten werde. "Die Winterfestigkeit von Diesel scheint sehr unterschiedlich zu sein", sagt Paulus. Er fordert, dass an den Zapfsäulen angegeben wird, bis wie viel Grad der Diesel geeignet ist. Autofahrer sollten sich im Zweifel beim Tankstellenpersonal erkundigen, für welche Temperaturen der verkaufte Kraftstoff zugelassen sei. Gleichwohl könne auch der Winterdiesel bei anhaltenden Minusgraden an seine Grenzen kommen. Daher rät er, während der derzeit herrschenden Extremkälte sicherheitshalber den teureren Diesel zu tanken. Laut Aral-Manager Becker ist der von dem Konzern angebotene Ultimate Diesel bis zu minus 30 Grad geeignet. "Wir raten nach Möglichkeit, das Fahrzeug nachts an einer windgeschützten Stelle oder in der Garage abzustellen, damit das Kraftstoffsystem nicht zu weit abkühlt", rät Becker.