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"Wenn die Touristen wegbleiben, wird es schlimm" - Griechenland ist auf Urlauber angewiesen

"Wenn die Touristen wegbleiben, wird es schlimm" - Griechenland ist auf Urlauber angewiesen

Viele Griechenland-Urlauber sind vermutlich skeptisch angesichts der Wirtschaftskrise in dem Land. Die Krise wirke sich nicht auf die Touristen aus, sagt Birgid Mavrakis. Die Bernkastel-Kueserin betreibt auf Rhodos ein Hotel.

Krise? Welche Krise? Bei ihr im Hotel und auf Rhodos sei nichts von der angeblichen Griechenland-Krise zu spüren, sagt Birgid Mavrakis. Die 65-Jährige aus Bernkastel-Kues lebt seit 1974 auf der griechischen Insel Rhodos und hat mittlerweile auch den griechischen Pass. Sie betreibt dort das Hotel Cava d' Oro. "Athen ist weit weg", sagt sie und meint damit, dass das, was die deutschen Fernsehzuschauer fast täglich über Griechenland zu sehen bekommen, nicht das Griechenland ist, das sie jeden Tag erlebt. Demonstrationen oder aufgebrachte Rentner, die kein Geld bekommen, gebe es auf Rhodos nicht. "Hier geht das ganz normale Leben weiter." Und daher sei es auch kein Problem, dort Urlaub zu machen.

Immer noch gut gebucht

Laut einer Umfrage können sich zwei Drittel der Deutschen derzeit vorstellen, aus Solidarität mit den Griechen in deren Heimatland Urlaub zu machen. Allerdings befürchtet jeder Zweite, momentan kein gern gesehener Gast dort zu sein. "Die Gastfreundlichkeit der Griechen ist immer noch sehr groß", sagt Mavrakis. Griechenland sei auf die Touristen angewiesen. "Wenn die wegbleiben, dann wäre es wirklich schlimm."

Griechenland sei noch immer gut gebucht, sagt Ralf Neumann, Besitzer eines Reisebüros in Bitburg. Keiner seiner Kunden habe bislang schlechte Erfahrungen mit einer Reise nach Griechenland gemacht. "Die griechischen Hoteliers freuen sich über jeden Gast, der kommt", sagt Jörg Scharff, Chef von einem Reisebüro in Speicher (Eifelkreis Bitburg-Prüm).

Natürlich habe Mavrakis auch bei ihren Gästen, alles Griechenland-Fans, wie sie sagt, auch Skepsis gemerkt. Einige hätten sich, als die Geldautomaten nur beschränkt Geld ausspuckten, weil die Banken geschlossen waren, von zu Hause mit ausreichend Bargeld eingedeckt. Dabei habe es für Touristen gar keine Einschränkungen bei der Bargeldabhebung gegeben. Sie selbst spürt aber die Beschränkungen. Sie müsse jetzt schauen, dass sie immer genügend Bargeld zu Hause habe. Denn für die Griechen gilt weiterhin, dass sie nur 60 Euro pro Tag von ihrem Konto abheben dürfen. Aber darauf könne sie sich einrichten.

Wo Touristen vermutlich Auswirkungen der Krise spüren werden, sei die in Kraft getretene Mehrwertsteuererhöhung von 13 auf 23 Prozent. "Ich war heute Morgen einkaufen und musste für einige Sachen schon mehr bezahlen", sagt die Hotelchefin. Vermutlich würden die Preise in den Restaurants auch langsam anziehen. Auch sie müsse die Preise für ihr Hotel anheben. Wie sich das auswirken wird, wisse sie noch nicht. Bislang jedenfalls habe sie noch keine Verträge mit Reiseveranstaltern für kommendes Jahr abgeschlossen. Die warten vermutlich erstmal ab.

Extra Stornierungen
Pauschalreisende zahlen im Fall eines Rücktritts nur einen Teil des Reisepreises. Laut Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz gilt: Je näher der Reisetermin, desto teurer die Stornierung. Eine Alternative zum Rücktritt ist die Umbuchung. Hierbei wird der Reisezeitpunkt einfach verschoben. Bei höherer Gewalt (Naturkatastrophen, Epidemien oder die Gefahr von Anschlägen) besteht laut Verbraucherzentrale das Recht, kostenfrei zu stornieren. Maßgebend seien die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes. red

Extra Lage in Tunesien
Deutschland hat sich nicht den umstrittenen Reisewarnungen des britischen und dänischen Außenministeriums für Tunesien angeschlossen. "Zurzeit gibt es keine Reisewarnung, aber sehr ernstzunehmende Reise- und Sicherheitshinweise, die insbesondere den Hinweis enthalten, sich aktuell informiert zu halten", heißt es beim Auswärtigen Amt. Die Terrorgefahr in Tunesien sei Thema bei den Kunden, sagt Ralf Neumann, Besitzer eines Bitburger Reisebüros. Ob man dort Urlaub mache, müsse jeder für sich entscheiden. "Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nirgends." wie/dpa

Extra Auto statt Flugzeug
Viele deutsche Urlauber erreichen ihr Domizil in diesem Sommer häufig mit dem Auto. Nach einer repräsentativen Forsa-Umfrage benutzen zwei von drei Reisenden (67 Prozent) das Auto, um an ihr Urlaubsziel zu gelangen. Lediglich ein Drittel der Befragten (37 Prozent) reisen mit dem Flugzeug, fast jeder Fünfte (18 Prozent) mit dem Zug. Den Reisebus benutzen neun Prozent, das Fahrrad nur sechs Prozent. Bei der Umfrage im Auftrag der Versicherung Cosmos Direkt waren Mehrfachnennungen möglich. Befragt wurden 2002 Bundesbürger im Juli 2015. dpa