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Wenn die Vergangenheit alte Rocker einholt: Ex-Mitglieder der Trierer Hells Angels müssen sich vor Gericht in Trier verantworten

Wenn die Vergangenheit alte Rocker einholt: Ex-Mitglieder der Trierer Hells Angels müssen sich vor Gericht in Trier verantworten

Ergraut und geläutert erscheinen in Trier ehemalige Rocker vor Gericht. Dieses muss herausfinden, ob ein 50-jähriger Niederländer vor mehr als 15 Jahren mehrere Zentner Drogen nach Trier verkaufte. Der Mann bestreitet das.

Das Motorrad ist wohl noch immer Teil ihres Lebens, doch die Haare sind rar oder grau geworden. Einer hat sie abrasiert, der andere zum ordentlichen Zopf gebunden. Zwei der drei Männer wirken nüchtern, regelrecht geläutert. Drogen, ja selbst Alkohol oder Tabak haben sie aus ihrem Leben verbannt. Sie haben Familie. Der Dritte hatte mit 32 einen Hirnschlag. Er verfüge nur noch über 50 Prozent seiner Gehirnkapazität, sagt der ehemalige Drogenkurier und kann sich tatsächlich an vieles, was die Trierer Hells Angels damals taten, nicht mehr erinnern.

Selbst den anderen fällt dies schwer. Liegt das Geschehen, das diese drei Männer - einen Angeklagten und zwei Zeugen - miteinander verbindet, doch in ferner Vergangenheit. "Manchmal holt die Zeit einen ein", sagt der Vorsitzende Richter Armin Hardt. Seine Aufgabe wird es in den kommenden Wochen sein, her-auszufinden, was 2000 und 2001 tatsächlich geschah. Ist es so, wie die Staatsanwaltschaft sagt? Hat der Angeklagte - ein unauffälliger 50-jähriger Niederländer mit Kurzhaarschnitt, der Jeans und ein schwarzes Hemd trägt - den Trierer Hells Angels 16-mal Drogen verkauft? Laut Anklageschrift geht es um beträchtliche Mengen: mehr als 200 Kilogramm Haschisch, 21 Kilogramm Amphetamin und zehn Kilo Marihuana. Ein weiteres Geschäft über 500 Kilogramm soll geplatzt sein.

Es ist Hardt deutlich anzumerken, wie gerne er diesen Prozess abkürzen würde. Für jemanden, der in großem Stil gedealt hat, müsste sein richterliches Angebot verlockend klingen: Für ein weitgehendes Geständnis bietet Hardt dem Niederländer eine Freiheitsstrafe zwischen viereinhalb und fünfeinhalb Jahren an - sowie die Garantie, dass der Angeklagte sechs Monate, nachdem die Staatsanwaltschaft die Urteilsbegründung erhalten hat, in sein Heimatland versetzt wird. "Sie wissen genau, dass es Wurscht ist, was Sie hier kriegen, wenn Sie nach sechs Monaten in die Niederlande kommen", betont Hardt. Ziel solcher Absprachen sei es natürlich nicht, ein falsches Geständnis abzulegen. Auch sei das Geständnis nicht mehr so viel wert, wenn bereits alle Zeugen ausgesagt haben.

Ein Geständnis bekommt Hardt trotz alledem nicht zu hören. Die Verteidigerin weist zum einen darauf hin, dass die Niederlande bei Drogendelikten strenger geworden seien. Zum anderen darauf, dass alles, was Staatsanwalt Volker Blindert in der Anklage vorgebracht habe, falsch sei.

Nach einer kurzen Beratung streitet ihr Mandant denn auch komplett ab, den Hells Angels Drogen verkauft zu haben. Er habe lediglich den Kontakt zwischen den Rockern und einem ihm bekannten Drogendealer hergestellt.
Dass der Mann aus Kerkrade, der inzwischen professionell Gärten pflegt, überhaupt mit dem Trierer Charter in Berührung kam, lag an seinem (längst verurteilten) Geschäftspartner, einem Mitglied der Düsseldorfer Hells Angels, der mit einer Triererin zusammen war. Die beiden Männer betrieben zusammen ein Geschäft, in dem sie Indianerschmuck, Militaria, aber auch Haschisch und Marihuana verkauften. Und dort kreuzten die Hells Angels öfter mal auf.

Da es kein Geständnis gibt, beginnt Hardt gleich mit der Befragung des ersten Zeugen, eines ergrauten, vor Jahren verurteilten Ex-Mitglieds des Trierer Charters. Und schon dessen Aussage lässt vermuten, dass die Suche nach der Wahrheit lang und schwierig wird. Denn der geläutert wirkende 51-jährige Saarländer wiederholt, was er 2006 bereits sagte: Der Angeklagte habe ihm mehrfach kiloweise Amphetamin verkauft. Was die großen Mengen Haschisch und Marihuana angeht, so könnte es der Aussage des Ex-Rockers zufolge tatsächlich so sein, dass der Niederländer lediglich den Kontakt zum Dealer herstellte. Der nächste Zeuge - ein 42-jähriger Luxemburger, der vor zehn Jahren einen Hirnschlag erlitt - ist dem Gericht keine große Hilfe. Er hat den Angeklagten noch nie gesehen, erinnert sich nur vage an seine Drogenkurierfahrten für die Hells Angels.

Am 23. und 24. August werden noch mehr Zeugen aus dem Umkreis der berüchtigten Rockergruppe gehört. Und so wird die Vergangenheit auch sie bald einholen.