"Wenn ich nicht aufgebe, machen sie mich fertig"

Mainz/Trier · Beim rheinland-pfälzischen Sozialverband VdK wird mit harten Bandagen gefochten: Eine Gruppe von Funktionären will den Landesvorsitzenden Andreas Peifer loswerden, der dem Verein größten Schaden zugefügt habe. Der VdK-Chef spricht hingegen von Erpressung, der er sich nicht beugen werde.

Mainz/Trier. Wer sich beim VdK engagiert, hat ein gutes Image: Die modernen Robin Hoods setzen sich besonders für jene ein, die bedroht sind, ins soziale Abseits abzurutschen: Menschen mit Behinderungen, Pflegebedürftige, Arbeitslose oder Hartz IV-Empfänger. Da ist es nicht verwunderlich, dass der einst als "Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands" gegründete Verein auch 62 Jahre nach seiner Gründung noch Zulauf hat. Sogar starken Zulauf.
Allein in Rheinland-Pfalz stieg die Zahl der VdK-Mitglieder in den vergangenen zwölf Jahren um gut 60 000 auf knapp 170 000. Bundesweit hat der VdK 1,6 Millionen Mitglieder, ist damit nach eigenen Angaben der größte und erfolgreichste Sozialverband in Deutschland. Beim rheinland-pfälzischen Landesverband kommt derzeit noch ein weiteres Attribut hinzu: der verkrachteste Verband.
Seit Monaten gibt es heftige Querelen unter den Verbandsfunktionären. Im Zentrum der Kritik steht der seit zwölf Jahren amtierende Landesvorsitzende Andreas Peifer. Der 56-Jährige soll für eine ganze Reihe von Projekten verantwortlich oder mitverantwortlich sein, die wirtschaftlich in die Hose gingen. Allein der nach wenigen Monaten eingestellte Fahrdienst VdK mobil soll dem Sozialverband über zwei Millionen Euro Miese beschert haben. Auch der verbandseigene Reiseservice soll innerhalb von vier Jahren knapp 400 000 Euro rote Zahlen geschrieben haben.
"Peifer hätte angesichts dieser Bilanz im vergangenen Jahr nicht zur Wiederwahl antreten dürfen, sondern seinen Hut nehmen müssen", sagt ein VdK-Funktionär aus der Region Trier, der anonym bleiben möchte. Der Vorsitzende trat damals allerdings wieder an und wurde für vier Jahre erneut gewählt. "Das wollten meine Gegner nicht akzeptieren", sagt Peifer, "sie haben mich erpresst: Entweder ich gebe freiwillig auf oder sie machen mich über die Presse fertig." Genau das geschehe im Moment, meint der 56-Jährige.
Einer, der offen zu seiner Kritik am Verbandsvorsitzenden steht, ist Karl-Heinz Künster. Der in Morbach wohnende Bernkastel-Zeller VdK-Kreisvorsitzende hat das Anfang der vergangenen Woche verschickte Rundschreiben mitunterzeichnet, in dem zwölf Verbandsfunktionäre den Ausschluss Peifers fordern. Über den Rauswurf muss innerhalb von drei Monaten jetzt der Beschwerde- und Schlichtungsausschuss befinden. Künsters Kritik richtet sich nach eigenen Angaben "nicht gegen die Person, sondern das System Peifer". Es könne doch nicht sein, dass dem Verband und damit seinen Mitgliedern Millionen Euro verloren gingen, "und man macht so weiter, als sei nichts passiert".
Ähnliche Kritik ist auch aus dem VdK-Kreisverband Wittlich-Daun zu hören, auch wenn hier niemand öffentlich zu den Vorwürfen stehen will. "Andreas Peifer wollte sich zu viele Denkmäler setzen, die alle im Minus gelandet sind", kritisiert ein Funktionär. Dafür müsse der VdK-Vorsitzende jetzt seinen Hut nehmen.
In den Nachbarkreisverbänden Bitburg-Prüm und Trier-Saarburg halten sich die Vorsitzenden zurück. "Unbestritten, dass einiges schiefgelaufen ist", meint der Bitburg-Prümer VdK-Chef Siegfried Laub. Aber die Kritiker schadeten dem Verband mehr als sie nutzten.
Der gerade erst aus einer mehrwöchigen Reha zurückgekehrte Trier-Saarburger Vorsitzende Werner Faber sagt, er wolle vor einer Stellungnahme erst mit seinen Vorstandskollegen über die jüngste Entwicklung beraten: "Ich bin allerdings dafür, dass es eine Sondersitzung aller Kreisvorsitzenden gibt."
Schon heute Abend wird sich der VdK-Landesvorstand mit den Vorwürfen gegen seinen Vorsitzenden befassen. Mit personellen Konsequenzen sei allerdings nicht zu rechnen, sagte ein Sprecher im Vorfeld der Sitzung.
Andreas Peifer sagt, er warte zunächst die Beratung des Beschwerdeausschusses ab: "Sollte der meinen Ausschluss beschließen, wovon ich nicht ausgehe, trete ich als Vorsitzender des Sozialverbands VdK Rheinland-Pfalz zurück."
Extra

 Andreas Peifer.Foto: privat

Andreas Peifer.Foto: privat

Der Sozialverband VdK hat in Rheinland-Pfalz knapp 170 000 Mitglieder, die in 900 Orts- und 28 Kreisverbänden organisiert sind. Zweitgrößter Kreisverband im Land ist Trier-Saarburg mit rund 11 000 Mitgliedern in 50 Ortsverbänden. Ebenfalls 50 Ortsverbände (7500 Mitglieder) hat der Kreisverband Wittlich-Daun. Zum VdK-Kreisverband Bitburg-Prüm gehören 30 Ortsverbände mit 4300 Mitgliedern, zum Kreisverband Bernkastel-Zell 35 Ortsverbände mit 4930 Mitgliedern. sey

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