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"Wenn keine Gitter da wären, würde man rausfallen"

"Wenn keine Gitter da wären, würde man rausfallen"

TRIER. Wegen Überbuchung wird keiner weggeschickt. Wenn das Trierer Gefängnis seine Kapazitäten überschreitet, wird es eng - enger als es ohnehin schon ist.

"Ich bin hier, weil ich böse bin", sagt er und lacht. Werner Berens ( Name von der Redaktion geändert ) sitzt im Knast, hat lange Haare, voll tätowierte Arme und jede Menge Erfahrung. 50 Jahre ist er alt. 50 Jahre, von denen er 19 hinter Gintern verbracht hat. Er weiß, wie Gefängnisse aussehen, hat bereits in Hamburg und Werle "gewohnt", jetzt "lebt" er in Trier. "Wegen BTM", sagt er, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz. Seit zwei Jahren sitzt er in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Trier, kommendes Frühjahr soll er entlassen werden. Knapp neun Quadratmeter ist seine Zelle groß, außer ihm gibt es dort ein Bett, einen Tisch, einen Stuhl, einen Schrank, ein Waschbecken und eine Toilette. Wie es ist, sich das Klo bei gleicher Zimmergröße mit einem weiteren Mitbewohner zu teilen, weiß er - die chronische Überbelegung deutscher Haftanstalten hat auch er schon zu spüren bekommen. "Zu zweit in einer Zelle - äußerst anstrengend", sagt Berens. "Wenn keine Gitter da wären, würde man rausfallen", so eng sei es dann. "Außerdem schnarchen die meisten", fügt er hinzu, von permanenten Reibereien ganz zu schweigen. Wenn in Trier Ein-Mann-Zellen doppelt belegt werden müssen, lässt sich an der Einrichtung des Raumes nicht mehr viel ändern. Ein zweiter Spint kommt rein, und oben auf dem Eisenbett wird ein weiteres befestigt. Ein zusätzlicher Stuhl erübrigt sich. "Hier drin ist es dann so eng, dass sowieso immer nur einer am Tisch sitzen kann", sagt Hermann Hansjosten, stellvertretender Vollzugsdienstleiter. "Den Insassen wird schon einiges zugemutet."Kein Vergleich zu Hamburg

Dann schließt er die blaue Eisentür einer Vier-Mann-Zelle auf. Wer die Wahl und entsprechende Knastkollegen hat, entscheidet sich eher für die Vierer- als Zweiervariante. Das Klo ist abgetrennt, der Raum ist heller und größer. Nicht wirklich groß, aber groß genug, dass es erträglich sein könnte. Hansjosten zeigt auf den kleinen Fernseher, der über der Tür hängt. Seit ein paar Jahren hat die JVA Satellitenanschluss, empfängt Programme in mehreren Sprachen. Für das multikulturelle Publikum. "Der läuft 24 Stunden am Tag", sagt Häftling Berens, zumindest in der Vierer-Zelle. "Irgend einer guckt immer." Zu viert in einem Zimmer hat auch er schon gelegen, besser als zu zweit in der Einzelzelle sei es allemal, doch er ist am liebsten für sich allein. So wie jetzt. "Jeder hat seine eigenen Probleme. Der eine ist sauber, der andere nicht", sagt Berens. Meistens seien es persönliche Sorgen, erklärt er, "weniger die Anstalt selbst". Die sei in Ordnung. "Wirklich. Kein Vergleich zu Hamburg", sagt er. Das "einzige" Problem sei die gemeinsame Unterbringung mit Untersuchungshäftlingen. Zwar sind diese in einem anderen Bereich untergebracht, doch die strengen Sicherheitsregeln für U-Häftlinge gelten letztendlich für alle. Zu groß ist die Gefahr, dass für Strafprozesse relevante Informationen nach außen oder nach innen gelangen könnten. "Wenn es hier nur Strafgefangene gäbe, könnte man sich hier freier bewegen", meint Berens, dann wäre es auch möglich, bei Besuchen von Familie und Freunden - eine Stunde pro Monat sind erlaubt - über Dinge zu sprechen, die sonst keinen etwas angehen. "Aber ansonsten ist es richtig schön hier", sagt er und lacht.