Wer in Rheinland-Pfalz eine Strafanzeige aufgeben will, kann dies bei bestimmten Delikten demnächst auch online erledigen.

Trier : Polizei öffnet Wache im Internet

Ab diesem Jahr sollen auch die Rheinland-Pfälzer ein gestohlenes Fahrrad oder einen Betrugsversuch online anzeigen können. Das klingt gut, hat aber auch seine Tücken.

Bürger sollen ab diesem Jahr auch in Rheinland-Pfalz eine Strafanzeige übers Internet stellen können. Das sagte ein Sprecher des Mainzer Innenministeriums auf Anfrage unserer Zeitung. Wann genau die sogenannte Online-Wache ihren Dienst antritt und wo sie angedockt sein soll, steht allerdings noch nicht fest.

In den meisten anderen Bundesländern sind die virtuellen Polizeidienststellen schon in Betrieb. Vorreiter war Brandenburg. Dort können Straftaten schon seit 14 Jahren über eine Internetseite der Polizei online gemeldet werden. Dazu gehören etwa Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Beleidigungen, Diebstähle oder Betrügereien beim Einkaufen im Internet. Auch in Hessen können Bürger etwa den Diebstahl ihres Handys, Fahrrads oder Autos übers Internet melden. In Nordrhein-Westfalen gibt es das Modell Strafanzeige online sogar schon seit 14 Jahren.

Wo es eine virtuelle Wache gibt, gehen die Nutzerzahlen kontinuierlich nach oben. So gingen etwa in Niedersachsen zuletzt knapp 40 000 Online-Anzeigen ein, rund fünf Mal so viele wie acht Jahre zuvor. In Berlin stieg die Zahl der übers Internet gestellten Strafanzeigen von 62 300 im Jahr 2012 auf fast 100 000 im vorletzten Jahr. Zum Vergleich: Jährlich werden in Berlin rund 800 000 Strafanzeigen jährlich   auf die herkömmliche Art gestellt, indem die Opfer selbst zur Polizei gehen.

Mit als letzte Bundesländer ziehen in diesem Jahr nun Rheinland-Pfalz und das Saarland nach, bei denen eine gemeinsame Arbeitsgruppe das Projekt vorbereitet. Auf rheinland-pfälzischer Seite hatten sich in der Vergangenheit vor allem die Grünen für die Online-Wache stark gemacht. „Für die Bürger werden Hemmschwellen abgebaut, für die Polizisten fallen bürokratische Schranken weg“, meint Innenexpertin Pia Schellhammer.

Bei den Polizeigewerkschaften hält sich die Euphorie allerdings in Grenzen. GdP-Landesvorsitzender Ernst Scharbach  spricht von einem „zweischneidigen Schwert“: Einerseits müsse auch die Polizei mit der Zeit gehen und zumindest „versuchen, modern zu sein“. Andererseits müssten Nachermittlungen und Vernehmungen trotzdem gemacht werden, so der Gewerkschaftsfunktionär. Unterm Strich werde durch die Online-Wachen jedenfalls mehr Personal benötigt. Scharbach rechnet mit zehn neuen Stellen, die dann geschaffen werden müssten.

Wolfgang Faber von der Polizeigewerkschaft DPolG rechnet nicht mit großen Veränderungen. Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern zeigten, dass online überwiegend Anzeigen eingingen, die sonst in den Polizeidienststellen erstattet worden wären. „Ich sehe das gelassen“, sagt Faber.

Christian Soulier, Landesvorsitzender des Bundes deutscher Kriminalbeamter, sagt, dass es mit einer im Internet eingegebenen Anzeige allein nicht getan sei. Der persönliche Kontakt der Polizei mit den Betroffenen und Nachermittlungen  seien weiter notwendig, sagt der Chef der Trierer Mordkommission. Und: Es habe schon Vorteile, wenn man jemandem in die Augen schauen könne.

Das Polizeirevier wandert ins Netz