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Wie die Kraft von Sonne und Wind ins Netz kommt

Wie die Kraft von Sonne und Wind ins Netz kommt

Deutschland diskutiert die Energiewende. Dabei geht es nicht nur um den Ausbau der großen Nord-Süd-Trassen, sondern auch um Lösungen auf dem flachen Land. Bei der Präsentation seiner Jahresbilanz stellte der Energieversorger RWE auch sein Engagement in der Region vor. 40 Millionen Euro hat der Konzern hier 2011 investiert.

Trier. "Wir machen in der Region Trier das Stromnetz fit für die Energiewende." Mit diesen Worten eröffnete Heinz-Willi Mölders, Vorstandsmitglied von RWE Deutschland, die Vorstellung der Jahreszahlen in Trier.

Mit dem vom Bund beschlossenen Ausstieg aus der Atomenergie kommen auf die Netzbetreiber große Herausforderungen zu.
Die Transportnetze, die große Strommengen von Norddeutschland mit den vielen Windanlagen nach Süddeutschland mit den vielen Industriebetrieben transportieren, müssen in den kommenden Jahren massiv ausgebaut werden. 32 Milliarden Euro veranschlagen die Betreiber wie Amprion, Tennet, 50Hertz oder EnBW für diesen Ausbau.
7500 dezentrale Stromerzeuger


Doch genauso wichtig ist der Ausbau der regionalen Verteilnetze. "Die Investitionen, die hier notwendig sind, sind wahrscheinlich ebenso hoch", sagt Klaus Voußem, Leiter des RWE-Regionalzentrums Trier. Die etwa 350 Mitarbeiter (davon 73 Azubis) im Regionalzentrum Trier sind für die Instandhaltung sowie den Aus- und Umbau von insgesamt etwa 10 000 Kilometern Stromnetz zuständig (3500 Kilometer Mittel- und 6500 Kilometer Niederspannung). 3400 Netzstationen sorgen für die richtige Spannung bei 135 000 Hausanschlüssen in der Region. "Für den stabilen Netzbetrieb ist es notwendig, ein Gleichgewicht von Stromerzeugung und -verbrauch herzustellen", erklärt der Trierer RWE-Chef. Schwierig wird dies, weil die Zahl der regenerativen Stromerzeuger steigt. Das Stromnetz in der Region war aber ursprünglich nur dafür ausgelegt, Strom zu den Verbrauchern zu schicken. Inzwischen speisen die 7500 Besitzer von Photovoltaikanlagen, Windrädern oder Biogasanlagen mit 970 Megawatt doppelt so viel Strom in die regionalen Netze ein, wie früher verteilt wurde. Das entspricht der Kapazität eines großen Kohlekraftwerks.
Investition in die Region


"Trotz des ständigen Aus- und Umbaus halten wir unsere gewohnt hohe Versorgungssicherheit aufrecht und bauen sie weiter aus", sagt Voußem. "In Deutschland waren die Verbraucher im vergangenen Jahr im Schnitt rund 16 Minuten vom Netz, in Frankreich waren die Menschen 66 Minuten ohne Strom", erklärte RWE-Vorstand Heinz-Willi Mölders.
40 Millionen Euro hat der Konzern in seine Netze in der Region investiert. Darunter fallen Großprojekte wie in Morbach die Anbindung an ein Umspannwerk für 2,5 Millionen Euro, die EEG-Netzverstärkung in Nattenheim bei Bitburg (1,1 Millionen Euro), aber auch die Kabelverlegung im Bierbachtal in Habscheid-Pronsfeld (Eifelkreis/640 000 Euro). In dem Tal hat sich ein Biber angesiedelt und die alten Holzstrommasten mit seinem Teich unter Wasser gesetzt. Die Kabel wurden verlegt, der Biber hat seinen Teich verteidigt.
RWE wirbt für Beteiligungen


Tierschutz betreibt der Konzern auch bei der Sicherung der Strommasten. Für zwei Millionen Euro werden die Leitungen so isoliert, dass keine Großvögel wie Störche, Uhus oder Bussarde einen Stromschlag bekommen können.
Ein wichtiger Partner für den Stromkonzern sind beim Umbau der Energieversorgung die Kommunen vor Ort. Lothar Oelert, Leiter der RWE-Hauptregion Rheinland-Pfalz, erklärte, dass RWE den Städten, Gemeinden und Kreisen verschiedene Modelle anbiete. Wenn Kommunen eigene Windkraftanlagen bauen und betreiben wollten, biete man im Rahmen von gemeinsamen Gesellschaften das eigene Know-how im Betreiben solcher Anlagen an.
Ein Beispiel für eine solche Partnerschaft ist die geplante Nahwärmeversorgung in Hermeskeil auf der Basis von nachwachsenden Rohstoffen. "Wir bieten unsere Kompetenz an und bringen uns gerne als Juniorpartner ein", sagte Oelert.
Demnächst gründen die Stadt Wittlich und RWE eine gemeinsame GmbH, die dafür sorgt, dass auf öffentlichen Dächern in Wittlich Solarflächen mit einer Leistung von 160 Kilowattpeak installiert werden. An solchen Projekten könnten sich über Anteile oder Anleihen in der Regel auch die Bürger beteiligen. Als Partner seien Sparkassen und Volks- und Raiffeisenbanken oft mit im Boot, sagte Oelert.
Auch beim Thema DSL-Erschließung spielt der Stromkonzern mit den Kommunen Doppelpass. "Es geht uns darum, Synergieeffekte zu nutzen, wenn wir Stromkabel verlegen", sagt Voußem. Er hob hervor, dass bei anfallenden Verkabelungsarbeiten die Mitverlegung von Leerrohren für die Aufnahme von Glasfaserkabeln berücksichtigt wird: "Wir legen grundsätzlich Leerrohre zur Aufnahme von Glasfasern mit und führen eine Glasfaser-Netzplanung über unser gesamtes Netzgebiet durch. Ende 2011 hatten wir in unserem Gebiet einen Leerrohrbestand von 250 Kilometern." Nittel, Pellingen, Franzenheim, Hockweiler, Osburg, Morbach und Deuselbach nannte Voußem hier.
"Der Ausbau der regenerativen Energien wird weitergehen. Die Landesregierung plant, die Windenergie allein in unserer Region zu verfünffachen", sagt Klaus Voußem. Darauf müssen die regionalen Netze vorbereitet werden. Ein Mosaikteil ist dabei das Pilotprojekt Smart Country in Bleialf. Für das intelligente Stromnetz wurde RWE vom Land Hessen jüngst ausgezeichnet.Extra

Auch in der Region gibt es findige Forscher, die das Thema Energieprojekte für sich entdeckt haben und mit ihren Ideen Maßstäbe setzen wollen: So hat die Trierer Firma Bke-Concepts einen sogenannten Energiespeicher auf Batteriebasis in Modultechnik entwickelt. Ziel ist es, Überkapazitäten aus Photovoltaik und Windkraft bei viel Sonneneinstrahlung und Wind zu speichern - und dann wieder, ähnlich einem Pumpspeicherwerk, wieder abzugeben. "Unser Vorteil ist, dass wir das dort, wo die Energie erzeugt wird, tun können", erklärt Geschäftsführer Achim Berweiler. Dabei soll das Modul in verschiedenen Varianten sowohl für den Privathaushalt und seine Sonnenkollektoren als auch für große Windanlagen gebaut werden. Derzeit ist die Bke-Concepts mit mehreren Energieversorgern im Gespräch, Ende des Jahres soll die erste Kleinserie auf den Markt kommen. Auch Uwe Seher ist als Planer und Projektierer von Windparks ein Pionier der regenerativen Energietechnologie. Die Geschäftsidee seines Unternehmens Neven Windenergie: Er sieht seinen Schwerpunkt in der Region Trier, bringt vor Ort alle Akteure wie Stadtwerke, Kommunen oder Energiegenossenschaften zusammen und setzt einen Windpark später so um, dass die Planer ihren Windpark auch später betreiben können. "Mir geht es um den regionalen Bezug und dass die Wertschöpfung aus solchen Anlagen nicht irgenwo in Deutschland verschwindet, sondern auch in der Region bleibt", sagt er. Erste Objekte seiner Arbeit gibt es bereits, etwa die Windanlage an der Autobahn 1 bei Reinsfeld (Kreis Trier-Saarburg). Weitere Projekte gibt es bei Bauler/Dauwelshausen (Eifelkreis Bitburg-Prüm), Gusterath und Beuren (beide Kreis Trier-Saarburg). sas