Wie ein Trierer Priester Che Guevara stoppte

Wie ein Trierer Priester Che Guevara stoppte

Ausgerechnet der emeritierte Trierer Weihbischof Leo Schwarz (78) soll mit schuld sein am Scheitern des legendären südamerikanischen Revolutionärs Che Guevara in Bolivien. Das zumindest behauptet der Trierer Bistumspriester Lothar Brucker (72) und beruft sich dabei unter anderem auf zwei jüngst in dem Andenstaat erschienene Bücher.

Sucre/Bolivien. Ist ein Trierer Priester dafür verantwortlich, dass Ernesto "Che" Guevaras Umsturzpläne für Bolivien vor mehr als 40 Jahren im Keim erstickt wurden? "Ja", sagt der aus dem Kreis Ahrweiler stammende Lothar Brucker, ein intimer Kenner Boliviens, im Gespräch mit unserer Zeitung. Leo Schwarz war in den 60er Jahren einer der ersten drei Priester, die für mehrere Jahre in das damals noch neue Partnerland des Bistums Trier gingen. Das Einsatzgebiet des damals Mitte-30-Jährigen: der im Hochland gelegene Ort Muyupampa im Bistum Sucre.

Rebellen scheitern: Bauern machen nicht mit

Rund 40 Jahre nach Che Guevaras Umsturzversuch in Bolivien: Leo Schwarz als Weihbischof in Trier. TV-Foto: Roland Morgen.



In der Nähe des Dorfes hatte damals auch Che Guevara mit knapp 50 Getreuen sein Basislager aufgeschlagen. Von dort aus wollten die Guerilleros nach der erfolgreichen kubanischen Revolution auch im bettelarmen Bolivien den Umsturz organisieren. Doch der Plan scheiterte schon im Ansatz: Che fand unter den Bauern keine Mitstreiter.

"Guevara hatte einfach falsche Vorstellungen", sagt Lothar Brucker, der selbst 16 Jahre als Trierer Bistumspriester in Bolivien tätig war. Che habe der Landbevölkerung erklärt, sie würde von der katholischen Kirche verdummt. "Dabei hat doch jeder in Muyupampa gesehen, dass der Priester Leo Schwarz dort ein Krankenhaus, eine Schule und Wasserleitungen bauen ließ", sagt Brucker.

Irgendwann merkte dies auch der acht Jahre zuvor in Kuba noch erfolgreiche Revolutionär. "Diese Art von Krieg ohne die Unterstützung der Bevölkerung verwirklichen zu wollen, ist der Auftakt zu einer unvermeidlichen Katastrophe", notierte Guevara. Die Guerilleros wurden vom bolivianischen Militär gnadenlos gejagt. Es gab Opfer auf beiden Seiten.

Nach Angaben Lothar Bruckers hatte Leo Schwarz damals Angst, dass die Anhänger Guevaras auch Muyupampa angreifen würden. "Deshalb beschloss er, mit den Guerilleros zu reden", sagt Brucker.

Gemeinsam mit einem Repräsentanten des Dorfs und einem Arzt sei Schwarz deshalb zu Che Guevara gefahren. Das Ergebnis des Gesprächs: Ches Leute bekamen Lebensmittel und Medikamente, Leo Schwarz und seine Begleiter im Gegenzug die Zusicherung, dass das Dorf nicht angegriffen wird.

Bruckers Aussagen werden durch zwei erst im vergangenen Jahr in Bolivien erschienene Bücher gestützt. In "Amor y Guerra" (Liebe und Krieg) berichtet der ehemalige bolivianische Major Nestor Ruiz Paz über den Kampf der Militärs gegen die Rebellen. Auf mehreren Fotos nachgedruckter Zeitungsartikel ist auch Leo Schwarz zu sehen; unter anderem im Gespräch mit einem verhafteten Guerillero. "Der Einzige, der den Dialog mit Che Guevara gesucht hat, war Leo Schwarz", heißt es in einem der 1967 erschienenen Artikel.

Für den späteren Trierer Weihbischof hatte das Treffen mit dem Revolutionär ein Nachspiel. Nach Angaben des Buchautors Paz wurde Schwarz nach dem Gespräch von Militärs festgenommen, nach kurzer Zeit aber wieder freigelassen. Das ganze Dorf hatte sich für den Priester eingesetzt.

Die Guerilleros flüchteten Ende April 1967 aus der Gegend um Muyupampa. Am 8. Oktober wurden die Männer und ihr Anführer Che Guevara etwa 200 Kilometer entfernt nahe La Higuera festgenommen. Einen Tag später erschoss ein bolivianischer Feldwebel den legendären Revolutionär.

Leo Schwarz kehrte 1970 in sein Heimatbistum Trier zurück - als Pfarrer von Pellingen. Nach seiner Emeritierung als Trierer Weihbischof vor drei Jahren ging er abermals nach Bolivien. Leo Schwarz, der wohl eher unfreiwillig ein Stück bolivianischer Geschichte mitschrieb, ist seitdem im Süden des Landes wieder als einfacher Priester im Einsatz.