Aus dem Archiv: Wie ein Trierer Projektentwickler alte Airports umwandelt – Unternehmen nutzen nach wie vor die Infrastruktur

Aus dem Archiv : Wie ein Trierer Projektentwickler alte Airports umwandelt – Unternehmen nutzen nach wie vor die Infrastruktur

Der Trierer Projektentwickler Triwo zählt zu den Interessenten am Hahn. Politiker fürchten, dass die Arbeitsplätze an dem Flughafen dann Geschichte sind. Doch die Schlussfolgerung muss nicht unbedingt zutreffen.

Harald Rosenbaum verschickte den Brief vor wenigen Tagen mit der Post. Die Adresse, an die das Schreiben des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Kirchberg ging: Staatskanzlei, Peter-Altmeier-Allee 1, Mainz. Rosenbaum richtete sich an Malu Dreyer, die Ministerpräsidentin. Der Appell des Bürgermeisters: Die Landesregierung möge alles dafür tun, im Verkaufsprozess um den Flughafen Hahn den Flugbetrieb dauerhaft sicherzustellen.

Sorge um Arbeitsplätze

Wolfgang Wagner befürchtet das Szenario, dass der Flughafen an einen Bieter geht, der diesen für ein Gewerbegebiet nutzen will. Der Kreistagsvorsitzende der CDU sagt: "Wir haben in der Region viele Menschen, die direkt am Flughafen und am Passagiergeschäft hängen - Verkäufer, Hotelbesitzer, Autovermieter."

Nutze ein neuer Bieter den Hahn nicht fliegerisch, rechnet Wagner mit einem "massiven Verlust an Arbeitsplätzen". Er spricht von "1000 + x" - und meint: "Es würde Jahre dauern, die Jobs über andere Geschäftsfelder wieder zu gewinnen."

Das Interesse des Trierer Projektentwicklers Triwo zeigt aber, dass Hahn-Bieter nicht nur das Fluggeschäft im Blick haben müssen. Zumindest deutet das ein Volksfreund-Interview mit dem Triwo-Vorsitzenden Peter Adrian aus dem September 2013 an , der den Hahn auch in einer Entwicklungsgesellschaft beraten hat. "Jeder, der am Hahn etwas erwirbt, kauft sich doch in künftige Verluste ein", sagte Adrian da.

Und: Die Triwo kauft zwar Fluggelände, nutzt sie aber meistens für Gewerbe. Wie in Zweibrücken, wo die Projektentwickler den pleitegegangenen Airport für vier Millionen Euro übernahmen . Die Folge: Maschinen landen nur noch noch selten dort. Autobauer nutzen das Gelände inzwischen als KFZ-Teststrecke. Befürworter hoffen, dass durch einen Gewerbepark mittelfristig deutlich mehr Jobs entstehen als einst auf dem Flughafen.

Frachtunternehmen und Wartungsbetriebe können die alte Infrastruktur aber nach wie vor nutzen. Der Flugbetrieb ist auch auf dem alten Militärairport in Mendig nicht völlig eingeschlafen, der ebenfalls Triwo gehört und wo jährlich 90.000 Menschen bei Rock am Ring singen und tanzen. Ein Unternehmen baut und testet dort Ultraleichtflugzeuge. Planen die Trierer am Hahn einen ähnlichen Weg, dürften dort angesiedelte Unternehmen wie die Wartungsfirma Haitec mit 350 Arbeitsplätzen durchaus Hoffnung schöpfen.

Derzeit wird in Mainz aber spekuliert, dass Triwo beim Hahn erst dann zum Zuge kommen könnte, wenn der schlimmste Fall eintritt - und ein zahlungskräftiger Investor fehlt.

Sollte dem Hahn das Geld während des Verkaufsprozesses ausgehen, könnte das Land noch mit 34 Millionen Euro aushelfen - sofern es eine positive Fortführungsprognose für den Flughafen gibt. Ein Antrag liege von der Flughafengesellschaft noch nicht vor, teilt das Innenministerium mit. Vom Hahn heißt es, die Geschäftsführung werde zeitnah mit dem Aufsichtsrat über die Sicherstellung der Liquidität beraten.

Mehr von Volksfreund