Wie ist der deutsche Wald zu retten? Die Ergebnisse des Waldgipfels

Umwelt : So soll der Wald fitgemacht werden

Seit Wochen bemüht Julia Klöckner (CDU) dramatische Worte, wenn es um den Zustand des Waldes geht. Auch zum Auftakt des großen Waldgipfels am Mittwoch in Berlin mahnte die Bundesforstministerin: „Wenn wir den Klimaschutz ernst nehmen, müssen wir den Wald ernst nehmen.

Und deswegen müssen wir jetzt auch handeln.“

Den rund 300 Vertretern von über 130 Institutionen legte die Ministerin Eckpunkte zur Verbesserung der Situation vor, die nach einer breiten Debatte mit Fachleuten im Vorfeld des „Krisengipfels“ erarbeitet worden waren. Die Vorschläge sollen ergänzt werden um die Ergebnisse der Workshops, die das Treffen prägten. „Finalisiert“, heißt es in einem internen Schreiben, werde daher alles erst „nach dem Gipfel“.

Die Lage ist extrem. Das steht fest. „Die starken Stürme in den Jahren 2017 und 2018, die extreme Dürre und Hitzewellen in den Jahren 2018 und 2019 sowie die darauffolgende massenhafte Vermehrung von Borkenkäfern haben den Wäldern in Deutschland schwere, unübersehbare Schäden zugefügt“, ist in dem Gipfel-Papier zu lesen. Auf rund 180 000 Hektar seien die Wälder neu aufzubauen, umgerechnet sind das 250 000 Fußballfelder. Bisher war man „nur“ von 110 000 Hektar ausgegangen. „Millionen Bäume zeigen sehr hohe Schadenssymptome. Insbesondere Fichte und Buche wurden schwer geschädigt.“ Auch habe es in einigen Regionen eine außergewöhnlich große Zahl von Waldbränden gegeben. Insgesamt geht Klöckner von 105 Millionen Festmetern Schadholz aus, die beseitigt werden müssen.

Das ist die Situation, in der sich der Wald und die Waldwirtschaft befinden. Der Gipfel machte deutlich, mit welchen Maßnahmen der Wald wieder fitgemacht werden soll. Ein Überblick:

Hilfen: Bis zu 800 Millionen Euro sollen in den nächsten vier Jahren zusätzlich für den Wald lockergemacht werden. 547 Millionen Euro kommen aus dem Klimafonds des Bundes, den Rest müssen die Bundesländer drauflegen. Die Ministerin erklärte, Geld stehe schon aus anderen Töpfen zur Verfügung und fließe bereits. Allerdings beziffert die Branche die Schäden auf 3,5 Milliarden Euro. „Der Bund wird nicht die Schäden ersetzen können“, entgegnete die Ministerin. Die Hilfen sind unter anderem zur klimagerechten Wiederbewaldung gedacht.

Aufforstung: Laut Klöckner muss mindestens so viel Wald wieder aufgeforstet werden, wie in den vergangenen Jahren durch Waldbrände, Stürme, Dürren und den Befall von Borkenkäfern verloren gegangen ist. Vor allem klimaristente Baumarten für leistungsfähige Mischwälder sollen verwendet werden. Die Ministerin will dabei auf die Erkenntnisse der Wissenschaft setzen. Zugleich soll die Erfassung von Waldschäden verbessert werden.

Schadholzbeseitigung: „Es geht nicht darum, dass wir den Wald leerfegen“, meinte Klöckner. Aber geschädigte Bäume trügen zu einer weiteren rasanten Ausbreitung der Borkenkäfer in Fichtenbeständen bei, steht im Eckpunktepapier. Sie sollen nun zügig aus den Wäldern geholt und verarbeitet werden. Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat den Ländern deshalb bereits die Hilfe der Bundeswehr angeboten. Und nebenbei: Das zulässige Gesamtgewicht für LKW, die Holz transportieren, will Klöckner zeitlich befristet von 40 auf 44 Tonnen erhöhen.

Wilddichte: Geplant ist auch, das Bundesjagdgesetz zu „konkretisieren“, damit zu viel Wild die Wiederbewaldung und den Klima-Umbau nicht gefährdet. Im Papier heißt es dazu, es gehe um einen „möglichst angepassten“ Bestand, damit Jungpflanzen der Hauptbaumarten geschützt werden.

Infrastruktur: Wegenetze, Holzlagerplätze und Löschteiche sollen entweder instandgesetzt oder neu geschaffen werden. Auch das will Klöckner stärker fördern. Im Blick hat sie dabei auch munitionsbelastete Gebiete, in denen geräumte Schneisen angelegt werden sollen. Gerade auf Truppenübungsplätzen war es im Sommer vielfach zu Bränden gekommen.