Wie man Enzyme verhaftet

Am Umweltcampus Birkenfeld der Fachhochschule Trier laufen die Vorbereitungen für das neue Forscher-Kolleg "Magnetische Enzyme", kurz "Magnenz" auf Hochtouren. Was auf den ersten Blick nach einem eher esoterischen Thema aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ausgesprochen handfest.

Trier/Birkenfeld. An einem sonnigen Sommertag wirkt der Umweltcampus in dem früheren US-Army-Lazarett an der Autobahnabfahrt Hoppstätten-Weiersbach wie ein riesiger Landschulheim-Komplex. Kaum zu glauben, dass hier 2350 Studenten in 20 Studiengängen an Umwelt-Lösungen für die Zukunft arbeiten.
Ein unterschätztes Labor


Wäre da nicht das Warnschild mit dem Hinweis auf die gentechnische Sicherheitsstufe, dann würde man womöglich auch das Labor von Professor Percy Kampeis unterschätzen. Der Spezialist für Verfahrenstechnik gebietet über Gerätschaften, die unspektakulär aussehen und erst bei näherer Erklärung ihre Faszination entfalten. Kampeis wirkt fast jugendlich für jemanden, der schon seit zehn Jahren als Professor amtiert. Und er besitzt die Gabe, hochkomplizierte Vorgänge verständlich zu erläutern.
Zum Beispiel den Begriff "Verfahrenstechnik". Der beschreibt den Prozess, wie aus Rohmaterial ein Produkt wird. Erdöl zu Kunststoff etwa. Das kann durch einen mechanischen Vorgang passieren, durch Chemie, aber auch - und das ist Kampeis\' Gebiet - durch biologische Katalysatoren.
Das kommt öfter vor, als man denkt. Wenn das Waschpulver Flecken löst, der Wein gärt, der Diabetiker-Teststreifen sich verfärbt, der Käse Löcher kriegt, Bioenergie entsteht, das Trinkwasser aufbereitet wird oder die Kopfschmerztablette ihre Wirkung entfaltet: Dann sind stets Enzyme im Spiel. Sie sorgen für die biochemische Reaktion - und so für das gewünschte Produkt.
Aber Enzyme wachsen nicht auf Bäumen. Sie müssen hergestellt oder gewonnen werden. Für teures, manchmal sehr teures Geld. Am Ende des Prozesses fließen die Enzyme, obwohl noch brauchbar, als Abfall in den Gully. Sie sind zu winzig und zu vermischt, um sie herauszufischen.
Und da setzt "Magnenz" an. Die Idee ist denkbar simpel: Wenn es gelänge, die Enzyme zu magnetisieren, könnte man sie am Ende des Prozesses einfach per Magnet herausfiltern. Gereinigt und wieder aufbereitet, wären sie erneut einsatzfähig - was erstens nachhaltig ist und zweitens viel Geld spart. Wenn es funktioniert.
Dafür müssen Nanopartikel magnetisiert und an die Enzym-Moleküle "geklebt" werden. Oder so ähnlich. Irgendwo verlieren Nicht-Biologen den Überblick. Aber darauf kommt es nicht an, so lange Professor Kampeis und seine Mitarbeiter ihn behalten.
Das wird künftig einfacher werden, wenn Magnenz als bundesweites Förderprojekt mehrere Promotionsstellen erhält. Bis zu 20 künftige Doktoren der Biologie werden in den nächsten sechs Jahren bei Kampeis und seinen Kooperationspartnern von der Uni Kaiserslautern nach der optimalen Magnet-Lösung forschen.
Daraus könnte ein millionenschweres Patent entstehen. Aber auch ohne, sagt der Professor, seien Erkenntnisse zu erwarten, die große Vorteile bei der Bio-Verfahrenstechnik bringen, "vom mittelständischen Winzer bis zur industriellen Großproduktion".
Einstweilen muss Kampeis noch um die ausreichende räumliche und technische Ausstattung kämpfen, denn die ist in der Förderung des Doktoranden-Kollegs nicht geregelt. Und dann braucht er natürlich geeignete Bewerber. Möglichst mit Fachhochschulstudium. Denn dass die FH über "Magnenz" Doktoren ausbilden darf, ist eine Chance, die er sich nicht entgehen lassen will.
Kontakt und Informationen:
p.kampeis@umwelt-campus.de

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