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Wie Rheinland-Pfalz gegen den Lehrermangel kämpft

Düstere Prognosen : Lehrermangel droht: Wie sich das Land dagegen stemmen will

Vor allem in Grund- und Förderschulen fehlen Pädagogen. Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) will mehr feste Stellen schaffen und schließt eine bessere Bezahlung der Lehrer nicht aus.

Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) hob am Dienstag in Mainz die gute Unterrichtsversorgung von 98,6 Prozent in allen landesweiten Schulen und 99,3 Prozent in den Grundschulen hervor. Sie sagte aber auch, dass Nordrhein-Westfalen, Hessen oder Baden-Württemberg gute Lehrer abwerben, die nicht unmittelbar eine feste Planstelle in Rheinland-Pfalz bekommen. 33 Grundschullehrer hat das Land deshalb in den vergangenen fünf Jahren mehr verloren als gewonnen. Ziel sei es, sagte Hubig, den Anteil fester Stellen auszubauen. Sie kündigte an, dass bis Februar 2018 der Vertretungslehrerpool um 100 Planstellen erweitert werden soll, die ausschließlich Grundschulen zur Verfügung stehen. Bis zum August 2019 soll dieser Pool um bis zu 350 feste Stellen wachsen und um die gleiche Zahl befristeter Stellen schrumpfen. Hubig spricht sich auch dafür aus, den Umstieg von Lehrern anderer Schularten auf die Grundschule zu vereinfachen.

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Zurückhaltend gibt sie sich in der Frage, die Besoldung der schlechter bezahlten Grundschullehrer auf Realschul-Level anzuheben. Das Land würde das 40 Millionen Euro zusätzlich pro Jahr kosten. Ein klares Nein zur Aufstockung gibt sie auf TV-Nachfrage aber nicht ab. „Wir müssen schauen, ob die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.“ GEW-Landeschef Hammer warnt davor, dass andere Länder den Sold erhöhen. Bis zu 300 Euro monatlich mehr mache eine Erhöhung aus.

Die Lehrergewerkschaften im Land warnen auch, dass an Grundschulen der Anteil an nicht ausgebildeten Kräften steigt. Die GEW behauptet, dass Schulen im Raum Trier auf Studenten zurückgreifen müssten und von Vertretungslehrern in der Region 60 Prozent nicht für die Grundschule ausgebildet seien. Gerhard Bold vom Verband Bildung und Erziehung (VBE) kritisiert, dass das Land über diesen Weg die Versorgungsstatistik schöne. Ohnehin brauche es noch mindestens 400 Lehrer mehr, um Ausfälle durch Krankheiten aufzufangen, fordert er. Hubig verweist auf 143 sogenannte „Feuerwehrlehrkräfte“ für Grundschulen im Land.

Noch größer sind die Probleme in Förderschulen. Nach Landesangaben hat bis zu jeder zehnte Lehrer nicht die nötige Ausbildung, der Unterrichtsausfall liegt mit 4,9 Prozent am höchsten, und nicht alle Lehrerstellen waren zum Schuljahresbeginn besetzt. Die GEW rechnet dort mit mehr als 150 fehlenden Lehrern bis August 2018. Hubig sagt, das Land habe 28 Lehrkräften bereits Angebote gemacht, sie ab Februar einzustellen.

Regionalelternsprecher Reiner Schladweiler aus Temmels klagt, er warne schon seit Jahren vergeblich vor der Entwicklung.