Wie sich der Nationalpark Hunsrück-Hochwald seit 2015 entwickelt hat

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Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald hat sein Freizeitangebot in den vergangenen fünf Jahren ausgebaut – kämpft allerdings mit touristischen „Qualitätsdefiziten“ und damit, dass in Deutschland kaum jemand den Hunsrück kennt.

Umgeben von tiefen Wäldern ragen zerklüftete Felsrippen weiß in den nebligen Winterhimmel. In den Mooren wächst Wollgras und der fleischfressende Sonnentau. Und wenn der Mond am Himmel steht, jagt die scheue Wildkatze hier fernab des Menschen ihre Beute. Knapp fünf Jahre ist es her, dass der politisch umstrittene Nationalpark Hunsrück-Hochwald im März 2015 gegründet wurde.

Auf einer Fläche größer als 14 000 Fußballfelder soll die Natur wieder ganz Natur sein dürfen. „Entwicklungsnationalpark“ nennt sich das. Aktuell sind 40 Prozent des Parks komplett sich selbst überlassen. Innerhalb von 30 Jahren sollen es 75 Prozent sein. Da, wo jetzt noch Fichtenmonokulturen stehen, wachsen dann Moorpflanzen oder artenreiche Mischwälder. Bis aus bewirtschaftetem Wald Wildnis wird, heißt es allerdings: warten.

Etwas schneller geht es da in anderen Aufgabenbereichen des Nationalparks voran. Wie aus den Antworten auf eine Kleine Anfrage der Grünen im rheinland-pfälzischen Landtag hervorgeht, entwickeln sich Tourismus und Umweltbildung positiv. Zwischen 2015 und 2018 haben rund 24 000 Besucher mehr als 2000 geführte Touren durch den Nationalpark unternommen. Die einen streifen in kostenfreien Spaziergängen mit Rangern durch den Wald und erfahren mehr über Hangmoore, das keltische Leben rund um den Hunnenring von Otzenhausen oder über Rosselhalden aus verwitterten Quarzitblöcken. Dienstags bis freitags startet täglich eine dieser Führungen. Andere buchen individuelle Touren, die zertifizierte Nationalparkführer für Reisegruppen anbieten. Das erklärt auch die höchst unterschiedliche Teilnehmerzahl: Nationalparkführer sind im Schnitt mit 30 Gästen unterwegs, Ranger mit nur fünf. Für Schulklassen oder Kitas gibt es ebenso Angebote wie für Rollstuhlfahrer. Blinde finden Infos in Brailleschrift und Gehörlose können an Touren in Gebärdensprache teilnehmen.

Auch auf eigene Faust lässt sich der Park inzwischen leicht entdecken: Zehn Radrouten von sechs bis 34 Kilometern Länge wurden ausgeschildert. 2020 werden diese dann noch an eine Nationalpark-Radrundroute angebunden. Auf Wanderer warten neben dem Saar-Hunsrück-Steig sechs verschiedene Traumschleifen. Reiter können sich auf Mehrtagesritten durch die Wälder führen lassen, auch Geocaches sind im Park versteckt und bei der Muhler Kapelle gibt es nun selbst einen spirituellen Wanderpfad .

„Damit besteht ein solides Kernangebot auf qualitativ hohem Niveau“, erklärt der Staatssekretär im Umweltministerium, Thomas Griese (Grüne). Dieses müsse jetzt mit allen Beteiligten schrittweise ausgebaut werden. Daneben müsse auch die Infrastruktur für Besucher weiterentwickelt werden.

In die wurde zuletzt am Nationalpark-Tor Hunsrückhaus investiert. Seit Ende 2018 kann man dort eine neue, multimediale Ausstellung besuchen, die Gäste dazu animieren will, die Natur des Parks zu erkunden. Inszenierungen und interaktive Exponate informieren über Landschaften und Lebensräume. Geöffnet ist die Schau täglich von 9 bis 17 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Nach langen Verhandlungen steht inzwischen auch fest, dass das Land Rheinland-Pfalz das Hunsrückhaus vom bisherigen Eigentümer, dem Zweckverband Erbeskopf, übernimmt. 2020 soll für 200 000 Euro rund um das Haus eine Freiluft-Ausstellung entstehen mit Rundweg, Bänken, Feuerstelle und Schautafeln zu verschiedenen Themen. Der verwahrloste Zustand der Außenanlage mit verwitterten Hinweisschildern und gesperrtem Spielplatz hatte zuvor für Kritik gesorgt. Auch bei Gastgebern, die sich vom Nationalpark mehr versprochen hatten.

Eine weitere Ausstellung am Keltenpark in Otzenhausen ist aktuell in Planung. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt stellt dafür 250 000 Euro zur Verfügung. Die Nationalparkverwaltung sieht darin „richtungsweisende Erfolge für den Nationalpark und die Region“.

Eine der größten Herausforderungen sei es nun, touristische „Qualitätsdefizite zu bearbeiten“, betont Griese – von der Anreise über die Angebote und den Service vor Ort bis zur Abreise. Sowohl in Bezug auf die Infrastruktur der Nationalpark-Tore als auch auf die Gastgeber der Region. Zudem gelte es, die Wahrnehmung des Nationalparks auszubauen, dessen „Neuwert“ in den kommenden Jahren nachlassen werde. Das erfordere immer neue Produktinnovationen. Umfragen hätten gezeigt, dass weniger als zwei Prozent der deutschen Bevölkerung den Hunsrück überhaupt kennen, schreibt der Staatssekretär in seiner Antwort auf die Anfrage der Grünen, die in dem Park daher ein großes Potenzial für die Region sehen und eine bessere Erreichbarkeit mit dem öffentlichen Nahverkehr fordern.