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Wie sich Krankenhäuser in der Region auf das Coronavirus einstellen

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesundheit : Wie Krankenhäuser in der Region auf das Coronavirus reagieren

Mancherorts dürfen Patienten nur in Notfällen unters Messer. Das Land will doppelt so viele Intensivbetten schaffen. Die Stadt Trier reagiert.

Um sich für einen möglichen Ansturm von Corona-Erkrankten zu wappnen, rüsten die Krankenhäuser in Rheinland-Pfalz massiv Betten auf Intensivstationen nach und verschieben sogar Operationen. Anne Britten, Sprecherin des Trierer Brüderkrankenhauses, sagt, das Haus verlege derzeit OPs, die aufschiebbar seien. Das Krankenhaus operiere nur noch Patienten, die akute Erkrankungen haben, wie beispielsweise Knochenbrüche, Hirnbluten oder Krebsleiden, sagt Britten unserer Zeitung.

Um Patienten betreuen zu können, die durch das Coronavirus neu in Kliniken kommen könnten, soll sich die Zahl der Intensivbetten im Land von 1400 auf 2800 verdoppeln, sagte Gesundheitsministerin Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD) in Mainz. Statt 1000 Betten, an denen Beatmungsgeräte hängen, sollen es künftig 1500 sein.

Besonders aufstocken dürften die Betten die Kliniken, die als neue Schwerpunktversorgung für Coronavirus-Fälle angedacht sind, so wie das Trierer Mutterhaus Nord (ehemaliges St. Elisabeth Krankenhaus), wo Patienten stationär betreut werden sollen. Die Klinik arbeitet dabei mit dem Brüderkrankenhaus und dem Trierer Gesundheitsamt zusammen. „Im Augenblick sind wir dabei die Intensivbetten am Standort Nord aufzurüsten. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen“, sagt Sprecherin Helga Bohnet, die eine genaue Zahl an neuen Betten noch nicht nennen könne.

Anne Britten vom Brüderkrankenhaus sagt: „Durch dieses Konzept mit dem Klinikum Mutterhaus sind wir in der Lage, die Patientenströme möglichst lange zu trennen und so unsere Mitarbeitenden und Patienten möglichst lange vor einer Infektion zu schützen und unseren Versorgungsauftrag aufrechtzuerhalten.“ Alle Häuser sollen landesweit neue Intensivbetten schaffen. Heribert Frieling, Sprecher des Klinikträgers Marienhaus GmbH sagte unserer Zeitung, die Zahl der Betten mit Beatmungsgeräten lasse sich in Bitburg, Gerolstein und Hermeskeil verdoppeln. Derzeit seien aber ohnehin nur vier von insgesamt 19 solcher Plätze in den Häusern belegt. Daher sagten die Kliniken bislang keine Operationen ab. „Warum sollten wir das machen, wenn wir die OPs momentan problemlos schaffen?“, fragt er. „Außerdem könnten wir Patienten gar nicht sagen, wann wir sie operieren können, weil wir irgendwann vielleicht einen Berg von fälligen Eingriffen abarbeiten müssen.“

Gesundheitsministerin Bätzing-Lichtenthäler sagt, in jedem Einzelfall entschieden Ärzte, ob eine Verschiebung medizinisch vertretbar sei. Zu Eingriffen, die häufiger verschoben werden könnten, zählte sie als Beispiel ein künstliches Kniegelenk. Wer einen entzündeten Blinddarm habe oder krebskrank sei, werde auch operiert. Den Bund nimmt Bätzing-Lichtenthäler in die Pflicht, den Kliniken zu helfen, „damit sie durch die Absage von OPs nicht ins Defizit geraten“. Der rheinland-pfälzische CDU-Fraktionschef Christian Baldauf fordert vom Land, einen Notfallfonds für Gesundheit zu schaffen und zunächst mit 50 Millionen Euro zu füllen.

Um mehr Personal auf Intensivstationen zu schaffen, sollen bis zu 2000 Pflegekräfte in Weiterbildungsinstituten nachgeschult werden – wie in Wittlich. Helfen könnten auch Pflegeschüler aus den bereits geschlossenen Pflegeschulen. In Rheinland-Pfalz waren am Dienstag um 11 Uhr insgesamt 435 Coronavirusfälle gemeldet, 138 mehr als tags zuvor. Bei vier Prozent der Erkrankten werde mit einem schweren Verlauf gerechnet, sagte Bätzing-Lichtenthäler.

Bislang gibt es in der Region wohl noch keinen der mit dem Coronavirus-Infizierten, der als offiziell geheilt gilt. Wie eine Nachfrage bei den zuständigen Kreisverwaltungen ergab, befinden sich derzeit alle, die positiv getestet worden sind, noch in häuslicher Quarantäne. In der Vulkaneifel sind das zehn Erkrankte. Hinzukommen noch 65 Kontaktpersonen oder Verdachtsfälle, die sich ebenfalls in Quarantäne befinden. Dass offiziell noch keine Geheilten gibt, liegt auch daran, dass die Quarantäne 14 Tage dauert.

Der erste Fall in der Region wurde am 7. März aus dem Eifelkreis Bitburg-Prüm gemeldet. Im Kreis Bernkastel-Wittlich gab es am 9. März zum ersten Mal einen Corona-Infizierten. „Da die häusliche Isolierung in der Regel für 14 Tage verfügt wir, befinden sich aktuell noch alle sieben positiv auf Covid-19 Getesteten in Quarantäne.

Dies bedeutet allerdings nicht, dass alle Betroffenen noch Krankheitssymptome aufweisen“, sagte ein Sprecher der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich.

Bis gestern Mittag gab es aber keinen Corona-Patienten in der Region, der in einem Krankenhaus behandelt werden musste.