Wie wäre es denn mit dem Luxemburger Modell?

Wie wäre es denn mit dem Luxemburger Modell?

Kaum steht fest, wie teuer die Sanierung des Trierer Theaters werden könnte, da ist schon die Grundsatzdebatte über seine Zukunft wieder in vollem Gange. Teil davon ist die Forderung, das Trie-rer Haus in ein Bespieltheater zu verwandeln - ohne eigenes Ensemble. Luxemburg arbeitet seit Jahren erfolgreich mit diesem Modell. Trotz aller Vorteile rät der luxemburgische Intendant Tom Leick-Burns vehement davon ab, es auf Trier zu übertragen.

Keine 50 Kilometer trennen Trier von der luxemburgischen Hauptstadt. Dennoch liegen Welten zwischen den städtischen Theatern. Nicht einmal, weil Luxemburg bereitwilliger Geld für Kultur ausgibt. Seine Häuser arbeiten einfach völlig anders als jenes in Trier. Das Grand Théâtre (950 Plätze plus 280 Plätze im Studio) und das Kapuzinertheater (270 Plätze) werden gemeinsam verwaltet. Eigene Ensembles haben sie nicht. Daher beschäftigen sie insgesamt auch nur 75 Mitarbeiter, etwa 40 von ihnen arbeiten in der Technik. Rund vier eigene Produktionen bieten die Häuser pro Spielzeit. Zu sehen sind sie maximal drei Mal.

Dennoch ist der Spielplan gut gefüllt: Zahlreiche Gastproduktionen machen es möglich.

"Natürlich ist das so günstiger, weil man all die festen Gehälter nicht zahlen muss", sagt Intendant Tom Leick-Burns, der für beide Häuser mit 17 Millionen Euro Budget jährlich hinkommt. Sieben Millionen bleiben für die Kunst. Zum Vergleich: Triers Budget liegt bei rund 15 Millionen Euro. Das Drei-Sparten-Haus (620 Plätze) beschäftigt rund 250 Menschen und stemmt die meisten Produktionen selbst.

Leick-Burns verweist auf die unterschiedlichen Traditionen. In Luxemburg seien die Theater aus Amateurbetrieben gewachsen, sie hätten sich erst in jüngerer Vergangenheit professionalisiert, während Deutschland auf eine lange Theatertradition zurückblicke. Die Frage nach eigenen Ensembles habe sich nie gestellt. Das Land ist klein. "Und in welcher Sprache wäre das denn?", fragt der Intendant. Für Luxemburg seien feste Ensembles weder praktisch noch logisch. Er genießt die Abwechslung und Flexibilität, die sein System ihm bietet. Aber wäre das auch was für Trier?
Leick-Burns warnt davor, die festen Ensembles abzuschaffen.

Denn er weiß genau, was in Luxemburg fehlt: die Gelegenheit, das Handwerk zu lernen. Für die Ausbildung der Künstler seien feste Engagements unersetzlich. Das System in Deutschland habe Weltklasseschauspieler hervorgebracht. "Man muss auch schauen, was das für einen Beruf bedeutet", appelliert der Intendant. Es gehe um ein Kulturerbe. Zudem identifizierten sich deutsche Theaterbesucher mit ihren Ensembles.

Im Hinblick auf die Finanzen rät er Trier, noch mehr auf Kooperationen wie im Falle von "Der Steppenwolf" zu setzen, den Trier und Luxemburg gemeinsam auf die Bühnen bringen. "Geteiltes Budget ist halbes Budget", sagt der Intendant, der genau wie Karl Sibelius erst seit einem Jahr dabei ist und seinem Kollegen in der schwierigen Zeit alles Gute wünscht. MosExtra

Kulturminister Konrad Wolf hat am Mittwoch im Mainzer Landtag die hohe Bedeutung der kommunalen Theater hervorgehoben. "Sie nehmen im Kulturleben eine herausragende Rolle ein und sind auch für das Umland von großer Bedeutung." Die Kritik des Bundes der Steuerzahler, der eine Schließung des Theaters in Trier forderte, wies Wolf zurück. "Das ist Ausdruck von Kenntnislosigkeit der Materie und großer kulturpolitischer Verantwortungslosigkeit." Kultur sei nicht das Sahnehäubchen, das man sich gönnt. Kultur sei "unser Fundament, darauf stehen wir, darauf bauen wir auf." MosMehr zum Thema

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