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Windige Investoren, dubiose Drohbriefe

Windige Investoren, dubiose Drohbriefe

TRIER. Vor dem Amtsgericht ist am Mittwoch der Betrugsprozess gegen einen 53 Jahre alten Trierer Geschäftsmann fortgesetzt worden. Für Aufsehen sorgt der Fall, weil der vorbestrafte Angeklagte und seine Ehefrau vor zweieinhalb Jahren Opfer einer spektakulären Geiselnahme waren.

Richter Helmut Reusch kann sich eine spöttische Frage in Richtung Anklagebank nicht verkneifen: "Reicht der Platz, oder brauchen wir noch einen zusätzlichen Tisch auf der Verteidiger-Seite?", will der Vorsitzende zu Beginn des zweiten Verhandlungstags wissen. Berthold R., der Angeklagte, hat nachnominiert. Statt zwei Verteidiger, wie in der ersten Verhandlung, sitzen ihm dieses Mal gleich drei Advokaten zur Seite. Unüberhörbar, dass der 53-Jährige, in Trierer Juristenkreisen ohnehin dafür bekannt, gerne und häufig die Anwälte zu wechseln, beim letzten Mal mit seinen Verteidigern nicht zufrieden war: "Fragen Sie meinen Anwalt. Ich glaube, der schläft gerade neben mir ein", antwortete Berthold R. einmal auf die Frage des Richters. Allerdings: Für die mittlerweile drei Juristen ist die Verteidigung ihres Mandanten auch keine einfache Sache. Denn erstens redet Berthold R. gerne viel und zweitens manchmal unkontrolliert. Nur einmal am zweiten Prozesstag müssen selbst der wortgewaltige Angeklagte und seine Verteidiger passen. Da tritt eine nicht minder rhetorisch gewandte Zeugin auf, die - wie etliche andere auch - behauptet, von Berthold R. übers Ohr gehauen worden zu sein. Die heute 61-Jährige wollte gemeinsam mit ihrem Ehemann Ende der 90-er Jahre in der Eifel einen Senioren-Wohnpark errichten und suchte Geldgeber. Berthold R. war nach Angaben der Zeugin bei der Suche behilflich, präsentierte nach und nach mehrere angeblich finanzkräftige Investoren. Doch die entpuppten sich allesamt als teilweise teure Luftnummern. Der Frau platzte nach eigenen Angaben erst der Kragen, als Berthold R. dem Ehepaar eine saftige Rechnung präsentierte und den beiden wenig später einen in Russland abgestempelten Brief eines dubiosen Inkassobüros auf den Schreibtisch flatterte. In fehlerhaftem Deutsch heißt es in dem Schreiben des Inkasso Teams Moskau (ITM): "Unser Mitglied möchte das unser "Einsatzteam Moskau Inkasso" sich dieser Angelegenheit annimmt. (…) Ihre Frist endet am 30.08.2002! Danach werden wir Sie aufsuchen!" "Eine Frechheit, Leute so zu verängstigen", sagt die Zeugin. Sie zahlte damals jedenfalls nicht, ging zur Polizei und zeigte Berthold R. und einen seiner Investoren an. Pikant ist die Sache mit den dubiosen Geldeintreibern, weil der Angeklagte und seine Ehefrau zwei Monate vor dem ITM-Brief selbst Opfer eines Brutalo-Inkassos waren. Die Täter wurden damals rasch gefasst und zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Auch andere Zeugen belasten am Mittwoch den wegen mehrfachen Betrugs angeklagten R. schwer. Der Prozess gegen den selbst ernannten Doktor wird am übernächsten Dienstag fortgesetzt.